Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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Turm der Königsburg hat sie dem Kampf zugeschaut; sie bangt vor seiner Fortsetzung. Sie hört von Tankreds Verwundung. Sie vermag Wunden zu heilen; soll sie zum Feinde gehen? Ehre und Liebe kämpfen in ihr. Als Clorindens Freundin hat sie freien Zutritt zu deren Wohnung. Sie nimmt der Heldin Rüstung nnd entkommt mit einem alten Knappen und einer Dienerin aus der Stadt. Von einem nahen Walde aus schickt sie ihren Knappen als Boten zu Tankred. Ungeduldig wartet sie seiner Rückkehr; sie reitet hinauf auf einen nahen Hügel, ohne zu bedenken, dass der sie beleuchtende Vollmondschein sie verraten kann. Hier wird sie überfallen von Alkander und Polyfern, deren Vater durch Clorindens Hand gefallen war; im Hinterhalte liegend, um Zufuhr abzufangen, die zur Stadt unterwegs ist, glauben sie die Feindin zu erkennen und sehen den Augen- blick der Rache gekommen. Die Jungfrau flieht, ehe der Knappe gute Botschaft bringen kann. Polyfern ihr nach. Alkander meldet ins Lager, Clorinde fliehe vor den Franken. Tankred erfährt es und besteigt das Ross, die Geliebte zu schützen.

VII.

Erminia entkommt den Verfolgern. Nacht und Tag fortreitend, gelangt sie zum Jordan und sinkt ermattet nieder. Am Morgen erwacht, trifft sie auf die Behausung eines alten Hirten; freundlich in seiner Familie aufgenommen, bleibt sie da, die Herde weidend und ländliche Arbeiten verrichtend.

Tankred folgte der Spur; weit entfernt vom Lager trifft er einen Mann, der ihn zum Heere zurückbringen will, aber zu Armides Zauberschloss führt. Hier kämpft er mit Rambald, der Heide geworden ist und Abschwörung des Christentums von ihm verlangt; plötzlich erlischt die Zauber- helle, in der beide bisher gefochten. Rambald entkommt; Tankred geht, ohne es zu wissen, durchs Thor und ist eingeschlossen. Jetzt macht er sich Vorwürfe. Wird er Clorinde je wiedersehen? Kann er Argant sein Wort halten?

Am sechsten Tage reitet Argant zum Zweikampf. Sein Herold kommt zu Gottfried. Tankred ist nicht da: kein andrer Ritter meldet sich zum Streit; da will Gottfried selbst kämpfen. Der greise Raimund spricht dagegen, dass der Führer des Heeres sein Leben im Einzelkampf in Gefahr bringe. Trotz seiner Jahre will er den Feind bestehen. Sein Beispiel wirkt; jetzt melden sich viele, und das Los muss die Auswahl treffen. Auch dies bestimmt den Fürsten von Toulouse zum Kampf. Er besteigt sein Andalusierross Aquilin, das mit dem Nord an Schnelligkeit wetteifert, und sprengt dem Heiden entgegen; Gottes Engel mit blitzendem Demantschild begleitet ihn. Argant fehlt im Speerstoss; sein Schwert zerbricht am Demantschild; er will den Gegner ringend fassen, aber Raimunds Ross entzieht diesen stets den Umarmungen. Argant schlägt er inzwischen immer neue Wunden. Jetzt sendet Beelzebub eine Truggestalt Clorindens zu dem Pfeilschützen Oradin, damit dieser Argant rette. Oradin trifft Raimund am Gürtel. Das ist offener Ver- tragsbruch, der Rache verdient. Es entwickelt sich ein allgemeiner Kampf. Die Feinde weichen, trotz Argants Tapferkeit. Nun schickt der Höllenfürst Wetterwolken; Hagelmassen, Blitz und Donner und Sturm kommen den Christen ins Gesicht. Clorinde führt die Scharen aufs neue vor: bald ist Argant ihr zur Seite. Die Christen fliehen. Nur Bouillon hält zweimal Argant auf, bis seine Scharen sich ins Lager retten, in welchem Sturm und Regen weiter wüten, ganze Zelte fort- reissend.