17
steigen(ja! nämlich im Springbrunnen), ich kann endlich gar verkochen oder verschwinden(ja! bei 800 Wärme); thue jedoch von dem Allen jetzt nichts, sondern bleibe freiwillig, ruhig und klar im spiegelnden Teiche.“ So überraschend schön dieser Vergleich ist, ein passendes Spiegelbild für den Conflict der Motive gibt er nicht, vielmehr bestätigt er unsere Annahme, dals Schopenhauer hier dem Willen alle Causalität nimmt und sie den(äuſserlich gefalsten) Motiven zuschiebt. Denn der Sturm läſst das Wasser Wellen schlagen, die Schwere, es reiſsend hinabeilen und herunterstürzen, die Wärme es verkochen und verschwinden. Kann sich das Wasser von der Gewalt dieser wirkenden Ursachen emancipiren, wie der Mensch sich thatsächlich, freilich auf Grund eines neuen Motivs, von der Macht jedes besonderen Motivs emancipiren kann? Und um keinen Zweifel zu lassen über seine Auf- fassung, fügt er S. 42 hinzu:„Bis die Ursachen eintreten, ist es ihm unmöxglich(nämlich dies oder jenes zu thun): dann aber mufs er es, so gut wie das Wasser, sobald es in die entsprechenden Umstände versetat ist.“
Die Unklarheit, das Schwanken in den Bestimmungen und in dem Streitpunkte, die Widersprüche und das Operiren mit denselben Worten in verschiedenem Sinne nimmt zu im dritten Abschnitt, dem Willen vor dem Bewulstsein anderer Dinge. Jetzst haben wir nicht mehr den Willen als solchen, sondern Wesen vor uns, die mit Willen begabt sind. Nun sollen wir es für unsere Untersuchung mit einem vollkommene- ren Organ zu thun haben(S. 26 und 27), nämlich mit dem zum objectiven Auffassen ausgerüsteten Verstande. Die durchgängige Bedingtheit der Erscheinungswelt wird hier auf das Gesetz der Causalität zurückgeführt, als der allgemeinsten und grundwesent- lichen Form des Verstandes. Wie bekannt, existirt nämlich nach Schopenhauer eine objective Causalität eigentlich nicht. Dieselbe spielt nur eine Rolle in der Erscheinungswelt und hat ihre Wurzel in dem Intellecte des Menschen. Diese Anschauung läuft der gewöhnlichen philosophischen(selbst von Kant weicht Schopenhauer hier ab), sowie derjenigen des gesunden Men- schenverstandes zuwider und müſste eigentlich eine vollständige Revolution auf begrifflichem Gebiete und in der Erklärung der Thatsachen zur Folge haben. Darnach aber sehen wir uns in der weiteren Untersuchung vergebens um. Es genügt dem


