zuhalten. Er entdeckt ihr jetzt, dass sie die Tochter des Kömgs Senap von Athiopien ist. Weiss zur Welt geboren— ein Bild, die Rettung einer weissen Jungfrau von einem sie bedräuenden Drachen durch eines Ritters Kühnheit darstellend, hing in der Königin Gemach— drohte sie der unschuldigen Mutter Verderben von dem eifersüchtigen Gemahl. Sie wurde dem Diener zur Rettung anvertraut, der ein schwarzes Kind zur Stelle schaffen musste. Auf der Flucht durch einen Wald schreckt den Diener eine Tigerin; er flieht, den Korb mit dem Kind stehen lassend. Aber das Tier leckt die Hand des Kindes und reicht ihm das Euter dar. Auch aus anderer schwerer Gefahr wird Clorinde im zweiten Jahr wunderbar gerettet. Ein Traumgesicht gebietet dem Diener die Tochter christlicher Eltern zu taufen; er thut es nicht, da er selbst als Agypter Muhamedaner ist. Jetzt ist ihm in der letzten Nacht ein Traumgesicht erschienen, an diese Unterlassung ihn mahnend und ihm kündend, dass seiner Herrin Leben und Geschick bald wechseln werde. Auch Clorinde hat ein Traum darauf hingewiesen, dass sie eigentlich Christin sei; aber sie will dem Glauben treu bleiben, den sie mit der Ammenmilch eingesogen, und will vom Kampf nicht lassen. Sie zieht aus mit Argant. Der Turm wird in Brand gesteckt. Bedräungt von feindlicher Ubermacht, ziehen sie sich zum Thore zurück; dies wird, ehe die Feinde eindringen, geschlossen. Clorinde ist draussen geblieben, um Arimon zu züchtigen, der sie schlug. Sie erschlägt ihn, findet aber dann das Thor verschlossen. Sie mischt sich unter die Franken. Nur Tankred erkennt in ihr den Feind. Als sie vom Haufen sich trennt, um zu sehen, ob sie nicht durch ein anderes Thor in die Stadt kommen könne, folgt er ihr, entschlossen den Kampfesbruder am Gegner zu rächen. Clorinde will, als sie schon schwer verwundet ist, auf Tankreds Fragen ihm ihren Namen nicht nennen; durch die Erklärung, sie sei einer der beiden, die den Turm in Flammen gesetzt, reizt sie ihn zu neuer Wut. Sie wird tötlich verwundet und bittet, da sie ihr Ende nahen fühlt, von ihm getauft zu werden. Er holt Wasser im Helm aus einer nahen Quelle, er enthüllt ihr Antlitz und erkennt die Heissgeliebte. Als er sie mit Wasser genetzt und die heiligen Worte gesprochen, reicht sie ihm die Hand zum Dank und verscheidet. Auch seine Kraft bricht; er möchte sterben neben der lieben Toten. Eine Franken- schar findet den Bewusstlosen neben der Leiche; der Führer lässt den Schwerverwundeten und die Tote in Tankreds Zelt schaffen. Nur schwer gelingt es, Tankred, der auch sterben will, dem Leben zu erhalten. Peters Zureden und Clorindens Traumerscheinung geben ihn dem Leben wieder. In Jerusalem ist grosse Trauer. Argant schwört Clorindens Tod an Tankred zu rächen.
XIII.
Ismen begibt sich in den Wald, aus dem die Feinde Holz zum Belagerungsgerät geholt, und beschwört die Geister der Unterwelt Besitz von jedem Baum zu nehmen, dass die Franken diesen nicht abhauen können. Als Gottfrieds Zimmerleute kommen, schreckt sie Zauberspuk zurück, vor dem auch die dann mitgesandten Helden erbleichen. Ein Kühner, Alkast, findet sich durch ein Feuermeer zurückgehalten, als er eindringen will; er schaut ein von den Höllengeistern beschütztes flammendes Schloss und zieht sich furchterfüllt zurück. Auch die mutigsten Kämpfer kehren zitternd vom Walde heim. Tankred durchdringt gefahrlos die Waberlohe, die dann ver- schwindet; aber inmitten des Waldes fordert ihn syrische Schrift an einer Cypresse auf des Waldes zu schonen, und als sein Schwert des Baumes Rinde trifft, dringt Blut aus dieser hervor; bei einem zweiten Hieb vernimmt er Clorindens Stimme, die um Schonung fleht. Sie sei in die Cypresse gebannt wie die Seelen anderer Erschlagenen in andere Bäume. So meldet er Gottfried, der nun selbst


