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den Bezeichnungen, die ihm erſt langathmig vorgekommen waren, deren Zweckmäßigkeit er aber doch bald eingeſehen hatte, iſt auch nicht viel haften geblieben;— ſoviel iſt und bleibt ihm nur klar: das iſt frei⸗ lich ein andres Turnen als unſre undurchführbare Imitation des Exercierplatzweſens— und wer das ſo könnte, der wäre wirklich manchen Segens ſicher für ſich wie für ſeine Schüler. Und iſt der Herr Kan⸗ didat dann ein energiſcher Mann, ſo greift er doch nach dem vielgeſchmähten Büchlein von X., in dem er alle die Ordnungsübungen ſäuberlich zuſammengeſtellt findet und prägt ſie ſich ein, er macht ſich viel⸗ leicht ein eigenes Büchlein für Geräteübungen; er ſucht ſich zu unterrichten über die methodiſche Folge derſelben, kurzum er macht ſich wirklich vertraut mit der Methodik des Turnunterrichts. Er muß jetzt etwas mehr thun für dieſen Unterricht, den er ſonſt nur als eine unwillkommene Störung der Nachmittagsthätigkeit angeſehen hatte;— aber hat er denn nicht auch für ſeinen anderen Unterricht Vorbereitung nötig? Er giebt in Quarta vielleicht Geographie— muß er da nicht auch zuhaus ganz ge⸗ hörig das präparieren was er ſeiner Klaſſe beibringen will? An den Turngeräten iſt er vielleicht ein bis⸗ chen ungeſchickt und mancher ſeiner Schüler macht es beſſer wie er, aber nach einiger Übung glückt auch das wieder und in einiger Zeit iſt er thatſächlich imſtande einen erſprießlichen Turnuntericht ſelber zu erteilen. 4
Und merkwürdig, bei der nächſten militäriſchen Übung, zu der er eingezogen iſt, irrt er ſich auch nicht ein einziges Mal im Kommando, ja ſein Auge iſt ſchärfer geworden für alles mögliche, und fried⸗ lich ſteht von nun an das Turnbüchlein von X. auf dem Bücherbrett dicht neben dem Exercierreglement, wie im Kopfe des Herrn Kandidaten(oder vielleicht jetzt Lehrer) der Ton des Exercierplatzes und der des Turnſaals ſich ohne gegenſeitige Übergriffe aufs ſchönſte vertragen.
Als gründlicher Deutſcher oder vielleicht auch, weil im Munde anderer ſeine früheren Anſichten ihm immer wieder entgegentreten, und weil er immer wieder auf die Frage antworten ſoll; warum übernehmt Ihr nicht einfach das militäriſche Exercieren und Turnen in Euren Schulen? ſucht er ſich denn endlich über den Unterſchied klar zu werden zwiſchen Schulturnen und Heerweſen.
III. Die Unterſchiede der Methoden und die Endzwecke.
Was iſt nun der Unterſchied zwiſchen Exercierplatz und Turnſaal, zwiſchen Soldat und Schüler? Iſt es möglich, das im Heere Üübliche einfach auf die Schule zu übertragen? Oder was ſteht dem im Wege? Selbſt angenommen, daß es eine vorteilhaftere Methode des Turnunterrichts giebt als die mili⸗ täriſche es iſt, iſt der durch eine ſolche beſondere Methode erreichte Vorteil ein ſo großer, daß er die Mühe des Erlernens aufwiegt? Oder ſind die Bedenken gegen eine militäriſche Unterrichtsweiſe ſolcher Art, daß ihnen gegenüber jede Rückſichtnahme auf die Bequemlichkeit der Lehrer ein Unrecht wäre? Dieſe Fragen ſollen unbefangen geprüft werden und der Verfaſſer wünſcht, daß es ihm gelingen möge, den Leſer von der Wichtigkeit dieſer Entſcheidung zu überzeugen; er darf auch vielleicht hoffen als unparteiiſch angehört zu hören, da er gern geſteht, daß er ſelbſt früher gegen die ſogenannten„Über⸗ ſpanntheiten“ der Spießianer eingenommen war und erſt durch den Erfolg wie durch reifliche Überle⸗ gungen zu anderer Anſicht gekommen iſt*).
Die bloße Erfahrungsthatſache, daß die militäriſche Methode auf unſern Schulen nicht zu günſtigen Reſultaten führt, hat noch keine Beweiskraft; wir müſſen den theoretiſchen Grund einſehen, warum die Ausbildungsmethode bei Soldat und Schüler verſchieden ſein muß, ſonſt ſind wir immer noch dem
*) Ich ergreife hier mit Freuden die Gelegenheit, den Herren Turninſpektor Marx und Reallehrer Völſing in Darmſtadt, bei denen ich zuerſt einen nach Spieß'ſchen Grundſätzen geleiteten Turnunterricht kennen gelernt habe, für ſo manche Belehrung auch in betr. der hier zu behandelnden Fragen, nochmals öffentlich meinen wärmſten Dank auszuſprechen.


