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ſich am 2. Juli und erließen eingehende Vorſchriften gegen die Peſt¹. Auch nach den Nachbarſtädten hatte ſich der Ruf von der Peſt in Frankfurt verbreitet. Die Stadt Friedberg verbot ihren Bürgern jeden Verkehr mit Frankfurt?. Mainz, das ebenfalls von der Peſt befallen war, hatte den Beſuch der Meſſe von Frankfurt verboten bekommen. Darüber ärgerlich ſchrieb die kurmainziſche Regierung an Frankfurt am 19.(9.) Juli 16663 zurück, das Übel ſei in Mainz gar nicht ſo ſchlimm,„da inſonder⸗ heit mehr dan zuviel bekandt, das die Contagion bey Euch daroben vngleich ärger, alß allhier hauße, vnd umb ſich freſſe, auch ob ſie ſchon bereits lang vorhero vnd ehe allhier das geringſte verſpürt worden, im ſchwang gangen“. Thatſächlich war die Sterblichkeit in Frankfurt während des Juli ſo groß“?, daß man zu neuen Maßnahmen griff. Es konſtituierte ſich am 16. Auguſt aus den vier Amtern Hoſpital, Armenkaſten, Deputierten zur Sanität und den an den Thoren beorderten Herren eine Kommiſſion; dieſe ſetzte einen ſtändigen Ausſchuß nieder, der täglich von 10—11 Uhr im Römer eine Sitzung ab⸗ hielt, um der notleidenden Bürgerſchaft zu helfenö. Etwa um dieſelbe Zeit beſtimmte der Rat wegen der Peſt und roten Ruhr den 17. Auguſt zu einem allgemeinen Buß⸗, Faſt⸗ und Bettag, der für die Cvangeliſchen alle vier Wochen wiederholt werden ſollte. Die Wein⸗ und Bierſchenken durften den Tag über bis nach dem Abendgebet keine Gäſte ſehens. Die Badeſtuben wurden geſchloſſen?. Endlich mußte auch Frankfurt in dieſem Monat dem Drängen ſeiner Handelsleute nachgeben und einen Stapelplatz außerhalb der Stadt einrichten, auf dem die ankommenden Waren ab⸗ und umgeladen wurdens. Der dazu auserſehene Platz war der Riedhof, ſüdlich der Stadt auf dem linken Mainufer gelegen?. Gegen Ende des Jahres nahm die Seuche langſam wieder ab ¹0; im Februar 1667 endlich war die Stadt nach
¹ Angegeben im„Protocollum Contagion betr. Ao. 1666 Biß 1668“ unterm 2. Juli 1666(Frankfurter Stadt⸗ archiv) und abgedruckt bei Stricker a. a. O. S. 17 f.
²2 Friedberger Ratsprotokoll vom 16. Juli 1666(Darmſtädter Haus⸗ und Staatsarchiv[D. H. St. A..
4 F. C. A. II, S. 179.
4 So wurden Mittwoch, den 18. Juli, 17 Perſonen beſtattet; Sonntag, den 22. Juli, 15(Frankfurter Kirchenbuch).
s Protokollum, 16. Auguſt 1666. 8 Vgl. F. C. A. II, S. 256.
¹ Protokollum, 22. Auguſt 1666.
s F. C. A. II, S. 276, etwa 18. Auguſt 1666.
Schon im Mai hatten die geſamten Handelsleute Frankfurts eine Eingabe an den Rat gemacht und gebeten, nach dem Vorgang anderer Reichsſtädte, wie Ulm und Augsburg, einen Platz vor der Stadt, etwa den Riedhof, auszu⸗ ſuchen,„auf welchem die fortgehende güter, ſobalden wiederumb auffgeladen, vndt mit behörigen documentis verſehn, die in die Statt gehörige, aber nach gut befinden entweder zur quarentana oder anderer purgations mitteln angehalten, vndt alſo hoc modo allen außländiſchen verdacht nach möglichkeit vorgebauet werden könte“.(F. C. A. II, S. 52, Lect. in sen. 11. Mai 1666.) Die Sache wurde verſchleppt(F. C. A. II, S. 82, Lect. in sen. 25. Mai 1666), die Fuhrleute von auswärts machten Schwierigkeiten(F. C. A. II, S. 82). Nach einer erneuten Bittſchrift der Frankfurter Handelsleute(F. C. A. II, S. 227, ohne Datum; Lect. in Sen. 31. Juli 1666) ließ ſich endlich der Rat herbei, den Riedhof einzurichten. Zwei Inſpektoren wurden angeſtellt und eine ausführliche Inſtruktion für beide entworfen(F. C. A. II, S. 276, ohne Datum). Unter den dreizehn Punkten dieſer Inſtruktion iſt beſonders der eine(Nr. 8) bemerkens⸗ wert, daß alle abgehenden Güter mit roter Farbe durch ausgehauenes Blech gezeichnet werden ſollten, damit man öffent⸗ lich ſehen könne, daß dieſe Güter aus einem uninfizierten Orte kämen. Auch ein Begleitbrief für die Waren wurde ge⸗ druckt(F. C. A II, S. 253, approbiert im Senat den 10. Auguſt 1666), worin bezeugt wurde, daß die Waren„unbe⸗ rührt beeder Stätte Franckfurt und Sachſenhauſen... anhero vff der Statt Franckfurt/ ein viertel Meil wegs davon gelegenen/ reinen, geſunden Luffts/ vnd von der anſteckenden Seuch unverdächtig vnd uninficirten Hoff/ der Riedhoff genant/ überbracht“ ſeien.
¹o Wenig wahrſcheinlich iſt es, wenn Frankfurt in einem Schreiben an Heſſen⸗Darmſtadt, im September 1667, berichtet(F. C. A. II, S. 333), daß„die wochen zahl deren nit zwar an der Seuch, welche im wenigſten geſpüret wirdt, ſondern an der Diarrhaea verſtorbenen kinder und junger Leuthe, bey 3. wochen her von 90. per gradus vff 60. herab⸗ kommen“ ſei. Unter gradus iſt dabei ein Abſchnitt von je ſechs Tagen zu verſtehen, nach deſſen Verlauf im Kirchenbuch die Zahlen der Beſtatteten zuſammengezählt werden. Die obige Zahlenangabe freilich ſtimmt mit dem Kirchenbuche. Es betrugen nämlich: 4.— 10. Auguſt die Begrabenen 90; 1.—7. September 61. Allein die Summe der im ganzen Auguſt Beſtatteten belief ſich auf nicht weniger als 350. Iſt es da glaublich, daß„die Seuch im wenigſten geſpüret werde“, und ſollte die ungewöhnlich hohe Sterbeziffer nur auf Rechnung der an Diarrhoe verſtorbenen Kinder zu ſetzen ſein?
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