Aufsatz 
Die Regula monachorum Isidors von Sevilla und ihr Verhältnis zu den übrigen abendländischen Mönchsregeln jener Zeit / von Rudolf Klee
Entstehung
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In den Angaben über den Vollzug der conversio, wie sie zur Förderung der humilitas gestaltet werden soll, kann man dagegen von einer entschiedenen Stellungnahme Isidors über- haupt nicht reden; denn im Kern stimmen hier alle Hauptregeln überein, in Einzelheiten aber hat sich Isidor ihnen allen gegenüber eine gewisse Freiheit bewahrt. Alle vertreten den Grundsatz: der Neuangekommene darf nicht gleich in die Gemeinschaft aufgenommen werden, seine humilitas muss erst durch eine beschwerliche Wartezeit erprobt sein; in Einzelheiten aber sind die meisten verschiedener Ansicht: Isidor sagt 41: Qui renuntians saeculo, ad monasterium venerit, non statim in coetum deligendus est monachorum. Vitam enim unicuique in hospita- litatis servitium tribus mensibus considerare oportet, quibus peractis ad coetum sanctae con- gregationis accedet. Ben. 58, Tarn. 1, Cass. lib. IVs u. r fordern einmütig eine Prüfungszeit von einem Jahre; Ferr. will wenigstens dem Abt das Recht einräumen, die Zeit auf 6 Monate zu beschränken; Aurelian allein möchte sie ganz beseitigen: cap. 1: Hoc iubente Deo imprimis statuimus tenendum, ut si quis ad conversionem venerit, Regula ei in salutatorio legatur; etsi professus fuerit se omnia impleturum, tunc excipiatur. Isidor hat von dem allen, sehen wir, einen massvollen Mittelweg gewählt.

So ist es nicht möglich, in diesem Abschnitt für Isidor eine einzige bestimmte Quelle nachzuweisen. Wird die Untersuchung über die Stellung unseres Verfassers in dem nächsten Teile, der über dieaktiven Pflichten des Mönches handelt ein solches Ergebnis zu Tage fördern?

B. Abhängigkeit in der Darlegung der aktiven Pflichten des Mönches.

Vorherrschend erscheint auch hier zu Anfang der Einfluss der Benediktinerregel, so gleich in den Verordnungen über Handarbeit. Wie Benedikt betont Isidor die unbedingte Notwendigkeit der Arbeit: Ben. 481: Otiositas inimica est animae, et ideo certis temporibus occupari debent fratres in labore manuum, certis iterum horis in lectione divina Is. 5=: Monachus semper operetur manibus suis.¹) In demselben milden Sinne wie jener empfiehlt er ferner Rücksichtnahme auf kränkliche und schwächliche Brüder: Ben. 4843m: Fratribus infirmis aut delicatis tale opus aut ars injungatur, ut nec otiosi sint nec violentia laboris opprimantur aut effugentur etc. Is. 5¼4: Qui per infirmitatem corporis operari non possunt, humanius clementiusque tractandi sunt. Bemerkenswerter ist es aber, dass Is. in der Arbeitsverteilung im wesentlichen mit Ben. übereinstimmt.

Is. setzt im Sommer für körperliche Arbeit die Stunden an(Is. cap. 59):

1. vormittags: a mane usque ad horam tertiam(von früh an bis 9 Uhr),

2. nachmittags: post nonam usque ad tempus vespertinum(von 3 Uhr bis zur Vesper); Ben.(cap. 48 4- 13):

1. vormittags: a prima hora usque paene quartam(von 6 bis gegen 10 Uhr),

2. nachmittags: Agatur nona temperius, mediante octava hora, et iterum quod facien- dum est operentur usque ad vesperum(etwa von 2 Uhr an bis zur Vesper).

Für den Winter geben beide einen andern Arbeitsplan:

Is.(cap. 5³1): post celebrationem tertiae usque ad nonam laborandum est(von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags), Ben.(cap. 48 16 24): hora secunda agatur tertia, et usque nonam omnes in opus suum laborent, quod eis injungitur(von ca. 8 ½ vormittags bis 3 Uhr nachmittags). Eine Verschiebung, die Ben. 48 25 f. noch für die Quadragesimalzeit vornimmt, macht Is. freilich nicht mit, doch das ändert nichts an der weitgehenden Gleichheit in der Hauptsache. Man kann nicht etwa den Einwand erheben, diese Zeiteinteilung sei allgemeiner Brauch gewesen; dagegen sprechen die übrigen Regeln. Verhältnismässig am nächsten steht unserm Gesetzgeber noch Tarn.(cap. 9): hier wird für den Sommer fast der ganze Vormittag

1) Vgl. Ferr. 28: Ut Monachus quotidie operis aliquid faciat.