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Abiturienten zur Univerſität und zu den Fachklaſſen der polytechniſchen Schule zu erſtreben; auch müſſe der Realſchule die theoretiſche Prüfung der Bauhandwerker übertragen werden. Uebrigens unterließ Dr. Stein nicht hervorzuheben, daß die Schülerzahl keineswegs als ein untrüglicher Maßſtab für die Tüchtig⸗ keit einer Schule betrachtet werden dürfe.
Dieſe Darlegungen des Dr. Stein wurden dem Finanzausſchuß mitgeteilt, ſcheinen aber einen direkten Erfolg nicht gehabt zu haben; die Mißzufriedenheit des Gemeinderats dauerte fort, und am 19. Juni 1851 beſchloß derſelbe, von dem Direktor ſelbſt ein Gutachten über die Urſachen des bisherigen Verfalles der Anſtalt und die Mittel zu ihrer Hebung einzufordern.
Dieſem Anſuchen entſprach Direktor Braubach durch ein Schreiben, worin er, übereinſtimmend mit Dr. Stein, als weſentliche Vorbedingungen zum Wiederaufblühen der Schule ein neues Schulhaus, ſowie die Abſtellung der z. Zeit von Gemeinderatsmitgliedern ausgehenden Anfeindungen bezeichnet. Außerdem deutet Prof. Dr. Braubach an, daß gewiſſe innere Uebelſtände vorhanden ſeien, für die man zwar dem Direktor die Verantwortlichkeit zuſchiebe, die er aber zu beſeitigen nicht die Macht habe.
Günſtige Folgen verſpricht ſich Dr. Braubach auch von der Herſtellung lengerer Beziehungen zwiſchen der Realſchule und den Volksſchulen Gießens und der Umgegend, welcher Geſtalt jedoch dieſe Be⸗ ziehungen ſeiner Meinung nach ſein müßten, läßt er unerörtert.
Mit dem Jahre 1851 hatte übrigens die Schülerzahl ihren niedrigſten Stand erreicht; ſie war auf 70 geſunken. Schon von 1852 zeigt ſich eine, wenn auch vorerſt noch geringe, Frequenzſteigerung. Die⸗ ſelbe erwies ſich als ſtetig andauernd und machte das Bedürfnis nach einem geeigneten Lokal allmählich unabweisbar. Es war ein bedeutſamer und erfreulicher Wendepunkt in der Geſchichte der Realſchule, als dieſes Bedürfnis endlich Befriedigung fand. Am 23. Oktober 1856 wurde das neue Realſchulhaus, die jetzige Bürgermeiſterei, ſeiner Beſtimmung übergeben. Das Programm der Realſchule für das Schuljahr 1856/57 berichtet darüber Folgendes:
„Am 23. Oktober 1856 Morgens um 9 ½ Uhr fand die Verlegung der Anſtalt in das neue Realſchulgebäude ſtatt, zu deſſen Erbauung und würdiger Ausſtattung der hieſige Stadtvorſtand die Geldmittel auf das Anerkennenswerteſte bewilligt hatte. Mit dem Zuge der Schüler und Lehrer der Anſtalt begaben ſich zugleich die Geiſtlichen der Stadt, der Großh. Geheime Regierungsrat Küchler, der Großh. Bürgermeiſter Ebel und der Stadtvorſtand aus dem früheren gemieteten Schullokale nach jenem feſtlich geſchmückten neuen, an deſſen Eingange der Schlüſſel durch den Großh. Kreis⸗ baumeiſter Holzapfel, den Großh. Geh. Reg.⸗Rat Küchler und den Großh. Bürgermeiſter Ebel feierlich an die Direktion übergeben wurde. Hierauf folgte die Eröffnungsfeier der Anſtalt in dem Feſtſaale. Sie begann mit einem Chorale, nach welchem Kirchenrat Dr. Engel ein Gebet ſprach. Dann hielt der Direktor die Feſtrede, und Stadtpfarrer Landmann ſchloß die Feier, indem er den Segen erteilte. Das Schulgebäude, deſſen Errichtung der Großh. Kreisbaumeiſter Holz⸗ apfel leitete, iſt eines der ſchönſten des Landes. Die Ausführung des neben dem Hauptgebäude errichteten und mit dieſem verbundenen Laboratoriums nach dem ſorgfältig ſentworfenen Plane Ettlings verdankt die Realſchule, wie der Großh. Kreisbaumeiſter bei der Uebergabe hervorhob, dem Bauacceſſiſten Karl Buſch), einem der erſten Schüler der Anſtalt.“
Das Lehrerkollegium, mit welchem die Anſtalt ihre neue Heimſtätte bezog, war nur noch zum Teil das anfängliche. 4.
*) Heute Geh. Baurat in Darmſtadt.
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