Aufsatz 
Die Regula monachorum Isidors von Sevilla und ihr Verhältnis zu den übrigen abendländischen Mönchsregeln jener Zeit / von Rudolf Klee
Entstehung
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labiorum, sed intimo cordis credat affectu. Der Befehl aber, gegen den senior gehorsam zu sein(Is. 17), tönt in allen Regeln ziemlich gleich wieder: Ben. 5 und 7, Col. cap. 10, Aur. 40, Tarn. 8: Increpare iunior non audeat seniorem.-

Auch in der Aufnahme der asketischen Hilfsaktionen, die zur strengen Erfüllung jener alten drei Gelübde witwirken sollen, stellt sich Isidors Regel meist als erkennbares Glied einer längeren geschichtlichen Entwickelung dar. Dies gilt zuerst von den Vorschriften über Nahrung, Kleidung, Nachtlager und Clausur.

In den Anordnungen über Speise und Trank verrät Isidor in dem gesamten Charakter seiner Darlegungen genauere Kenntnis von Benedikt, einige Ubereinstimmungen mit andern Gesetzgebern in Einzelheiten fallen demgegenüber nicht ins Gewicht. Beide Männer, Isidor und Benedikt, werden hier von demselben Geiste der Milde geleitet: Is. 9;: In utroque ergo temperantia adhibenda est, scilicet, ut et vitia carnis non praevaleant, et vis ad ministerium bonae operationis sufficiat. Ben. 419m: Et sic omnia temperet atque disponat, qualiter et animae salventur, et quod faciunt fratres absque iustam murmurationem faciant. Damit ent- fernen sich beide an diesem Punkte weit von dem strengen Sinne Columbans, wie er sich bei diesem im 3. Kapitel: De cibo et potu ausspricht:..... Ergo quotidie jejunandum est, sicut quotidie orandum est..... Beide, Isidor und Benedikt, geben ähnliche äussere Anweisungen über die Mahlzeiten: Auf das gegebene Zeichen sollen sich alle beim Essen einfinden; wer zu spät kommt, soll fasten(Is. 94 Ben. 43 26.); niemand soll aber auch wagen, ausserhalb der festgesetzten Zeit etwas zu geniessen(Is. 9. Ben. 43 35 f.).¹) Damit ferner Körper und Geist zugleich erquickt werde, soll immer einer während der Mahlzeit de Secripturis etwas vorlesen, die andern mögen schweigend zuhören: Is. 9, Ben. 38.²) Beide Verfasser nähern sich ferner einander in dem Mass von Speise und Trank, das sie den fratres gewähren:

IS. O5:..... refectio mensae tribus erit pulmentis, olerum scilicet et leguminum, et, si quid tertium fuerit, id est, pomorum. Ben. 39 1: Ergo duo pulmentaria cocta fratribus omnibus

sufficiant. Et si fuerit, unde poma aut nascentia leguminum, addatur et tertium! Panis libra una propensa, die Ben. noch hinzufügt, ist bei Isidor wohl nur nicht besonders erwähnt, ebenso findet sich kein wesentlicher Unterschied in den Erklärungen: Is. 9, Diebus vero sanctis inducant cum oleribus levissimarum carnalium alimenta und Ben. 39 11. Carnium vero quadrupedum omnino ab omnibus abstineatur comestio praeter omnino debiles et aegrotos.¹) Als Grenze des erlaubten Getränks wird dazu angegeben: Is. 99: Ternis quoque poculis fraterna reficienda est sitis Ben. 40 4..... infirmorum contuentes inbecillitatem credimus eminam(ca. 0,441) vini per singulos sufficere per diem. Eine gewisse Hineigung zu Ben. findet sich endlich noch bei Festlegung der Fastenzeiten. Greise und Kinder schliessen beide vom Fasten aus: Is. 113: Hi autem, qui vetustate corporis consumpti, aut tenerae aetatis fragilitate detenti sunt, non sunt quotidianis ieiuniis exercendi..... Ben. 37¼: Consideretur semper in eis(i. e. in senibus et infantibus) inbecillitas, et nullatenus eis districtio regulae teneatur in alimentis; sed sit in eis pia consideratio, et praeveniant horas canonicas. Als Fastenzeiten werden dann genannt: bei Is.(cap. 11): 1. Montag, Mittwoch und Freitag während der Dauer von Pfingsten bis zum aequinoctium autumnale, 2. von da an bis Weihnachten täglich ausser des Sonntags, 3. vom dies circumcisionis bis zu den solemnia Paschae, 4.(Primum) jejunium Quadragesimae quoti- dianum, in quo maior abstinentiae observantiae manebit in monachis, quando non solum a prandiis, sed etiam a vino et oleo abstinent bei Ben.(cap. 41 u. 49): 1. Mittwoch und Freitag von Pfingsten bis 13. September, 2. vom 14. September bis zum caput quadragesimae jeden Tag. 3. In quadragesima vero usque in Pascha ad vesperam reficiant.¹) Die kleinen

1) Vgl. über diesen Punkt auch: Aur. 52, Ferr. 35, Reg. Pauli et Stephani 17.

2) Vgl.: Reg. Pauli et Stephani 18; Caes. 9, Aur. 49, Aug. 5.

3) Strenger sind hier die übrigen Regeln: Caes. 24: Pullos et carnes nunquam sani accipiant: infirmis quidquid necesse fuerit, ministretur. Aur. 51: carnes in cibo nusquam sumantur, Regula cuiusdam Patris 11: Caro et vinum, sive potus, in quo sit ebrietas, refutanda sunt monachis.

4) Die feriae(fastenfreien Tage) Is. 10 sind bei Ben. nicht erwähnt; sie ergeben sich auch im Grunde von selbst, nur hätte auch bei Ben. der Sonntag hervorgehoben werden können. Näher steht hier übrigens