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geliebten Fürsten ungesucht in jeder Andacht zum Ausdruck. Da zeigte sich die Liebe, mit der ihm alle Herzen anhingen, in der rührendsten Weise. Die Ausserungen waren so überzahlreich, so allgemein,— wohl noch niemals sind die Blicke so vieler in banger Furcht und immer neu auf- keimender Hoffnung auf ein Krankenbett gerichtet gewesen als damals. Mit fieberhafter Spannung warteten wir Tag für Tag auf die Nachrichten, welche von San Remo bekannt wurden.
Und wie nahm er selbst, der leidende Kronprinz, die Mitteilung von dem hoffnungslosen Zustand seiner Krankheit entgegen? Mit einem Heldenmut ohne gleichen, mit einer Ergebung, mit, einem Gottvertrauen, dass wir nur mit Bewunderung auf eine solche Seelengrösse hinblicken können. „Im Jahre 1870“, so sagte er,„hätte mich eine Kugel treffen können. Ich habe damals dem Tod ruhig ins Auge gesehen, wie ich es jetzt thue,— wie Gott es will.“ So gern er auch ein langes Leben seinem Volk und seinem Land geweiht hätte,— wie er denn auch sagte, um den Dank für alle die zahllosen Beweise der Liebe abtragen zu können, dazu gehöre ein langes Leben— er stellte in demütiger Ergebung seine Sache Gott anheim und sprach getrost:„Wer der Sohn eines so ruhm- reichen Vaters ist und der Vater eines so tüchtigen Sohnes, der kann, wenn es sein muss, von seinem Volke entbehrt werden.“ So vergingen in banger Besorgnis die Wintermonate. Der sehn- süchtige Wunsch des tiefbetrübten kaiserlichen Vaters seinen leidenden Sohn noch einmal wieder- zusehen ging nicht in Erfüllung.— Am 9. März entschlief unser grosser Kaiser Wilhelm. Schon um 11 Uhr desselben Vormittags brachte der Draht die Trauerkunde nach San Remo. Die Auf- schrift„An Seine Majestät den Deutschen Kaiser Friedrich Wilhelm“ liess diesen sogleich erkennen, welcher Wechsel der Dinge eingetreten war. Er legte das Blatt uneröffnet zurück und weinte.
Bald raffte er sich aus seinem Schmerz auf, und als ein echter Hohenzoller, der treue Pflicht- erfüllung höher stellt als jede Rücksicht auf die eigene Person, zögerte er keinen Augenblick sein Leben ganz in den Dienst des Vaterlands zu stellen und das hohe Amt, zu dem Preussen, zu dem Deutschland ihn berief, auf sich zu nehmen. Die Last und Verantwortlichkeit der Regierung eines so grossen Reiches ist wohl schon für gesunde, kräftige Schultern schwer genug, aber der Todkranke hielt sich auch einer solchen Aufgabe gegenüber nicht für zu schwach. Gleich am folgenden Tag, am 10. März, es war der Geburtstag der Königin Luise, trat er die weite Reise von dem milden Süden nach der noch winterlichen Heimat an,— ein kühnes Wagnis, es konnte ihm das Leben kosten. Am Abend des 11. März, unter Schneegestöber, traf er in Potsdam ein, und schon der nächste Tag brachte zwei hochwichtige kaiserliche Kundgebungen: An Mein Volk und An den Reichskanzler, teure Vermächtnisse und schöne Zeugnisse von dem hohen Sinn und Edelmut des Fürsten. Ihr selbst habt sie gelesen, habt gesehen, wie sie an den öffentlichen Plätzen und Strassen- ecken zu jedermanns Kenntnis angeschlagen waren, wie sie in kunstvollem Druck mit schwarzen und silbernen Buchstaben vervielfältigt wurden, und ihr habt sie wohl auch aufbewahrt, diese echt königlichen Worte, als teure Andenken von geschichtlichem Wert für euer ganzes Leben.
In edler Wärme würdigt der Erlass An mein Volk die unsterblichen Verdienste des grossen Kaisers Wilhelm und den allgemeinen Schmerz um seinen Hingang:„Aus seinem glorreichen Leben,“ so heisst es,„schied der Kaiser. In dem Vielgeliebten, den Ich beweine und um den mit Mir Mein Königliches Haus in tiefstem Schmerze trauert, verlor Preussens treues Volk seinen ruhmgekrönten König, die deutsche Nation den Gründer ihrer Einigung, das wiedererstandene Reich den ersten Deutschen Kaiser. Unzertrennlich wird sein hehrer Name verbunden bleiben mit aller Grösse des deutschen Vaterlands, in dessen Neubegründung die ausdauernde Arbeit von Preussens Volk und Fürsten ihren schönsten Lohn gefunden hat. König Wilhelm sicherte durch die unter seiner Führung


