Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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III.

Am andern Morgen zieht das Krenzheer vor die heilige Stadt, voll Freude, Ehrfurcht und Demut nahen sie dem Ziel ihrer Fahrt. Die Feinde eilen Thore und Mauern zu besetzen. Clorinde zieht mit einer Reiterschar den Franken entgegen; sie überfällt einen Trupp von Plünderern und nimmt diesen das erbeutete Vieh wieder ab. Tankred sprengt der siegreichen Heldin entgegen. Der Stoss seines Speeres sprengt ihr Visier; er erkennt die schöne Jungfrau, die er einst nach einem Kampf mit Persern an kühlendem Quell geschaut, deren Bild seitdem nicht aus seinem Herzen wich. Er fordert sie auf zum Einzelkampf ausserhalb des Gewühls, um dann wehrlos seine Brust ihren Waffen darzubieten; da sieht er, wie ein bei der Verfolgung der Feinde herankommender Franke nach Clorindens unbedecktem Haupte den Stahl zückt. Rechtzeitig kann Tankred den Hieb noch auffangen. Während er voll Zorn den Mitchristen verfolgt, eilt Clorinde zu den bedrängten, bald fliehenden, bald wieder vordringenden Ihren. Argant, der vor der Stadt im Hinterhalt gelegen, eilt ihr zu Hilfe, in Massen die Feinde niederstreckend. Tankred kommt von der Verfolgung des Fliehenden zurück: mit ihm stürzt sich das Fähnlein Dudos, das aus freien Rittern besteht, darunter Rinald, auf die Gegner. Aladin lässt sich die Namen der Feinde von Erminia, der Tochter des letzten Königs von Antiochien, nennen, die mit ihm einen Turm bestiegen hat. Ihr Herz brennt von heisser Liebe für Tankred; aber hiervon wagt sie nichts kundzugeben. Argant sinkt von Rinalds Speer vom Rosse, aber Rinalds Pferd stürzt gleichzeitig, und so ist der Circassier gerettet. Seine Schar flieht. Clorinde und Argant decken den Rückzug. Dudo, der den Feinden besonderen Schaden zugefügt, wird endlich von Argants Schwert durchbohrt; dieser rühmt sich laut, damit die Christen es hören und Gottfried verkündigen sollen, wie das von diesem geschenkte Schwert die That vollbracht habe. Endlich unter die Mauern zurückgedrängt, wird er von Rinald bedroht, der den Versuch machen will die Stadt zu stürmen, durch Gottfrieds Gebot sich aber zum Rückzug bestimmen lässt.

Dieser selbst beschaut die Lage der Stadt und ihre natürlichen Verteidigungsmittel; am Nordthor lässt er zuerst das Lager sich erheben, das von drei Seiten die Stadt umgibt; Ver- schanzungen werden zum Schutze desselben aufgeworfen. Dann wird Dudo am nächsten Tage feier- lich bestattet; danach lässt der Feldherr Holz zu Belagerungswerken fällen.

IV.

Der Fürst der Hölle sieht Gottfrieds Thätigkeit; wuterfüllt versammelt er seine Geister und gebietet ihnen den Christen entgegenzutreten.

Hydraot, der zauberkundige Fürst von Damaskus, entsendet seine Nichte Armida, die ebenso schön wie zauberkundig ist, in das christliche Lager. Von Rustaz, Gottfrieds Bruder, vor diesen geführt, erzählt sie, dass sie, des Thrones berechtigte Erbin, als Tochter des Königs Arbilan und seiner Gattin Chariklia, von ihrem Vormund und Oheim gezwungen werden sollte dessen wüsten Sohn zum Manne zu nehmen; dass ihr der Gifttod drohte, als sie sich dessen weigerte; dass Hydraot, als sie entflohen, sie beschuldigte, sie habe ihn vergiften wollen; dass sie dann zu Gottfried gekommen sei, der ihr nur zehn seiner Helden zu geben brauche, um ihr den Sieg zu verschaffen, da Adel und Volk ihr treu seien.

Gottfried schwankt. Der Beistand von Damaskus kann sehr viel wert sein gegen die Agypter; aber erst will er Gottes Willen durch die Eroberung Jerusalems gehorsam werden. Ihr Flehen