Aufsatz 
Über die Freiheit des menschlichen Willens : zur Beurtheilung der Schopenhauer'schen Lehre von der Willensfreiheit / von Karl Gaquoin
Entstehung
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Auf eine Versöhnung der widersprechenden Begriffe Frei- heit und Nothwendigkeit haben die gröſsten Philosophen hin- gearbeitet, eine Versöhnung strebt auch die Philosophie im groſsen Ganzen an. Und doch ist es bis jetzt zu einem end- gültigen, unangefochtenen Ausgleiche nicht gekommen. Schon die alte Philosophie suchte zwischen beiden Begriffen zu ver- mitteln und bietet in der Bestimmung des gegenseitigen Ver- hältnisses derselben mannigfaltige Analogien zur neueren. Eine Versöhnung der Freiheit mit der Nothwendigkeit ist aber dort nur im Allgemeinen angestrebt, nirgends consequent durchgeführt, und zwar weder auf metaphysischem Gebiete, wenn es sich um den Ausgleich des Gegensatzes im göttlichen Urwesen handelt, noch auf ethischem Gebiete, wie Trendelenburg in seinen historischen Beiträgen zur Philosophie, zweiter Band, III Noth- wendigkeit und Freiheit in der griechischen Philosophie(Ein Blick auf den Streit dieser Begriffe) ausführlich nachweist. Die alte Philosophie ist, wenn sie den menschlichen Willen der alles verschlingenden Nothwendigkeit zu entreiſsen versucht, noch nicht weit genug in die innersten Tiefen des Sachverhaltes vorgedrungen, um einem stichhaltigen Ausgleiche nahe zu kom- men. Wie nämlich in dem 1⁵α ε†ςσ ¼*αμάν, dem νοσαοσν, das der äufseren Nothwendigkeit gegenübertritt und sie zum Theil unter- jocht, derselbe Gegensatz sich, nur verinnerlicht, wiederholt, ist kaum in Betracht gezogen. Am nächsten kommen dieser Seite der Untersuchung noch die Erörterungen, die über die Möglich- keit geführt wurden, namentlich im Anschluſs an den von Dio- dor, dem Megariker, erfundenen Schluſs νυραιαειισν. Es handelte sich dabei besonders um die Frage, ob es in Wirklichkeit über- haupt ein objectives Mögliche gebe, und ob nicht die Möxglich- keit vielmehr nur eine Bedeutung habe in der Vorstellung des Menschen.(Vgl. Trendelenburg a. a. O.)

Unter den neueren Philosophen hält Cartesius an der menschlichen Willensfreiheit fest, wenn er auch in der inhalt-

Worte Freiheit kann also eine solche Präcision, wodurch er das strenge Gegen- theil des Determinismus anzeigen würde, nicht aufgedrungen werden. Die bei- den Namen müssen mit einander Frieden machen. Unter Bedingungen, worauf das Wort Determinismus deutet, wird Freiheit erworben, wenn auf Erziehung die rechte Selbsterziehung folgt. Aber auch dem Worte: Nothwendigkeit, möchten wir zufügen, kann ebenfalls eine solche Präcision, wodurch es das strenge Gegentheil des Indeterminismus begründet, nicht aufgedrungen werden.

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