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getragen und die Vorbildung der künftigen Architekten, Cameraliſten, Forſtleute, Zoll⸗, Eiſenbahn⸗ und Poſtbeamten ꝛc. den Realſchulen überlaſſen werden.
In gleichem Sinne ſuchte man auf den Stadrvorſtand einzuwirken, und dieſe Behörde verſchloß ſich den überzeugenden Gründen jener Denkſchrift keineswegs, ſondern gelangte, laut ſchriftlicher Mitteilung des Bürgermeiſters Vogt vom 18. Januar 1868, zu der Ueberzeugung,
daß die Neuorganiſation der Realſchule ein unabweisbares Gebot der Zeit und daß es Aufgabe des
Stadtvorſtandes ſei, mit allen ihm zu Gebote ſtehenden Mitteln dahin zu wirken, daß eine dem
heutigen Bedürfnis entſprechende Umbildung der fraglichen Anſtalt eheſtens eintrete.
Unter dieſen Umſtänden ließ ſich auch die Staatsbehörde gerne bereit finden, in die ſo allſeitig ge— wünſchte Umgeſtaltung einzuwilligen. Die finanzielle Frage wurde ohne Schwierigkeit gelöſt, und nachdem die Anſtalt bereits im Schuljahr 1868/69 5 Realſchul⸗ und 2 Vorſchulklaſſen umfaßt hatte, konnte ſie in das Schuljahr 1869/70 als vollſtändig ausgebaute öklaſſige Realſchule zweiter Ordnung mit Vorſchule eintreten.
Die ſelbſtverſtändliche Folge dieſer Organiſationsänderung war die Berechtigung, gültige Zeugniſſe über die wiſſenſchaftliche Befähigung zum einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt auszuſtellen; ſie wurde der Realſchule am 27. Oktober 1868 durch Entſchließung Gr. Miniſteriums zuerkannt. Im Zuſammenhang damit aber ſtand eine ganze Reihe von anderen Berechtigungen, die der Schule zum Teil ſofort, zum Teil im Lauf der folgenden Jahre zufielen. Insbeſondere gewährte von nun an ihr Abgangszeugnis die Berech⸗ tigung zum Eintritt in die Provinzialgewerbeſchulen, zur Markſcheider⸗ und zur Feldmeſſerprüfung, zum Eintritt als Poſtexpedienten⸗Anwärter, in die landwirtſchaftliche Akademie, als Apothekerlehrling, in den Marineintendantur⸗ und in den militäriſchen Magazindienſt.
Offenbar bedeutete dieſe Errungenſchaft den wichtigſten Schritt, den die Schule bis dahin in ihrem Entwickelungsgange zurückgelegt hatte. Mit der Anerkennung als Realſchule zweiter Ordnung hatte ſie aufgehört, eine blos gewerblichen Zwecken dienende Vorbereitungsanſtalt zu ſein und war in die Reihe der⸗ jenigen deutſchen Schulen eingetreten, welche ihren Schülern ein gewiſſes Maß allgemeiner Bildung, ohne direkte Bezugnahme auf den künftigen Beruf, zu geben beſtimmt ſind. Da aber als Nachweis dieſer Bildung lediglich das Zeugnis über die erfolgreiche Abſolvirung der oberſten Klaſſe galt, ſo war damit zugleich erreicht, was ſchon ſeit Jahrzehnten ſo dringend begehrt und ſtets als unerläßliche Vorausſetzung des Gedeihens der Anſtalt bezeichnet worden war: es war eine entſprechende Frequenz auch des letzten Schulcurſus gewährleiſtet.
Selbſtverſtändlich hatten die Neuerungen eine Vermehrung des Lehrerperſonals notwendig gemacht. Sie erfolgte durch die Berufung des Dr. Landmann, als ſprachlich gebildeten Lehrers, und der noch heute dem Collegium angehörenden Lehrer Albach, Jann(1868) und Seipp(1869). Für das Turnen, das bereits ſeit dem Frühjahr 1866 als allgemein verbindlicher Lehrgegenſtand unter der Leitung des Collegen Dr. Buchner betrieben wurde, trat zu Neujahr 1870 der Turnlehrer Chr. Rübſamen ein.
Die für die vaterländiſche Geſchichte ſo unvergleichlich wichtigen Jahre 1870 und 1871 brachten im Leben unſerer Schule nur eine einzige organiſche Aenderung mit ſich: im Winter 1870/71 wurde eine III. Vorſchulklaſſe eröffnet. Die gewaltigen weltgeſchichtlichen Ereigniſſe jener beiden Jahre warfen übrigens ihren Wellenſchlag auch in den friedlichen Kreis der Realſchule, und Schüler und Lehrer, erfüllt von dem begeiſterungsvollen Feuer, das damals alle deutſchen Herzen durchglühte, ſtellten ihre Kraft, wo es Not that, in den Dienſt der vaterländiſchen Sache.
„Seit Mitte Juli 1870“, ſo berichtet das Programm von 1871,„wurden, gleich allen Intereſſen des Friedens, auch diejenigen unſerer Realſchule durch die Kriegsſtürme und die in Folge derſelben herr⸗


