Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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Nach Jerusalem dringt die Kunde vom Nahen des Heeres. Um in der Stadt mehr Sicher- heit zu laben, will der alte König, Aladin, zuerst alle Christen daselbst töten; doch andere Über- legung sagt ihm, er könne dadurch den Zorn der jedenfalls Sieger bleibenden Christen allzusehr reizen, und bei etwaigen Verhaudlungen mit dem Feinde könnten ihm andererseiis dessen Glaubensgenossen gute Dienste leisten. So beschränkt er sich darauf, alles um die Stadt zu verwüsten, die Brunnen zu verderben, die Stadt selbst noch stärker zu befestigen und neue Verteidiger in deren Mauern zu nehmen.

II.

Ismen, ein zum Islam übergetretener früherer Christ, kundig aller Zauberwerke, gibt Aladin den Rat sich eines wunderthätigen Muttergottesbildes, das die Christengemeinde in der Krypta ihrer Kirche verehrt, zu bemächtigen und es in die Moschee zu bringen, wo er die schützende Kraft des Bildes durch seine Zauber steigern und ihm ganz dienstbar machen wolle. Das Bild wird geraubt und in die Moschee gebracht, aber am andern Morgen ist es verschwunden. Nur die Christen, meint Aladin, können es entfernt haben; jetzt soll mit Feuer und Schwert gegen sie gewütet werden. Aber eine heldenhafte schöne christliche Jungtrau, Sophronia, ist entschlossen ihre Glaubensgenossen zu retten, indem sie vor den König tritt und ihm erklärt, sie habe die That vollbracht und dann das Bild verbrannt. Sie allein sei sch uldig. Sie wird zum Scheiterhaufen geführt, sie soll an den Pfahl gebunden werden; da erscheint Olindo, ein edler Jüngling, der schon lange, ohne dass sie es ahnte, Sophronien liebt, und verlangt statt ihrer zu sterben, da er, nicht sie, die That begangen. Sophonie besteht auf ihrer Behauptung, und Aladin gebietet beide zu verbrennen. An denselben Pfahl gebunden, Rücken an Rücken, sehen beide mutig dem nahen Feuertode entgegen.

Da sprengt ein Gewappneter heran, einen goldenen Tiger auf dem Helm. Es ist die Heldenjungfrau Clorinde, die eben vom Kampfe mit Christen, den sie sich zur Lebensaufgabe gemacht, siegreich heimkehrt. Sie erkundet, was geschehen; Mitleid bewegt ihr Herz. Die Liebenden müssen gerettet werden. Sie gebietet die Flammen zu löschen und eilt zu Aladin. Sie verspricht dem König ihre Hilfe, der ihr gern den Oberbefehl über das Heer anvertrauen möchte. Sie verlangt als Lohn die Freigebung der beiden Verurteilten, indem sie zugleich erklärt, die Christen seien an dem Verschwinden des Bildes aus der Moschee unschuldig; eine höhere Hand habe dasselbe entfernt. Ismen habe das heilige Glanbensgesetz Mahomets verletzt, das die Aufstellung von Bildern im Tempel verbiete. So erwirkt sie die Befreiung der beiden, die nun, ihrer gegenseitigen Liebe gewiss, fürs das Leben vereint bleiben sollen. Aber verbannt werden sie aus Palästina, mit ihnen viele andere Christen, die gefährlich werden könnten. Nur Greise, Weiber, Kinder behält der König als Geiseln zurück.

Das Frankenheer erscheint vor Emaus; es lagert sich. Als der Abend naht, kommen zwei Abgesandte des Jgypterkönigs aus Gaza. Der eine, Alet, trägt Gottfried ein Bündnis mit seinem Herrn an, falls die Kreuzfahrer sich auf ihre bisherigen Eroberungen beschränken wollen; beredt schildert er Vorteile und Gefahren. Gottfried lehnt unter solcher Bedingung ein Bündnis ab. Da faltet der andere Bote, Argant, ein tapferer Circassier, den Saum des Gewandes und erklärt, hier bringe er Krieg oder Frieden zur Auswahl. Alles ruft: Krieg. Gottfried entlässt die Boten, nach- dem er sie beschenkt, Alet mit einem Helm, Argant mit kostbarem Schwert. Nicht umsonst, meint Argant, solle ihm die Waffe zum Angriff verliehen sein. Er geht zu Aladin nach Jerusalem, um alsbald gegen die Christen kämpfen zu können. Alet mag allein seinem Könige die Botschaft überbringen.