Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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Freiheit. Die physische Freiheit findet er in der Abwesenheit eines physischen, materiellen, den Willen bindenden Hinder-

Schopenhauer das Princip seines Systems in der Erfahrung belegen wollte, beleuchtete er und deutete er psychologische Erscheinungen der Selbsterhal- tung, welche jedoch, wie wir zeigten, für den nackten und blinden vorzeitlichen Willen zum Leben ein falsches Analogon bilden.(S. 121.)

Dr. O. Liebmann kommt in seiner Schrift über den individuellen Be- weis der Freiheit des Willens, Stuttgart 1866(im Verlage von K. Schober) im dritten Abschnitt zu dem ersten Resultat,daſs aus dem Philosophem Schopenhauer's die Thatsachen des sittlichen Bewuſstseins weder wirklich erklärt sind noch auch(was ohne den sittlichen Fundamentalbegriff der Ver- antwortlichkeit unmöglich ist) sich irgendwie erklären lassen(S. 79); so- dann S. 97, 98 zu dem zweiten:Es sollte bewiesen werden: dafs der Mensch unter gleichen Umständen immer das Gleiche thun müsse; es ist vielmehr nachgewiesen, dafs die Erfahrung das Gegentheil bedeutend wahrscheinlicher macht. Es sollte bewiesen werden: dafs der Mensch aus subjectiven Gründen in jedem bestimmten Falle gerade ein Bestimmtes zu wollen und zu thun un- weigerlich gezwungen sei; es ist vielmehr allein gezeigt, daſs aus objectiven, mechanischen Gründen von zwei Entgegengesetzten immer nur Eines gethan, also gewollt werden kann. Es sollte bewiesen werden: daſs der von der Ge- burt bis zum Tode unabänderlich sich gleichbleibende Charakter des Individui jener letzte und tiefste Grund sei, aus welchem bei gegebenen Motiven der Entschlufs nothwendig erfolgt; es ist vielmehr nachgewiesen, dafs die subjec- tive Ursache, für die wahrscheinlich perpetuirlich sich ändernde, habituelle Ent- schlielsungsweise, auf deren Vorhandensein uns das Gesetz der Causalität a priori Anweisung giebt, sich a posteriori nicht auffinden lüſst.Nachdem wir vorher gefunden haben, daſs dieses Philosophem an sich Widersprüche enthält, also undenkbar ist, finden wir nun auch, daſs es auf einer nicht stich- haltigen Argumentation ruht, also unbewiesen ist. Demnach ist es nicht logisch unantastbar.

Ein Philosophem, welches weder die zu erklürenden Thatsachen zu er- klüren vermag, noch logisch unantastbar ist, ist zu verwerfen. Schopen- hauer's ethische Grundlehre vermag weder jenes, noch ist sie dieses. Also ist sie zu verwerfen.

Eine kurze Kritik der unserer Abhandlung zu Grunde liegenden Schrift gibt sodann Thilo in der Zeitschrift für exacte Philosophie, VII. Bd. S. 307 310. Die Resultate derselben bringen wir im Verlauf unserer Unter- suchung zur Besprechung.

Endlich weist Jürgen Bona Meyer in seinenphilosophischen Zeit- fragen, Kap. 8:Der Wille und seine Freiheit insbesondere die von Scho- penhauer hehauptete Unveränderlichkeit der Charaktere zurück und zeigt die Unhaltbarkeit der Annahme einer intelligibelen Freiheit. Auch die von Scho-