Aufsatz 
Geschichte der Anstalt von 1837-1887
Entstehung
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Er wurde auf Anregung der Germaniſtenſection des Heidelberger Philologentags von 1865 und auf dringende Befürwortung der philoſophiſchen Fakultät zu Gießen am 28. September 1867 von ſeinem Schulamt ent⸗ bunden und zum ordentlichen Profeſſor der deutſchen Sprache und Literatur an der Univerſität Gießen ernannt, an der er als außerordentlicher Profeſſor ſchon ſeit Jahren gewirkt hatte).

Sein Nachfolger als Realſchuldirektor wurde, zunächſt proviſoriſch, vom 1. Juli 1868 an definitiv, Dr. Stein, nunmehr der letzte von den Männern, die der Schule an dem Tage ihrer Eröffnung ange⸗ hört hatten.

III. Dit ſechstlalſige ealſchult, 1869 1878.

Die bedeutungsvollen politiſchen Ereigniſſe des Jahres 1866, damals vielfach ſchmerzlich beklagt, ſpäter als unerläßliche Vorbedingung der herrlichen Umgeſtaltung unſers Vaterlandes in den Jahren 1870 und 1871 allſeitig erkannt, hatten unſerem Heſſenlande die Einrichtung des einjährig⸗freiwilligen Militär⸗ dienſtes gebracht und damit mächtig fördernd in das höhere Schulweſen eingegriffen. Allerorten ſteigerte ſich die Schülerzahl der Gymnaſien, deren Beſuch bis einſchließlich Secunda die wiſſenſchaftliche Befähigung zum einjährig⸗freiwilligen Dienſt verlieh, und die beſtehenden Realſchulen des Landes beſtrebten ſich um die Wette, dieſer wertvollen Berechtigung gleichfalls teilhaft zu werden. Aber freilich ohne finanzielle Opfer war dieſelbe nicht zu erlangen, denn ſie hatte die Erweiterung der Schulen von 4 auf 6 Klaſſen und damit eine beträchtliche Vermehrung der wiſſenſchaftlichen Lehrkräfte zur unerläßlichen Vorausſetzung. Während daher die Realſchulen in Darmſtadt, Mainz und Offenbach ſchon im Frühjahr 1867 in den Beſitz dieſes wichtigen und vorteilhaften Rechtes gelangten, ſchien unſere Schule durch die leidige Geldfrage hinter den Schweſteranſtalten zurückgehalten werden zu ſollen. Allein das Lehrercollegium blieb nicht müßig. Schon im Juni 1867, alſo noch unter Weigands Direktion, reichte es bei Großh. Miniſterium des Innern eine Vorſtellung ein, in welcher zunächſt die Zulaſſung der Schüler unſerer Realſchule zum ein⸗ jährigen Militärdienſt unter ausführlicher Begründung nachgeſucht, zugleich aber bereits der weitere Aus⸗ bau zur Realſchule I. O., etwa im Sinne der preußiſchen Verordnung vom Oktober 1859, ins Auge ge⸗ faßt wird. Die der Petition beigelegte Denkſchrift geht von dem Gedanken aus, daß das Bedürfnis nach einer durchgreifenden, zeitgemäßen Umgeſtaltung der 4⸗klaſſigen Realſchulen gegenüber dem unaufhaltſam fortſchreitenden Aufſchwung der Induſtrie und der geſamten Intelligenz des Bürgerſtandes ſchon im Allge⸗ meinen nicht länger verkannt werden dürfe, daß aber insbeſondere die Frage der Zulaſſung zum einjährigen Militärdienſt eine ſolche Umgeſtaltung gebieteriſch fordere. Durchaus zutreffend wird ferner darauf hinge⸗ wieſen, daß die Realſchulen zur Zeit ihrer Gründung hinſichtlich ihrer eigentlichen Ziele keineswegs allſeitig klar und richtig erkannt worden ſeien, und daß man daher verabſäumt habe, ihnen, ähnlich wie den Gym⸗ naſien, eine genau umſchriebene Stellung im Staate zu geben und an ihren Beſuch beſtimmte Vorteile zu knüpfen, geeignet, die Schüler bis zum vollendeten Kurſe an die Schule zu feſſeln, und doch ſeien die Real⸗ ſchulen als Vorbildungsſchulen für die techniſchen, mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Studien ebenſo unentbehrlich, wie die humaniſtiſchen Gymnaſien für die zukünftigen Philologen, Juriſten und Theologen. Bei dem ſtetig wachſenden Umfang aller wiſſenſchaftlichen Disciplinen ſei eine Art von Arbeitsteilung ſchon auf der Schule unabweisbar geworden; mindeſtens den zwei Hauptrichtungen müſſe unbedingt Rechnung

*) Näheres bei Dr. O. Bindewald, zur Erinnerung an F. L. K. Weigand. Gießen 1879.