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same Kampf und Sieg hat Nord und Süd so fest gekittet, dass das Band nun endgültig und unlöslich geknüpft ist. Und als dann aus Sturm und Graus, aus Blut und Feuer heraus in jenem Königsschlosse zu Versailles, mit welchem die Erinnerung an die Zeiten der Ohnmacht und Erniedrigung Deutsch- lands so eng verknüpft ist, am 18. Januar 1871 die neue deutsche Kaiserkrone in neuem Glanze erstand, da war es der Kronprinz, der als der erste Unterthan seines erlauchten Vaters, seines Königs und Kaisers, vor diesem sein Knie beugte und ihm huldigte.
Was ihn aber uns allen besonders nahe brachte, was ihn zum Liebling des ganzen deutschen Volkes gemacht hat, das war seine Freundlichkeit und Leutseligkeit; dieselbe wuchs hervor aus einem edlen Herzen, das für das Wohl und Wehe des Nächsten warm schlug; darum vergab er hierdurch auch nichts seiner fürstlichen Würde.
lch brauche euch nur an den einen oder anderen liebenswürdigen Zug aus seinem Leben zu erinnern, wie uns solche ja so zahlreich bekannt sind. Ihr wisst wohl alle noch, wie er bei seiner Anwesenheit hier in Cassel sich ungezwungen unter uns bewegte, wie er damals in der offenen Fulda, wo auch ihr jeden Sommer Erquickung und Stärkung findet, badete, und als er dann wieder herüberfuhr und einige Knaben vorwitzig hinter seinem Kahn herschwammen, sich anhängten und hinaufkletterten, wie er da beim Aussteigen auch für diese ein freundliches Wort hatte, indem er ihnen zurief:„Lebt wohl, ihr Jungen!“ Ihr habt wohl einmal erzählen hören, wie er mit seiner hohen Gemahlin einst dem Gottesdienst in der Kirche zu Bornstedt beiwohnte und einer Dienstmagd, die in seiner Nähe sass und ohne Gesangbuch war, sein eigenes Gesangbuch hinreichte, oder wie er den Lehrer der Dorfschule, als dieser die Nachricht von der Erkrankung seiner entfernten Mutter erhalten hatte, sofort beurlaubte and selbst für ihn eintrat und den Vormittagsunterricht zu Ende führte, oder wie er einen Gemeinen, der sich im Krieg gegen Frankreich besonders aus- gezeichnet hatte, öffentlich in Reih und Glied mit einer wohlverdienten Ordensauszeichnung schmückte und dabei im Uberwallen seines Gefühls den Kopf desselben zwischen seine Hände fasste und ihm einen herzhaften Kuss auf die Wange drückte. Aus solchen einfachen Zügen würde sich schon jeder ein richtiges und lebendiges Bild von der herzgewinnenden Freundlichkeit dieses Fürsten machen können. So verkehrte er mit uns, er stellte sich mitten in das Volk hinein, er fühlte sich als zu ihm gehörig; wir nannten ihn„Unsern Fritz“. Von ihm gilt das schöne Wort, welches Schenken- dorf von Scharnhorst sang, in noch höherem Grade:
Keiner war wohl treuer, reiner, Näher stund dem König keiner, Doch dem Volke schlug sein Herz. Ewig auf den Lippen schweben Wird er, wird im Volke leben Besser als in Stein und Erz.
Und welch hohe Bedeutung er diesem Grundsatz beilegte, dass der Fürst seinem Volke angehören müsse, das sagt er uns selbst in den Worten, welche er nach seiner Thronbesteigung an sein Volk richtete:„lch bin überzeugt, dass auf dem Grunde untrennbarer Verbindung von Fürst und Volk, welche das unvergängliche Erbe des Hohenzollernstammes bildet. meine Krone allezeit ebenso sicher ruht wie das Gedeihen des Landes, zu dessen Regierung ich nunmehr berufen bin.“
Und diesen Grundsatz bethätigte er auch bei der Erziehung seiner Söhne. Indem er die- selben dem zerstreuenden Hofleben entzog, stellte er vor allem den dereinstigen Thronerben in die Mitte der öffentlichen Schule und damit in die Mitte des Volkslebens hinein, damit er lerne, was


