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Wege zu ſtehen. Gleichwohl verſtrich noch das ganze Jahr 1836 unter wmahell ei Correſpondenzen und Verhandlungen über einzelne, meiſt untergeordnete Punkte.
Der Mietcontrakt mit dem Buchhändler G. Fr. Heyer sen., der einen jährlichen Mietpreis von 350 fl. feſtſtellte, wurde am 2. Dezember von Bürgermeiſter M. Schneider endgültig abgeſchloſſen.
Am 20. Dezember 1836 benachrichtigt der Großh. Kreisrat Knorr den Bürgermeiſter, daß durch Allerh. Dekret vom 26. November der Großh. Profeſſor Dr. W. Braubach mit einem Gehalt von 800 fl. zum Lehrer, und gegen eine Remuneration von 200 fl. zugleich zum proviſoriſchen Direktor der neuen Realſchule ernannt worden ſei. Im Anfang des Jahres 1837 erfolgte ſodann, mit Wirkung vom 1. April, die Ernennung der übrigen Lehrer und des Pedellen.
Das erſte Lehrercollegium der Realſchule beſtand, außer dem Direktor, aus den ordentlichen Lehrern: Dr. Weigand, Dr. Müller, Dr. Ettling, G. Stein, J. H. Hanſtein und F. W. Dickoré, dem Vertreter des Zeichen- und Modellierunterrichts. Als außerordentliche Lehrer wurden Cantor Schwabe für den Geſang und Gymnaſiallehrer Dr. Köhler als Schreiblehrer angeſtellt.
Die Pedellenſtelle erhielt J. Reitz, ſeither Grenzwächter in Merlau.
Nachdem der Direktor Braubach, nicht ohne mancherlei Schwierigkeit und Verdruß, die Ausſtattung der Schule mit Mobiliar und Lehrmitteln erreicht hatte— der Staat hatte zu dieſem Zweck die beträcht⸗ liche Summe von 5900 fl. zur Verfügung geſtellt— konnte am 28. April 1837, Vormittags 10 Uhr, die feierliche Eröffnung der neuen Lehranſtalt ſtattfinden.
Ueber dieſe Feierlichkeit entnehmen wir der„Allgemeinen Schulzeitung“(Nr. 78 vom 20. Mai 1837) folgenden Bericht:
Die Realſchule zu Gießen wurde am 28. April l. J. feierlich eröffnet. Das„Programm zur
Eröffnung der Realſchule in Gießen am 28. April 1837, Morgens 10 Uhr“, von dem Realſchul⸗
direktor Prof. Dr. Braubach verfaßt, hatte durch ſein Erſcheinen die Feierlichkeit angekündigt;
ſehr zahlreiche Anmeldungen zur Aufnahme, ſelbſt aus entfernteren Teilen der Provinz, und der rege
Sinn des Publikums für alles Gemeinnützige und Wohl und Bildung Fördernde waren ehrende
Zeugen von dem Vertrauen, das man im Voraus in die Anſtalt, wie die hohe Staatsregierung ſie
geſchaffen, ſetzte, und ließen eine allgemeine Feier der Weiheſtunde und ein frohes Ehren des Tages
erwarten. Und ſo geſchah es auch. Sämtliche Lehrer der Anſtalt und faſt alle Schüler, an der Zahl
100, hatten ſich in dem Schullokale eingefunden und zogen um 10 Uhr, der durch das Programm
beſtimmten Zeit, bei dem Zeichen der Glocke, in geordnetem Zuge nach der Stadtkirche. Hier ſprach
ſich durch eine ſehr gedrängte Verſammlung aus allen Ständen die erfreulichſte Teilnahme aus, erhöht durch die hohe Anweſenheit des Herrn Geh. Staatsrats und Kanzlers der Univerſität Dr. Linde von Darmſtadt. Bei dem Eintritte des erſten Schülers in die Kirche ertönte die volle Orgel mit einem Vorſpiele, bis Schüler und Lehrer ihre Plätze eingenommen hatten. Darauf wurden die beiden erſten Verſe des Kirchenliedes Nr. 595 unſeres evangeliſchen Geſangbuches:„Es baut, o Gott, auf dein Geheiß“ u. ſ. w. von einem Chor Sänger aus der Stadt und nahen Umgegend vierſtimmig geſungen, nach deren Beendigung der Großh. Dekan, Kirchenrat Dr. Engel, ein ſalbungsvolles
Altargebet ſprach, zum Danke gegen den Allgütigen und Segen von oben erflehend über den väterlich
fürſorgenden Landesfürſten, ſein hohes Haus, die höchſte Landesbehörde, die neue Anſtalt, ihre Pfleger,
Lehrer und Schüler. Als hierauf ein kurzer, anſprechender Feſtchor:„Der Herr unſer Gott ſei uns
freundlich und fördre das Werk unſerer Hände“ u. ſ. w. mit Muſik von M. Kähler vierſtimmig
ausgeführt war, trat der Direktor der Realſchule, Prof. Dr. Braubach, vor den Altar und hielt


