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angeſteckt und ſtarben ebenfalls zum größten Teil an der Seuche¹. Von da an griff die Peſt raſch in der Stadt um ſich. Während des Monats Oktober bis zum 4. November 1665 ſtarben in Frankfurt und Sachſenhauſen 87 Perſonen, darunter ⅛ an der Peſt?. Am 4. November wurde ein eigner Peſt⸗ arzt angeſtellts. Der Ruf von dem Ausbruch der Peſt drang auch nach außen. Es war ein empfind⸗ licher Schlag für Frankfurts Handel, daß die Stadt am 28. November 1665 von der Regierung zu Venedig banniſiert wurde 4. Sie konnte ſich trotz aller Verſuche in der nächſten Zeit nicht mehr von dem läſtigen Banne befreien. Januar 1666 ſcheint die Seuche wieder abgenommen zu haben; wenigſtens deutet die Sterblichkeitsziffer' darauf hin. Überhaupt ſtellte Frankfurt das ganze Auftreten der Peſt als unbedeutend hin. Es verſicherte in einem Schreiben an Heſſen⸗Kaſſel(P. C. A. I, Nr. 117, 20. Januar 1666. Gleichlautende Schreiben gingen unter demſelben Datum auch an die Äbte von Fulda und St. Gallen), daß nur zwei oder drei Häuſer infiziert worden ſeiensö. Im Juni 1666 brach dann die Seuche von neuem aus und raffte eine Menge Menſchen dahin. Die Ziffern der Tabelle reden deutlicher als Worte. Der erſte neue Fall wurde am 26. Juni von dem Peſtarzt Dr. Lai feſt⸗ geſtellt. Soſort traf man Vorkehrungen. Die Deputierten und Curatores Sanitatis verſammelten
¹ Vgl. F. C. A. I, S. 35, 3. Oktober(alten Stils) 1665„Deß Juden Arhts Bericht vber dem im g.[güldenen] Apfel grassirenden morbo“. F. C. A. I, S. 37 und Stricker,„die Geſchichte der Heilkunde u. ſ. w.“ Frankfurt a. M., 1847, S. 17, nach Lersners Frankfurter Chronik, I.
2 F. C. A. I, S. 104. 3 F. C. A. I, S. 108. 4 F. C. A. I, S. 174.
⁵ Nach einer gedruckten Tabelle(F. C. A. I, Nr. 113 für 1665; III, S. 201 für 1666; V, Nr. 869 für 1667) ſtellen ſich die Todesfälle in Frankfurt und Sachſenhauſen folgendermaßen:
1665 1666 1667
Januar... 79 71 71 Februar... 55 48 51 März.... 65 59 42 April.... 64 88 59 Mai.... 65 99 91 Juni.... 45 82² 40 Juli.... 72 259 37 Auguſt... 80 350 40 September.. 66 222. 33 Oktober... 77 217 148 November.. 103 176 44 Dezember.. 110 131 49 Summe 881 18⁰² 605
In dem Frankfurter Kirchenbuch(auf dem Kgl. Standesamt I Frankfurt) findet ſich nirgends ein Vermerk der Todesurſache angegeben. 3
6 Da Frankfurt in dieſem Schreiben ſelbſt gewiſſermaßen einen offiziellen Bericht über die Peſt im Herbſt 1665 giebt, ſo ſei die betreffende Stelle daraus mitgeteilt. Es erklärt:„Sothanen nach ſo iſt es zwar an deme, aller⸗ maßen landkündig, daß angeregte Seuch von ettlichen Monaten her in der Statt Cölln ſtarck vehrſpüret, dahero ein oder zween inficirte des Orts, non obstante, daß wir an den Thoren gute vffſicht verfügt gehabt, in jüngſter Herbſtmeß an⸗ hero kommen, vnd allhie verſtarben, wodurch 2. oder 3. Haußer, nit zwar ex aere vitioso, ſondern secundum Medi- corum nostrorum juratorum asserta, ex contagio et convictu, inficirt worden, gantz ohne allermaßen die Anſchlüſſe mit mehrerm verificiren vnd zu tage legen, daß daran eine große Anzahl, ſondern die allerwenigſte, die meiſte aber Alters vnd ermanglender Kräfften wegen, vorab die junge Kinder an Purpeln und röteln, verſtorben, deren 6. in 8., vmb verſpürten Armuths vnd ermanglender Spesen willen, anfangs guter Meynung, niemand aber zu Gefehrde, bey Nacht begraben, wannenhero die hieſige Statt in die frembde ſtarck außgetragen, vnd in suspicionem einer völligen vnd continuirlichen Infection gebracht worden, welches umb ſo weniger wohl noth geweſen, alß in dieſem newen Jar vom 1. biß dato, in beyden Stätten, Franckfurt vnd Sachſenhauſen, an allerhand Schwachheiten, allerley Leuth, mehr nit, alß 53 Perſonen, durch die Milde deß Höchſten verſtorben.“ Ob dieſer Bericht wirklich der Wahrheit entſprach, oder die Sachlage doch in einem zu günſtigen Lichte erſcheint, läßt ſich nicht mehr ausmachen.
7 F. C. A. II, S. 125.


