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äußere Leben der Schule tief eingreifende Anordnungen getroffen. Durch die neue Städteordnung trat die Realſchule gleichzeitig auch in engere Beziehungen zu der Stadtverwaltung, welche alsbald mehrere wichtige Fragen in den Kreis ihrer Thätigkeit zog(Progr. von 1875).
Die Schülerzahl ſteigerte ſich inzwiſchen, trotz der am 1. April angeordneten Erhöhung des Schul⸗ geldes auf 48 M. für die 3 unteren und auf 60 M. für die 3 oberen Klaſſen*), ohne Unterbrechung, und man mußte es daher als doppelt wohlthätig empfinden, als im Oktober 1876— ſpäter als man gehofft hatte— der Neubau, unſer jetziges ſtattliches Schulhaus, ein Werk des Herrn Stadtbaumeiſters Stief, bezogen werden konnte. Nun hatte die Schule endlich Raum, ſich nach Bedürfnis auszudehnen, nun konnte man die Apparate und Sammlungen in geeigneten Räumen aufſtellen, überfüllte Klaſſen,(zunächſt die Klaſſen 5 und 6) trennen, die für mehrere Unterrichtsgegenſtände bis dahin noch notwendig geweſene Vereinigung der Klaſſen 1 und 2 beſeitigen und an die teils durch die ebengenannten Maßregeln, teils durch das Ausſcheiden der Lehrer Werner und Scherer(vergl. Anfang 1) notwendig gewordene Berufung neuer Lehrer denken. Im Herbſt 1876 traten die Collegen Dr. Theiſen, Spamer, Dietz und Kahl, welche ſämmtlich noch heute der Anſtalt angehören, ein.
Ein beſonderes Verdienſt erwarb ſich gelegentlich des Einzugs in das neue Gebäude Herr Stadt⸗
verordneter Adolf Noll, jetzt Commerzienrat, durch Stiftung eines wertvollen Uhrwerks, welches alsbald mit allem Erforderlichen verſehen und in Gang geſetzt wurde. 3 Das Schuljahr 1876/77, das vierzigſte ſeit Eröffnung der Schule, ſollte zugleich das letzte Amts⸗ jahr des Direktors Dr. Stein ſein. Nachdem er der Realſchule vom erſten Tage ihres Beſtehens an ſeine volle Kraft gewidmet hatte, durfte er mit dem Bewußtſein von ihr ſcheiden, daß ſein Name mit ihrer Geſchichte unauflöslich verknüpft ſei, wenn ihn auch die Erfüllung ſeines Lieblingswunſches, der Ausbau der Schule zur Realſchule I. O., wofür er noch im Jahre 1876 in einer dem Programm beigelegten Ab⸗ handlung voll Eifer eingetreten war, nicht mehr im Amte finden ſollte. Durch Allerhöchſtes Dekret vom 1. Februar 1877 wurde er auf ſein Nachſuchen und unter Anerkennung ſeiner langjährigen mit Eifer und Treue geleiſteten Dienſte mit Wirkung vom 1. April des gleichen Jahres in Ruheſtand verſetzt.
An ſeine Stelle trat, laut Allerhöchſten Dekretes, Wilhelm Soldan, bis dahin Reallehrer in Darmſtadt, unter deſſen Leitung die Schule ihren nächſten, bis heute letzten, Entwickelungsſchritt zurück⸗ legen ſollte.
Der neue Direktor ließ ſich zunächſt eine Vergrößerung des Lehrercollegiums angelegen ſein, denn nur durch eine ſolche war die unumgänglich nötig gewordene Teilung mehrerer überfüllter Klaſſen möglich zu machen. Dank dem verſtändnisvollen und liberalen Entgegenkommen der ſtädtiſchen Behörde wurde es möglich zwei neue wiſſenſchaftliche Lehrerſtellen, eine philologiſche und eine mathematiſche, zu errichten, welche mit Beginn des Winterſemeſters 1877 mit den Lehramtsaſpiranten Otto Schädel und Dr. Ernſt Scheuermann beſetzt wurden. Dieſe Erneuerungen geſtatteten es, die erſte Vorſchulklaſſe und die vierte Klaſſe der Realſchule, wenigſtens für die wichtigſten Fächer, in Parallelabteilungen zu zerlegen; außerdem konnte von nun an der Mathematik und den neueren Sprachen eine beſondere Sorgfalt zuge⸗ wendet werden.
*) Gleichzeitig wurden übrigens die noch heute geltenden Beſtimmungen getroffen, daß von mehreren die Schule beſuchenden Brüdern der zweite nur 2⁄, alle weiteren nur die Hälfte des Normalſatzes zu entrichten haben, ſowie daß von je 20 Schülern einer von der Schulgeldpflicht befreit werden kann.


