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auch Fertigkeit im Quadratwurzelausziehen, ſowie in allen übrigen Fächern die ſeiner Altersſtufe ent⸗ ſprechenden Kenntniſſe nachweiſen. In der Realſchule wurden gelehrt:
1. Religion und Religionsgeſchichte. 2. Deutſche, franzöſiſche und engliſche Sprache, ſowie Latein als nicht verbindlicher Lehrgegenſtand. 3. Mathematik(Arithmetik, Algebra, Geometrie, nament⸗ lich Planimetrie, Stereometrie, Feldmeßkunſt, geometriſche Conſtructionslehre, Trigonometrie c.). 4. Geographie(mit Einſchluß der mathematiſchen). 5. Geſchichte(zuerſt allgemeine, dann Geſchichte Deutſchlands und des Vaterlands, dann anderer Völker). 6. Naturwiſſenſchaften(Soologie, Botanik, Mineralogie, Phyſik mit Experimenten, Chemie mit Experimenten, Technologie, hauptſächlich in Verbindung mit Naturgeſchichte, Phyſik und Chemie). 7. Zeichnen, und zwar geometriſches und Frei⸗ handzeichnen. 8. Modellieren. 9. Schönſchreiben(in den oberen Klaſſen in Verbindung mit Buchhaltung). 10. Geſang.
Schon dieſer Lehrplan, noch mehr aber die den einzelnen Lehrgegenſtänden zugemeſſene Stundenzahl läßt erkennen, daß die Schule nicht allgemeine Bildungszwecke verfolgte, ſondern in erſter Linie für das gewerbliche Leben vorzubereiten beabſichtigte. Während beiſpielsweiſe für den Unterricht im Deutſchen in der erſten Klaſſe nur wöchentlich 2 Stunden zur Verfügung ſtanden, von denen die eine für Uebungen im Geſchäftsſtil, die andere für Aufſatzlehre beſtimmt war, fielen auf die Naturwiſſenſchaften 9 Stunden— ungerechnet die im Sommer regelmäßig ſtattfindenden botaniſchen Excurſionen— und auf das Zeichnen und Modellieren 6 Stunden. Aehnlich lagen die Dinge in den übrigen Klaſſen. Dem Character einer gewerblichen Vorbereitungsſchule entſprach auch die Zulaſſung junger Leute, die ſchon in einem praktiſchen Beruf ſtanden, zu einzelnen Unterrichtsſtunden als Hoſpitanten. Solcher Hoſpitanten zählte die Realſchule in den erſten Jahren eine beträchtliche Reihe, darunter junge Leute bis zu 19 Jahren. Die Mehrzahl derſelben nahm an dem chemiſchen Unterricht Teil; geringer war die Anzahl derer, die die mathematiſchen oder ſprachlichen Stunden beſuchten.
Ein mit der Realſchule in Verbindung ſtehender Curſus in den Handelswiſſenſchaften, den die Lehrer Stein und Hanſtein im Schuljahre 1841/42 eröffneten, fand gleich zu Beginn 17 Teil⸗ nehmer, darunter 11 Nicht⸗Realſchüler.
Die Zahl der eigentlichen Realſchüler belief ſich im Sommerhalbjahre 1837 auf etwas über 100, ſteigerte ſich aber ſchon im Herbſt 1837 auf über 120. Das Schulgeld war auf jährlich 12 fl. feſtgeſetzt, dazu kam ein Beitrag zu den Koſten der Bibliothek von 36 Kreuzern.
Ihr zweites Semeſter konnte die Realſchule bereits mit 4 Klaſſen beginnen. Ueberhaupt hatte ſich die neue Anſtalt, trotz mancher Reibungen mit der Bürgermeiſterei, hauptſächlich über die Frage der Ausgabe⸗ dekretur und des ſtädtiſchen Zuſchuſſes, in den erſten Jahren ihres Beſtehens fortdauernd der fördernden Gunſt und des Vertrauens der Bürgerſchaft und des Stadtvorſtandes zu erfreuen.
Dies ſprach ſich nicht nur in der zunehmenden Schülerfrequenz aus, ſondern auch darin, daß man ſtädtiſcherſeits ſchon im Jahre 1838/39 die Frage eines Realſchulhausbaues in— vorläufig freilich rein theoretiſche— Erwägung zog.
Mit dem Anfang der vierziger Jahre jedoch zeigte ſich ein nicht unbedenklicher, ſtetig wachſender Rückgang der Schülerzahl, der den finanziellen Beſtand der Schule ernſtlich bedrohte. Während das Jahr 1839 einen Schulgeldbetrag von 1575 fl. ergeben hatte, brachte das Jahr 1840 nur 1488; 1841:1338 fl., 1842: 1236 fl., 1843: 1000 fl.
Im Stadtvorſtand war man geneigt, die Gründe dieſes Rückganges in inneren Verhältniſſen der Schule zu ſuchen, und auf Veranlaſſung dieſer Behörde wurde die Anſtalt im Winter 1843/44 einer ein⸗ gehenden Viſitation durch den Oberſchulrat unterzogen. Das Ergebnis derſelben war eine Reihe von


