Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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lichen Erfüllung derselben unwillkürlich der Nothwendigkeit sich wieder nähert. Spinoza hält die Annahme einer Freiheit des Willens für Selbsttäuschung, die Freiheit des Menschen fällt ihm zusammen mit der göttlichen Nothwendigkeit des Ganzen. Nach Leibnitz ist der Satz zwar unumstölſslich, daſs alle Bethäti- gungen unseres Thuns und Wollens causal bedingt sind, alle Motive jedoch sollen den Willen nur incliniren, nicht necessi- tiren. Bei Kant ist jede Handlung des Menschen, insofern er als Sinnenwesen in den subjectiven Formen von Raum, Zeit und Kategorien befangen ist, ein nothwendiges Product seines Charakters und der Umstände. Die Thatsache der sittlichen Zurechnung aber verbürgt ihm das Vorhan densein einer intel- ligibelen Freiheit des Menschen(insofern er nämlich Glied einer übersinnlichen Welt ist). Jede Handlung ist also nach ihm in Ansehung des Laufes der Erscheinungswelt nothwendig, aber in Ansehung der hinter der sinnlichen Erscheinung liegenden über- sinnlichen Welt der Dinge an sich zugleich frei. Daſs es bei diesem Schwanken der menschlichen Handlungen zwischen em- pirischer Nothwendigkeit und intelligibeler Freiheit zu keiner wahren Versöhnung und Vermittelung der Begriffe Freiheit und Nothwendigkeit kommt, unterliegt keinem Zweifel.

Zu dieser intelligibelen Freiheit bekennt sich auch Schel- ling für alle durch die Zeit hindurchgehenden Handlungen, sowie endlich Schopenhauer, dessen Stellung zur vorliegen- den Frage wir hier auf Grund seiner Abhandlung:Ueber die Freiheit des menschlichen Willens untersuchen wollen.

Schopenhauer hat die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens(in Verbindung mit der Frage nach dem Fundamente der Moral) einer zweifachen Erörterung unterzogen, und zwar zuerst im vierten Buche derWelt als Wille und Vor- stellung, sodann in der Doppelschrift:die beiden Grundpro- bleme der Ethik, in erster Auflage erschienen 1840, in der zwei- ten 1860*). Der erste Theil dieser Doppelschrift, die Abhand-

*)Es sind, sagt er in der Vorrede zur ersten Ausgabe, zweite Auflage S. VII,eigentlich specielle Ausführungen zweier Lehren, die sich, den Grund- zügen nach, im vierten Buch derWelt als Wille und Vorstellung finden, dort aber aus meiner Metaphysik, also synthetisch und a priori abgeleitet wur- den, hier hingegen, wo, der Sache nach, keine Voraussetzungen gestattet waren, analytisch und a posteriori begründet auftreten: daher was dort das Erste war, hier das Letzte wird.