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Am 1. Juni folgte die Übersiedelung des kranken Kaisers von Charlottenburg nach Potsdam in das Schloss Friedrichskron, in dasselbe Schloss, in welchem er geboren war. So liegt oft Geburt und Tod nahe zusammen. Hier hat er noch 14 Tage gelebt und gelitten. Rührend sind die Worte, die er am Tage vor seinem Tode seiner Tochter, der Prinzessin Sophie, zu ihrem 18. Geburtsfest auf ein Blatt schrieb:„Bleibe fromm und gut, wie du es bisher gewesen. Dieses ist der letzte Wunsch deines sterbenden Vaters.“
Die Stunden des Kranken waren gezählt. Die Seinen waren um sein Sterbebett versammelt, auch Prinz Heinrich war mit seiner erlauchten jungen Gemahlin von Schloss Erdmannsdorf herbeigeeilt.
Am 15. Juni um die 11. Vormittagsstunde hauchte der teure Fürst seinen letzten Atemzug aus. Neunundneunzig Tage hatte er die Regierung geführt.
„Dem Königlichen Dulder“— dieses sind die herrlichen Worte, welche unser erhabener Kaiser Wilhelm II. seinem heissgeliebten Vater in der ersten öffentlichen Kundgebung nachrief— „dem Königlichen Dulder, dessen Herz für alles Grosse und Schöne schlug, sind nur wenige Monate beschieden gewesen, um auch auf dem Throne die edlen Eigenschaften des Geistes und Herzens zu bethätigen, welche ihm die Liebe seines Volkes gewonnen haben. Der Tugenden, die ihn schmückten, der Siege, die er auf den Schlachtfeldern einst errungen hat, wird dankbar gedacht werden, so lange deutsche IIerzen schlagen, und unvergänglicher Ruhm wird seine ritterliche Gestalt in der Geschichte des Vaterlands verklären.“
Wir aber wollen das Andenken des hochsinnigen Fürsten und des edlen Menschen heilig halten, indem wir seinem hohen Vorbild in treuer Pflichterfüllung, in Gottvertrauen und Ergebung nache fern; wir wollen uns bemühen, dass die Hoffnung, welcher Prinz Heinrich vor mehr als Jahres- frist unserer Schule gegenüber Ausdruck gegeben hat, sich immer mehr verwirklicht:„dass diese Schule nicht nur eine Pflanzstätte für die wissenschaftlichen Grundlagen des praktischen Lebens sei, sondern auch eine Pflegstätte der Gottesfurcht und der königstreuen Gesinnung, aus deuen das preussische Volk mit der gesamten deutschen Nation seine Ideale zu schöpfen seit lange gewohnt ist.“
Dann tragen wir zu unserm Teil dazu bei, dass wir mit Fug und Recht einstimmen können in die Worte, die wir vorher vernommen haben:
Wir aber stehn wie Mauern Um unser Kaiserhaus;
Ist Gott mit uns, so dauern Wir manchen Sturm noch aus; Ob rings die Feinde toben,
Ob Säul' um Säule fällt,
Wir fürchten den dort oben, Sonst niemand auf der Welt.
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