Aufsatz 
{I. Rede zur Gedächtnis-Feier am 18. Oktober 1888 : Realgymnasium zu Cassel / gehalten von Hermann Siebert
Entstehung
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Inhalts-Angabe

von

Torquato Tassos Befreitem Jerusalem.

Von dem Direktor

Dr. Wilhelm Wittich.

In Göthes Torquato Tasso finden sich naturgemäss starke Beziehungen zu dem Hauptwerk des italienischen Dichters, dem Befreiten Jerusalem. Zahlreich sind die Stellen allerdings nicht, in denen es erwähnt wird, aber tiefgreifend ist die Bedeutung desselben für das Göthesche Stück

Die erste Hindeutung findet sich im zweiten Auftritt des 1. Aufzugs. Die Gräfin kündigt die. nahe Vollendung des Werkes an; der Fürst gibt seiner freudigen Erwartung wie seiner Ungeduld Ausdruck, dass Tasso mit seiner Arbeit nicht fertig zu werden vermag, immer noch daran ändern zu müssen glaubt. Die Prinzessin lobt die Bescheidenheit und Sorgfalt, die hierin sich kundgibt. Im folgenden Auftritt übergibt Tasso dem Fürsten sein Werk. Indem er den Anteil des Herzogs an seiner Schöpfung hervorhebt, lässt er uns einen Blick auf den Grundcharakter derselben thun; wir sehen, es handelt sich um ein grosses Heldengedicht. In dem vierten Auftritt erfahren wir, dass dasselbe Bezug hat auf die Eroberung Jerusalems. Der erste Auftritt des zweiten Aufzugs sagt uns, dass der Dichter die Frauen in seinem Werke stets liebenswert und edel vorzustellen gewusst habe, und es wird uns der Name der bedeutendsten derselben, Armide, genannt. Tasso selbst hebt hier den Anteil hervor, den besonders die Prinzessin an diesen Darstellungen als sein edles Vorbild gehabt, und er nennt uns die anderen hervorragenden Frauen, Clorinde, Erminia, Sophronia, nebst den Namen der Helden, die zu ihnen in Beziehung stehen, Tankred und Olind. Erst im vierten Auftritt des vierten Aufzugs ist wieder von dem Epos die Rede. Um Urlaub sich vom Fürsten erwirken zu lassen, macht Tasso geltend, dass er sein Werk in Rom berufenen Kennern zur Beurteilung vorlegen wolle. Wir hören von dem Fleiss, der auf dasselbe verwendet ist, von seinem Zwecke, die Christenheit zu einem neuen Kreuzzuge zu begeistern, von des Dichters einziger Hoffnung selbst an solch einem heiligen Kriege teilnehmen zu können, von seinem jetzigen Wunsch dem Liede die höchste Vollendung zu sichern. Im zweiten Auftritt des fünften Aufzugs fordert Tasso von dem Herzog die Handschrift seines Gedichtes zurück, um dasselbe in Rom von Kunstverstän- digen prüfen zu lassen. Alphons warnt ihn vor Anderungen an dem, was der erste, natürliche Trieb ihm eingegeben, und bewilligt nur eine Abschrift, damit ihm die Gabe nicht verloren gehe,