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Chriſtliche Kirchen⸗ Schul⸗ und Hauß⸗Gebetlein: Fur Feit der einſchleichenden Seuche der Peſt zu gebrauchen 1. (Vignette: geflügelter Engelskopf.]
Gedruckt zu Darmbſtatt Bey Chriſtoph Abeln/ Fuͤrſtlichen Hoff⸗ Buchdruckern.
Im Jahr 1666. ²
Das erſte Gebet iſt zu gebrauchen/ da die Seuche noch nicht eingeſchlichen.
Das Zweyte/ da die Peſt all⸗ bereit regieret.
Das Dritte/ da die Seuche wieder nachgelaſſen.
I.
EWiger Allmächtiger GOtt/ Vatter unſers Herrn und Heilands IEſu Chriſti/ du Brunquell aller Gnad und Barmhertzigkeit/ der du mit deinem Sohn und dem Heiligen Geiſt alle Ding erhälteſt und regiereſt nach deinem Wohlgefallen. Wir dancken dir von Hertzen/ daß du uns in dieſen letzten gefährlichen böſen Zeiten biß daher/ nicht allein bey deinem heiligen Liecht deß Evangelij in Fried und Ruh/ ſondern auch bey ge] ſunder Lufft/ für der grauſamen Seuche Ider Peſtilentz gnädiglich erhalten und bewahret haſt. Weil du aber/ als ein gerechter zorniger GOtt/ in unſer Nachbarſchafft die ſcharffe Ruthe der grimmigen Peſtilentz zeigeſt und je länger je näher mit derſelbigen auff uns zuruckeſt; uns auch dieſer Orthen ſelbſt mit andern beſchwerlichen Kranckheiten heimzuſuchen angefangen: So er⸗ kennen und berewen wir alle unſere Sünden/ damit wir dieſe und noch wol gröſſere Straffen/ ver⸗ dienet haben/ und bitten aller ſolcher Sünden gnädige Vergebung und Vätterliche Erlaſſung. O frommer Vatter! wende ja nicht von uns deinen Segen und allmächtigen Schutz/ ſondern erhalte uns denſelben gnädiglich/ daß wir darunter ſicher ruhen und leben mögen. Reinige die Lufft von al len gifftigen Peſtilentziſchen Entzündungen/ und befehle deinen heiligen Engeln/ daß ſie unſere Gräntzen und Straſſen/ Gaſſen und Häuſer bewachen/ und mächtiglich bewahren/ vor dem Strick deß Jägers und der ſchädlichen Peſtilentz/ daß wir unſere Füſſe nicht an einen Stein ſtoſſen/ ſondern ein jeder in ſeinem Beruff und Stand unverhindert mit frewdigem geſundem Hertzen dir dienen/ und deiner zeitlichen Gaben/ die du uns reichlich verliehen/ mit hertzlicher Danckſagung genieſen möge. Erbarme dich auch/ barmhertziger GOtt/ unſerer benachbarten Mit⸗Chriſten/ welche mit dieſer Seuch beladen ſeynd/ und erlöſe ſie darvon gnädiglich/ damit alſo Sie/ beneben uns/ deinem hochheiligen Nahmen hertzlichen Danck zu ſagen Urſach gewinnen mögen. Ach HErr hilff uns und allen Chriſten/ daß wir deinen Willen erkennen/ dir im Glauben anhangen/ nach deinem Wolgefallen leben/ und in allem Creutz gedultig außdauren. Solches verleihe uns umb der kräfftigen Vorbitt IEſu Chriſti willen/ Amen.
1 14 S. kl. 80. ² die geben das Ende der Seite an.


