seiner Regel gleichsam nur beiläufig darüber aus. Als er die lectiones der Quadragesimalzeit bestimmt, streift er beizu auch die Bedeutung der Klosterbibliothek cap. 48 27— 30: In quibus diebus quadragesimae accipiant omnes sipgulos codices de bibliotheca, quos per ordinem ex integro legant, qui codices in caput quadragesimae dandi sunt; ein paarmal ist ferner noch von Büchern die Rede, die im Kloster benutzt werden, nur ganz allgemein heisst es cap. 381. Mensae fratrum edentium lectio deesse non debet. Ne fortuito casu quis arripuerit codicem legere ibi ete., Bestimmteres hören wir dann cap. 42 1:(nach der cena) legat unus Collationes vel Vitas patrum aut certe aliquid quod aedificet audientes(non autem Eptaticum aut Regum etc.)..... ¹) Is. dagegen befasst sich, wie wir es früher schon dargelegt haben, in einem besonderen Kapitel(8) mit dem Gegenstand und gibt genauere Ausführungen über die tägliche Bücherentleihung und über die Art der auszuleihenden Bücher: cap. 83: Gentilium libros vel haereticorum volumina monachus legere caveat; er übertrifft hier an Genauigkeit auch die entsprechenden Satzungen anderer Regeln, z. B.: Ferr. cap. 11: Ut nullus Monachus literas ignoret: Omnis qui nomen vult Monachi vindicare, literas ei ignorare non liceat. Quin etiam Psalmos totos memoriter teneat; Augustin im Briefe an die Nonnen cap. 13/14: Sive autem quae cellario, sive quae vestibus, sive quae codicibus praeponuntur, sine murmure ser- viant sororibus suis. Codices certa hora singulis diebus petantur: extra horam quae petiverint, non accipiant.²) Darnach hat Isidor hier ältere Verfügungen selbständig klarer und genauer formuliert; eine Einrichtung hat er aber aus sich selbst heraus ganz neu geschaffen: es sind dies die früher bereits geschilderten collationes(cap. 7). Soweit ich sehen kann, findet sich in keiner Regel bis dahin eine auch nur annähernde Parallele zu diesem Brauch. Tarn. cap. 7 wird man schwerlich als etwas irgendwie Ahnliches bezeichnen können: Meditantibus etiam fratribus nulli liceat rebus se aliis implicare; nec liberum iudicet a schola, vel ubi meditantur fratres discedere. ³)
In der Ordnung der geistlichen UÜbungen im Kloster können wir ebenfalls bei Isidor ein bescheidenes Streben zu weiterem Ausbau des Überlieferten bemerken. Den engsten An- schluss an seine Vorgänger bewahrt er noch in seinen Erörterungen über die offiziellen Gottes- dienste(officia). Von den äusseren Gebräuchen beim Gottesdienste zwar, die er uns mitteilt, erfahren wir in den andern Regeln wenig. Am auffallendsten ist die Sitte, von der wir Is. 61 hören: Recitantibus autem monachis, post consummationem singulorum psalmorum prostrati omnes humi pariter adorabunt, celeriterque surgentes psalmos sequentes incipiant, eodemque modo per singula officia faciant! Vielleicht hat zur Einführung dieses Ritus mit- gewirkt, was Cassian lib. II, cap. 7: De disciplina orandi, sagt:..... antequam flectant genua, paulisper orant, et stantes in supplicatione maiorem temporis partem expendunt. Itaque post haec puncto brevissimo procidentes humi, velut adorantes tantum divinam clementiam, summa velocitate consurgunt, ac rursus erecti expansis manibus eodem modo, quo prius stantes oraverant, suis precibus intentius immorantur. Von der Gewohnheit, beim Psalmsingen zu stehen, geht auch wohl Benedikt aus, wenn er 199 die Bemerkung macht: et sic stemus ad psallendum, ut mens nostra concordet voci nostrae. So hatte sich die Sitte, die Isidor erwähnt, vielleicht schon teilweise vor ihm ausgebildet, seine Tat war es dann, für sie eine klare Regel aufzustellen. Ob Is. auch bei Ansetzung der Zahl der officia einmal seine eigenen Wege geht oder sich völlig an Benedikt anschliesst, lässt sich nicht ganz sicher feststellen. Er berichtet uns nur von 6 Tagesofficien: matutini, tertia, sexta, nona, vespertinum und completorium(cap. 6); doch könnte die prima, die sich noch bei Ben.(cap. 16) findet, zufällig nicht genannt sein; denn unser Verfasser gibt uns nicht wie Benedikt eine ge- schlossene Aufzählung der Officien, auch von completorium(6 3) und matutini(64) erfahren wir nur gleichsam nebenbei etwas.¹) Was die Ordnung der einzelnen Gottesdienste selbst anbetrifft,
1) Vgl. auch im späteren Anhang der Regel cap. 7312 fl. 4
2) Dasselbe findet sich fast wörtlich, nur mit den schlechthin erforderlichen Anderungen: Tarn. cap. 22.
3) Vielleicht wurde Is. dabei von dem Gedanken mitgeleitet, in Wirklichkeit umzusetzen, was Cassian in seinen Collationes(vor 429 geschr.) als literarische Form benutzt hatte.
4) Freilich werden De offic. lib. I, cap. 19— 21 und cap. 23 auch nur jene sechs aufgezählt.


