Aufsatz 
Die Regula monachorum Isidors von Sevilla und ihr Verhältnis zu den übrigen abendländischen Mönchsregeln jener Zeit / von Rudolf Klee
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

so nähert sich Isidor hier ziemlich der einfachen und schlichten Art Benedikts. UÜber den Gang der gewöhnlichen Tageshore z. B. bestimmt er 64: In tertia, sexta, nona tres psalmi dicendi sunt, responsorium unum, lectiones ex Veteri Novoque Testamento duae, deinde laudes, hymnus atque oratio; Ben. sagt 175: Tertia vero, sexta et nona..... eo ordine celebretur: oratio(id est versum), hymnos earundem horarum, ternos psalmos, lectione et versu,Kyrie eleison, et missas.¹) Die Mitteilungen, die Isidor über die Nachtgottesdienste(vigiliae) macht, lassen dagegen keine grosse Ahnlichkeit mit Ben. erkennen; nur in der Festsetzung der Zeit scheinen beide nicht sehr weit von einander entferut zu sein: Ben 8: Hiemis tempore octava

hora noctis surgendum est..... Quod vero restat post a fratribus qui psalterii vel lectionum aliquid indigent, meditationi inserviatur; im Sommer werden hier die Vigilien sogar unmittelbar an die Matutinen Lerüeſets eine annähernd gleiche Zeit ergibt sich für Is. wohl aus der Bemerkung: cap. 65: Post vigilias autem usque ad matutinum requiescendum, aut aliquid

perlegendum est. in der Art der Feier selbst unterscheiden sich jedoch beide sehr von einander: bei Is. ist sie sehr einfach: cap. 65: In quotidianis vero officiis vigiliarum primum tres psalmi canonici recitandi sunt, deinde tres missae psalmorum, quarta canticorum, quinta matu- tinorum officiorum; Ben. verlangt demgegenüber allein 12 Psalmen mit Antiphonen oder Alleluia, 3 Lektionen u. s. w.²) Trotz alledem glaube ich, liegt in diesem Kapitel de officio wohl ein gewisser Einfluss Benedikts vor, freilich darf man daneben die vereinfachende Um- gestaltung Isidors nicht verkennen. Ganz unabhängig von Benedikt trifft Is. nun aber noch zwei Bestimmungen kultischer Art. Die erste lesen wir cap. 55: Monachi operantes meditari aut psallere debent, ut carminis verbique Dei delectatione consolentur ipsum laborem. Si enim saeculares opifices inter ipsos labores amatoria turpia cantare non desinunt, atque ita ora sua in cantibus et fabulis implicant, ut ab opere manus non subtrahant, quanto magis servi Christi, qui sic manibus operari debent, ut semper laudem Dei in ore habeant, et linguis eius psalmis et hymnis inserviant! Diese Mahnung hat ihren Ursprung aller Wahrscheinlichkeit nach im 8. Kapitel der regula Tarnatensis: Orationibus vacate horis et temporibus constitutis: Psalmis et hymnis cum Deus exoratur, ea plantentur in corde, quae proferuntur in voce. Arator stivam tenens Alleluja cantet; sudans messor Psalmis se avocet; et dum palmitem curvum tondet vinitor falce, aliquid Davidicum canat. Haec sint vestra carmina; haec, ut vulgo aiunt, amatoriae cantiones; haec pastorum sibilus; haec instrumenta culturae. ¹)

Zu dem zweiten Gebot, das Is. in dieser Beziehung über Ben. hinaus seiner Regel- eingefügt hat, enthalten die übrigen früheren Regeln gleichfalls keine Parallele; es betrifft dies die Anordnungen: De defunctis(cap. 24): 244: Antequam sepeliantur, pro dimittendis eorum peccatis sacrificium Deo offeratur..... 24, Pro spiritibus defunctorum altera die post Pente- costen sacrificium Domino offeratur. Doch dürfen wir wegen dieser Neuerung wohl die schöpferische Kraft unseres Gesetzgebers nicht zu hoch einschätzen: er wird hier wieder nur in feste Regel gekleidet haben, was sich längst als Brauch ausgebildet hatte.

Die Untersuchung dieses zweiten Abschnitts hat uns so noch mehr Gewissheit als die des ersten darüber gebracht, dass sich Isidors Regel nicht einfach als ein Auszug aus der Benediktinerregel begreifen lässt; einen weiteren sehr wichtigen Beitrag zur Entscheidung dieser Frage liefert die Betrachtung des letzten Teils.

C. Einwirkung früherer Regeln in der Schildéerung der Disciplinargewalt und der Verwaltung des Klos ters

Wir haben in diesem Abschnitt die verwandten Gebiete der Diseiplin und Verwaltung zu- sammengefasst. In der Disciplinarordnung vernehmen wir einleitungsweise einige Bestimmungen

1) In den andern Regeln sind die Bestimmungen über die Officien meist so allgemein gehalten, dass ein Vergleich im einzelnen nicht möglich ist; allein die regula incerti autoris berichtet im ersten Kapitel Genaueres. Sie schliesst sich an Benedikt an und hat auch die 7 Tagesofficien. Über den Gang der Tageshoren sagt sie: Ad Primam et Tertiam dicantur sui Psalmi(bei Matutinen war die Zahl 3 angegeben) Antiphonae duae, Lectiones duae. Simili modo ad Sextam et Nonam dicantur sui Psalmi cum debitis Responsoriis et Autiphonis.

2) Noch weiter gehen in ihren Forderungen: Col. cap. VII und Regula cuiusdam Patris cap. 21.

3) Dass die Stelle einige Anklänge an Aug. zeigt, ist unwichtig; das Entscheidende findet sich bei Aug. nicht: es ist dort keine Rede vom Singen geistlicher Lieder bei der Arbeit.