Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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sie in Wut: sie droht ihm fürchterliche Rache; endlich sinkt sie bewusstlos zu Boden. Er scheidet von ihr mit Thränen, blitzschnell vom Schifflein davongetragen. Als sie erwacht, müssen Höllen- geister ihr Schloss auf der Insel der Seligen zerstören; sie eilt durch die Lüfte auf ihrem Wagen nach dem Schloss im toten Meere und rüstet sich hier zu stolzem Zug nach Gaza.

XVII.

Gaza ist der Waffenplatz des Agypterkönigs. Er hält eben IIeerschau über die versammelten Scharen, die aus Agypten und Athiopien, aus Barka und Tripolis, aus Arabien und Persien und Indien gekommen sind. Zuletzt erscheint unerwartet Armida, auf prächtigem Wagen, von bewaff- neten Jünglingen und Jungfrauen und einem syrischen Heerhaufen begleitet. Emiren, einst Christ aus Armenien, der Führer einer auserlesenen Schar, erhält den Oberbefehl über das Heer. Beim Mahl sind die Führer versammelt. Da tritt Armida vor, dem König ihre Hilfe bietend, ihm berich- tend, wie sie die Stärksten der Kreuzfahrer in ihrer Hand gehabt; wie sie ihm dieselben zum Geschenk gechickt; wie Rinald sie befreit; wie sie dies und noch ein besonderes Vergehen gegen sie selbst jetzt an ihm rächen wolle. Wer ihr Rinalds Haupt bringt, dem will sie die Haud zum Ehebunde reichen. Gleich wenden sich die Herzen der tapferen Helden ihr zu, entschlossen für sie zu kämpfen.

Rinald gelangt nach vier Tagen so lange hatte auch die Fahrt der Boten gedauert nach dem gelobten Lande. Der Greis empfängt sie. Er mahnt Rinald den Zorn und die Sinnenlust in sich zu überwinden und händigt ihm eine Waffe ein, die, an einem Baume hangend, durch ihren Glanz den dreien den Weg zu dem Greise gezeigt hatte. Der Schild stellt in einer Reihe von Bildern die Grossthaten seiner Ahnen aus dem Hause Este von der Zeit des Honorius an dar, Vor- bilder, die ihn zur Nacheiferung anspornen müssen. Der Däne Karl übergibt Rinald das für ihn mitgebrachte Schwert. Dann besteigen sie einen von dem Greis geführten Wagen, der sie zu Gott- frieds Lager bringen soll, und der Greis nennt Rinald unter dessen späten Eukeln Alphons II. als Muster der Mannestugend, dem Grosses zu vollbringen bestimmt ist, wenn es ihm gelingt, ein neues Kreuzheer zum heiſigen Grabe zu führen. Vor dem Lager verlässt sie der Greis. Die Kunde von ihrer Ankunft dringt zu Gottfried, der sich beeilt ihnen ehrenvollen Empfang zu bereiten.

XVIII.

Rinald erklärt seine Reue über seinen Zorn. Gottfried umarmt ihn, alle empfangen ihn freudig. Peter der Eremit fordert ihn zur Busse auf für seinen Jähzorn und den Sinneutaumel, dem er sich hingegeben. Er wird entsündigt und soll nun den Zauber des Waldes bannen, damit neues Sturmgerät gebaut werden kann. Nachdem er am nächsten Morgen am ölberg gebetet, begibt er sich in voller Waffenrüstung zum Walde.

Wonnevolle Töne empfangen ihn. Ein Strom umrauscht den Wald. Eine goldene Brücke führt ihn über die Fluten; sie versinkt hinter ihm. Blumen und junges Grün entspriessen dem Walde, Nymphen treten aus den Bäumen, mit Saitenspiel buntverschlungene Tänze begleitend; aus einer Myrte schreitet Armidens Gestalt ihm entgegen, mit einschmeichelnder Rede ihn an sich lockend. Als er das Schwert nach der Myrte erhebt, fleht sie ihn an ihr den Todesstoss zu geben; dann wird sie zum hundertarmigen gewaffneten Riesen, die anderen Nymphen zu Cyklopen; er bebt nicht, er schwingt das Schwert nach dem Baum, die Erde erzittert, Blitz, Donner, Sturm und Hagelwetter umbrausen ihn, er fällt den Baum, der jetzt zum Nussbaum geworden; der Zauber ist geschwunden. Rinald kehrt zum Lager zurück.