Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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Vorsätze sich nicht ernstlich bessert. Der Charakter läſst sich nicht bessern, die Erkenntniſs allein läſst sich berichtigen für die Wahl der Mittel, deren sich der Mensch zur Erreichung seiner Zwecke bedient.(Ueberhaupt) liegt allein in der Erkennt- nils die Sphäre und das Bereich aller Besserung und Verede- lung. Die Erkenntniſs eröffnet dem Menschen Motive, für welche er ohne sie verschlossen bliebe. 4) Der Charakter ist angeboren, ist das Werk der Natur. Tugenden und Laster würden, wenn sie nicht angeborene Eigenschaften wären, auf eine Art Verstellung hinauslaufen. So hat die Nothwendigkeit, mit der die Motive wirken, den angeborenen individuellen Charakter zur Voraussetzung, welcher auf Anlaſs der einwirkenden Ur- sachen seiner Natur gemäls reagirt(bei den Scholastikern ope- rari sequitur esse).Alles, was geschieht, vom grölsten bis zum kleinsten, geschieht nothwendig.

Ein Hinweis auf den damit zusammenhängenden Glauben der Alten an ein Fatum, an omina, auf die christliche Lehre von der Gnadenwahl und Thatsachen des Somnambulismus schlieſst diese Untersuchung, der unter IV. ein Rückblick aut die Vorgänger folgt, die wir hier füglich übergehen können.

Unter V.Schluſs und höhere Ansicht muthet Schopen- hauer dem unvorbereiteten Leser ganz unerwartet zu, die ge- wonnenen Positionen zum groſsen Theil wieder aufzugeben. Während nämlich die unter II a posteriori begründete Vernei- nung als unter III auch mittelbar und a priori begründet und der Schluſs a non posse ad non esse als berechtigt hingestellt wird, sollen wir doch jetzt auf dem Punkte angekommen sein, auf welchem die wahre moralische Freiheit zu Tage tritt. Der Mensch fühlt sich verantwortlich, da erselbst Thäter seiner Thaten ist. Dem Menschen war doch eine andere Handlung möglich,wenn nur er ein anderer gewesen wäre,an sich selbst, also objective, war sie möglich. Er fühlt sich verant- wortlich nicht für sein Thun, sondern für seinen Charakter. Schuld, Verantwortlichkeit und Freiheit liegen im Charakter. Kant's intelligibele Freiheit giebt hier den Schlüssel zum Ver- ständnisse,sie gehört zum Schönsten und Tiefgedachtesten, was dieser groſse Geist, ja was Menschen jemals hervorgebracht haben. Der empirische Charakter ist nur die Erscheinung des hinter ihm liegenden intelligibelen in dem an Zeit, Raum und Causalität gebundenen Erkenntniſsvermögen. Der intelligibele