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II.
O Allmächtiger ewiger Gott Vatter unſers HErrn IEſu Chriſti/ ein HErr Himmels und der Erden. Wir erkennen und bekennen mit rewenden leydmütigen Hertzen/ daß wir dich/ O Heiliger GOtt/ mit unſern immer anhaltenden ſchweren Sünden/ höchlich erzürnet/ und damit wol verdienet haben/ daß du uns mit allerhand Straffen/ und ſonderlich mit der ſchädlichen Peſtilentz jetzo heim⸗ ſucheſt. Ach freylich ja macht es dem gerechten Zorn/ daß wir ſo vergehen/ und dein Grimm/ daß unſer viel/ ſo plötzlich dahin müſſen; dann unſere Miſſethat ſtelleſtu vor dich; unſere unerkandte Sünde in das Liecht vor deinem Arngeſicht.
Nun lieber Himmeliſcher Vatter: Wir erkennen unſere/ Miſſethat/ die da groß iſt; und unſere Sünden ſind immer für uns. An dir /O, Gott/ haben wir geſündiget und übel für dir ge⸗ than. Wir kommen aber zu dir mit betrübten zerſchlagenen Hertzen/ und heben dieſelbe ſampt unſern Händen zu dir gen Himmel. Gedencke nicht /O HErr/ unſer vorigen Miſſethat. Erbarme dich wieder über uns und ſey uns gnädig. Hilff du uns/ O Gott unſer Helffer und Artzt/ umb deines Nahmens Ehre willen. Errette uns/ und vergib uns unſere Sünde/ umb deiner ewigen Güte willen. Wir kommen zu dir mit gantzem Hertzen/ und ſuchen dein Angeſicht mit Furcht/ darumb laß uns nicht zu ſchanden werden. Ach HErr höre uns/ ach HErr ſey gnädig. Ach HErr mercke auff/ und thue es/ und verzeuch nicht umb dein ſelbſt willen. O du höchſter GOtt: Laß uns ſitzen unter deinem Schirm: O allmächtiger HErr/ laß uns unter deinem Schatten bleiben. Errette uns vom Strick deß Jägers und von der ſchädlichen Peſtilentz: Decke uns mit deinem Fittigen/ und laß unſere Zuverſicht ſeyn unter deinen Flügeln; damit wir nicht erſchrecken füj dem Grawen deß Nachts/ für den Pfeilen die deß Tages fliegen/ für der Peſtilentz/ die im Finſtern ſchleichet/ für der Seuche die im Mittag verderbet. Ob Tauſend fallen zu unſer Seyten/ und zehen Tauſend zu unſer Rechten/ ſo laß es doch uns nicht treffen. Laß uns kein übels begegnen/ und keine Plage zu unſern Hütten und Häuſern ſich nahen. Du biſt allein der HErr/ der uns in dieſer Gefahr bewahren und bey Leben erhalten kan. Iſts aber je dein Heiliger Wille/ daß wir alſo in deine Hände fallen/ und an dieſer Plage das Leben enden/ und auß dieſer Welt abſcheiden ſollen: Ach HErr/ ſo bleibe bey uns in der Noth/ gedencke an deine groſſe Barmhertzigkeit/ und wende deine Gnade nicht von uns an unſerm letzten Ende. Laß uns die Angſt und Schmertzen deß Tods in deiner Krafft erdulden und überwinden. Erhalte in unſern Hertzen den wahren Glauben und das kindliche Vertrawen auff deinen lieben Sohn Jeſum Chriſtum. Wohne uns bey mit dem Troſt deines Heiligen Geiſtes/ und gib daß dir mit guter Vernunfft auß glaubigen Hertzen unſere Seele in deine Heilige Hände befehlen/ damit wir alſo dich unſern GOtt und Vatter/ ſampt deinem geliebten Sohn und dem Heiligen Geiſt/ nicht nur in unſerm Leben und Sterben bekennen und ehren/ ſondern auch dort in Himmliſcher ewiger Glori und Herrlichkeit loben und preyſen mögen in Ewigkeit. Erhöre uns O trewer GOtt/ umb deines allerliebſten Sohns JEſu Chriſti/ unſers HErrn und Heylands willen/ Amen.
III.
EWiger GOtt/ Himmliſcher Vatter/ du König der Ehren und HErr Himmels und der Erden: Wir dancken dir von Hertzen vor alle deine groſſe Gut⸗ und Wohlthaten Leibs und der Seelen; und ſonderlich ſagen wir dir ewig Lob und! Danck/ daß du unſere groſſe Noth in Gnaden ange⸗ ſehen/ und unſer Gebet/ welches wir dir mit demütigem Hertzen eine zeithero fürgetragen/ umb deines allerliebſten Sohns JEſu Chriſti willen gnädiglich erhöret/ und die wohlverdiente Straffe der ſchädlichen Peſtilentz/ damit du uns umb unſer Sünden willen/ bißhero heimgeſucht/ nunmehr gnädiglich wiederumb gemildert/ und ſolche ſchwere Plage auß lauter Barmhertzigkeit von uns ge⸗ nommen haſt. Wir bitten dich! O gütiger GOtt und Vatter/ du wolleſt ſolche groſſe Wolthat auß Gnaden auch allen unſern Mit Chriſten wiederfahren laſſen/ welche annoch mit dieſer ſchweren Plage


