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Schon ſeit dem 18. September 1844 war Dr. Müller ausgeſchieden, um einem ehrenvollen Rufe als Pro⸗ feſſor der Phyſik an die Univerſität Freiburg i. B. zu folgen. An ſeine Stelle war am 2. Oktober der Candidat Theodor Taſche von Darmſtadt getreten. Den Unterricht in der Botanik hatte ſeit Januar 1854 Prof. Dr. H. Hoffmann, heute Geh. Hofrat, übernommen. Der Direktor Prof. Dr. Braubach war am 20. Juni 1855 in den Ruheſtand getreten und durch Dr. Weigand zunächſt proviſoriſch, (ſeine definitive Ernennung zum Direktor erfolgte erſt am 13. Jauuar 1857), erſetzt worden. Prof. Dr. Ettling war am 21. Juni 1856 einem längeren Leiden erlegen und am 12. Juli durch Dr. Otto Buchner, bis dahin Lehrer an der Realſchule in Offenbach, erſetzt worden.
Alle dieſe Aenderungen hatten indeſſen die innere Organiſation der Hauptſache nach unberührt ge⸗ laſſen. Die Anſtalt zählte nach wie vor 4 Klaſſen, ihr Lehrplan hielt ſich in dem urſprünglichen Rahmen. Trotz⸗ dem ließ ſich nicht verkennen, daß mit der Berufung neuer Lehrer neue Lebenskraft in ihre Adern gedrungen war. Die Schülerzahl wuchs ſtetig, das Bedürfnis nach Vermehrung der Lehrkräfte begann ſich fühlbar zu machen. Im Januar 1857 wurde der Gymnaſiallehrer Dr. Köhler auf ſein Nachſuchen des Schreib— unterrichts in der Realſchule enthoben, den er ſeit dem Beſtehen der Anſtalt erteilt hatte. Dafür trat am 27. April 1857 Dr. Otto Bindewald ein, der zugleich den deutſchen Unterricht zum großen Teil übernahm.
Beſonders der cemiſche Unterricht begann ſich merklich zu heben. Durch Verfügung vem 19. April 1858 geſtattete die Großh. Ober⸗Studiendirektion, die als oberſte Schulbehörde des Landes an die Stelle des vormaligen Ober⸗Schulrats getreten war, ſolchen jungen Leuten, welche entweder die I. Klaſſe einer Realſchule erfolgreich durchlaufen hatten oder ſich auf andere Weiſe über hinreichende Kenntniſſe aus⸗ weiſen konnten, die Teilnahme an den praktiſchen Uebungen im chemiſchen Laboratorium. Und dieſe Ge⸗ legenheit zur Fortbildung hat manchem Teilnehmer den Weg zu glänzender Lebensſtellung eröffnet.
Daß daneben die Schule keine Gelegenheit verabſäumte, den Sinn ihrer Schüler auf das Ideale zu lenken, bewies die Schillerfeier des Jahres 1859, bei welcher Reall. Dr. Stein die Feſtrede hielt, ſowie die Gedächtnisfeier Melanchthons am 30. April 1860, die dem Reallehrer Dr. Bindewald Ge⸗ legenheit gab, die Bedeutung des großen Reformators und Humaniſten den Schülern zum Verſtändnis zu bringen.
Als die Schule im Frühjahr 1862 das Feſt ihres 25jährigen Beſtehens durch einen muſikaliſchen Aktus feierte, hatte ſie abermals auf eine ſchmerzlich empfundene Lücke im Lehrercollegium zurückzublicken. Am 15. September 1861 war ihr Dr. J. H. Hanſtein nach langem Leiden durch den Tod entriſſen worden. Zum Erſatz für ihn trat Dr. Lips ein, der ſchon während der Erkrankung Hanſteins aushülfs- weiſe unterrichtet hatte. 3
Während der nächſtfolgenden Jahre verlief das Leben der Schule, von einigen aus dem untenſtehenden Verzeichnis erſichtlichen Perſonalveränderungen abgeſehen, ohne bemerkenswerte Zwiſchenfälle.
Am 15. Juli 1865 verminderte ſich die Zahl der noch aus der Gründungszeit vorhandenen Lehrer durch den Tod des Lehrers für Zeichnen und Modellieren, F. W. Dickoré, abermals; von dem Anfangs⸗ collegium waren nun nur noch der Direktor Dr. Weigand und die Lehrer Dr. Stein und Cantor Schwabe übrig geblieben. Aber auch dieſe ſollten nicht mehr lange vereint bleiben. Cantor Schwabe wuͤrde vom Winter 1868/69 an durch dauernde Kränklichkeit dienſtunfähig und mußte, zunächſt aus⸗ hülfsweiſe, ſpäter definitiv, durch den noch heute an der Schule wirkenden Cantor Steiner erſetzt werden, und noch früher erreichte die Schulthätigkeit Weigands ihr Ende. Dieſer als ausgezeichneter Lexikograph und Mitarbeiter des Grimm'ſchen Wörterbuchs längſt weithin bekannte Gelehrte durfte ſeine bedeutende Kraft während der letzten Jahre ſeines Lebens ganz und ausſchließlich der Wiſſenſchaft widmen.


