Aufsatz 
Hessische Aktenstücke aus den Pestjahren 1666 und 1667 / Ferdinand Bodenstein
Entstehung
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S V. M,

Beilage zum Programm des Großherzoglichen Gymnaſiums in Bensheim. Oſtern 1901.

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Heſſiſche Aktenſtüche aus den Peſtjahren 1666 und 1667

ASis 9

Von FJerdinand Bodenſtein. S

Inhaltsüberſicht.

1. Einleitung S. 14; 2. Heſſen⸗Darmſtadt S. 4 10; 3. Stadt Darmſtadt S. 1115; 4. Heſſen⸗Rheinfels S. 15 18 5. Heſſen⸗Kaſſel S. 18 20; 6. Anha

Lehrerbibliothakſ der Oberraaksdmle Qièessen

Einleitung.

J

Noch im ſechzehnten, ſowie in den erſten zwei Dritteln des ſiebzehnten Jahrhunderts war die Peſt eine regelmäßig wiederkehrende Krankheit in Europa. Zwar läßt ſich in den letzten dreißig Jahren des ſiebzehnten Jahrhunderts eine allmähliche Abnahme der Seuche bemerken, doch traten immer noch einzelne Epidemien auf. So wurde in den Jahren 1666 und 1667 Deutſchland von einer ſolchen Peſtepidemie heimgeſucht, die, von Holland ausgehend, ſich namentlich in den Ländern am Rhein ausbreitete. Zu den infizierten Städten gehörte auch Frankfurt.

Das Auftreten und der Verlauf der Peſt in Frankfurt verdient eine nähere Betrachtung. Hier⸗ durch gewinnt man nämlich einen Anhaltspunkt für das Verhalten der verſchiedenen heſſiſchen Regierungen während der Peſtzeit. Frankfurts Geſchichte der Peſt iſt dafür inſofern beſonders günſtig, als einerſeits die Stadt infolge ihrer zentralen Lage innerhalb der heſſiſchen Gebiete die Regierungen zu Maßnahmen gegen die Peſt veranlaßte, andererſeits die Frankfurter Akten ziemlich ausführlich über die Peſt in Frank⸗ furt berichten!. Abgeſehen von der Sterblichkeitsziffer ſeien hier beſonders die Maßnahmen Frankfurts erwähnt, die auf eine Epidemie in der Stadt ſchließen laſſen, auch nach außen hin bekannt wurden, und ſo auf das Verhalten der benachbarten Regierungen Frankfurt gegenüber zurückwirkten.

Das erſte Auftreten der Peſt fällt in den Anfang Oktober 1665. Ein Handelsmann aus Köln hatte ſie während der Herbſtmeſſe eingeſchleppt und erlag daran. Durch ihn wurden die Hausbewohner

¹ Hauptquelle ſind die Frankfurter Kontagions⸗Akten(F. C. A.) des Archivs der Stadt Frankfurt. Neben ihnen wurden als urkundliche Quellen für die Arbeit benutzt: die Akten des Großherzoglich Heſſiſchen Haus⸗ und Staats⸗ archivs, des Kgl. Preußiſchen Staatsarchivs zu Marburg, des Großherzoglich Badiſchen General⸗Landesarchivs zu Karls⸗ ruhe, des Darmſtädter, Straßburger und des Kölner Stadtarchivs. Soweit ſich die Verhältniſſe überblicken laſſen, iſt auf weiteres, in den Archiven ruhendes Material nicht zu rechnen. Denn auf Anfrage erklärten das Kgl. Bayeriſche Kreisarchiv zu Speyer, das Archiv der Stadt Speyer, das Kgl. Bayeriſche Kreisarchiv zu Würzburg, das Kgl. Bayeriſche allgemeine Reichsarchiv in München, die Kgl. Preußiſchen Staatsarchive von Düſſeldorf, Coblenz und Wiesbaden, das Archiv der Stadt Worms, das Kaiſerl. und Kgl. Haus⸗, Hof⸗ und Staatsarchiv zu Wien, ſowie die Univerſität Gießen (betreffs der Univerſitätsakten), keine auf Heſſen bezüglichen Aktenſtücke aus jener Zeit zu beſitzen.

Programm Nr. 688. 1