Aufsatz 
Hessische Aktenstücke aus den Pestjahren 1666 und 1667 / Ferdinand Bodenstein
Entstehung
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dem Atteſt ſämtlicher Frankfurter Ärzte wieder peſtfreil. Ein großes Dankfeſt fand am 1. März ſtatts. Die Oſtermeſſe wurde zahlreich beſucht. Trotzdem das Jahr 1667 nur den dritten Teil der Sterbe⸗ fälle aufweiſt wie das Vorjahr, ſo verlief es doch nicht ohne Infektion. Am 19. Juni 1667 fand ein neuer Ausbruch der Peſt im Falken ſtatt, der zwei Perſonen zum Opfer fielens; Mitte Oktober laſſen ſich wieder vier Todesfälle nachweiſen. Ob ſich die Peſt auf die in den Akten angeführten Fälle be⸗ ſchränkte oder weitere Ausdehnung gewann, läßt ſich nicht ermitteln. Jedenfalls war die Stadt im Dezember wieder peſtfrei. Benachbarte Fürſten, Grafen und Herren beſuchten ſie damals'. Mit dem 15. Februar 1668 ſchließen die Kontagionsakten ab, mit dem 22. März 1668 das Protokollum 6.

Heſſen-Darmſtadt.

Die Heſſen⸗Darmſtädtiſche Regierung maß dem Auftreten der Peſt in Frankfurt anfänglich wenig Bedeutung bei. Der Verkehr blieb etwa 7 Wochen nach dem erſten Peſtfall in Frankfurt? uneingeſchränkt, nicht einmal Beſcheinigungen wurden von den Frankfurter Kaufleuten verlangt, daß ſie und ihre Waren aus uninfizierten Häuſern kämen. Unterdeſſen nahte der Darmſtädter Andreas⸗Markt(30. November 1665), den die Frankfurter Handelsleute zahlreich zu beſuchen pflegten. Da die Gefahr einer Einſchleppung zu befürchten war, wurde der Markt für die Frankfurter geſperrts. Vorerſt blieb es nur bei dieſer einen Maßregel. Die Einwohner Frankfurts kamen hierauf wieder ungehindert ins Land und in die Reſidenz9, bis auf Anlaß von Kur⸗Pfalz ſich die heſſiſche Regierung zu einem weiteren Schritt entſchloß. Die Peſt hatte unterdeſſen am Rhein weiter um ſich gegriffen, beſonders Köln ſtark heimgeſucht. Straßburg und Kur⸗Pfalz hatten Abſperrungsmaßregeln gegen die den Rhein aufwärts reiſenden Perſonen ge⸗ troffen, und ſo bat Kur⸗Pfalz, mit Rückſicht auf die Peſt in Frankfurt, alle den Rhein herauf durch Darmſtädtiſches Gebiet Reiſenden einer Kontrolle zu unterwerfen ¹⁰. Heſſen ging darauf ein und teilte es in der ſchonendſten Weiſe Frankfurt mit. Der Fürſtlich Darmſtädtiſche Rat Leutnant Drach ſchrieb am 26. Dezember 1665 ſeinem Schwager in Frankfurt, dem Syndikus Glock, unter Hinweis auf das Kur⸗Pfälziſche Schreiben, daß in Zukunft nur ſolche Leute mit ihren Waren eingelaſſen würden, die mit einem Zeugnis des Rats verſehen ſeien, daß ſie aus uninfizierten Häuſern kämen ¹¹. In dieſer Weiſe blieb der Verkehr mit Frankfurt im weſentlichen auch die beiden folgenden Jahre beſtehen 12. Ja, als Frankfurt in den Bann Venedigs geriet¹s und viele andere Regierungen ſich dem anſchloſſen¹¹, machte Heſſen⸗Darmſtadt zu Anfang des Jahres 1666 im Verein mit Heſſen⸗Kaſſel und Kur⸗Pfalz ſogar An⸗ ſtrengungen, den Bann zu löſen ¹5. Der Grund dafür lag in dem Verhältnis Darmſtadts zu Frankfurt. Es mußte mit Frankfurt auf erträglichem Fuße leben und hatte ein Intereſſe daran, daß Frankfurt auch bei den übrigen Staaten ſeine Handelsbeziehungen aufrecht erhielt. Der bisher feſtgehaltene modus

F. C. A. III, S. 220. Atteſt der Ärzte vom 28. Januar 1667; beglaubigt vom Kaiſerl. Notar Februar 1667. F. C. A. III, S. 517. 3 F. C. A. IV, S. 641. 4 F. C. A. V, S. 116 u. 172. F. C. A. V, S. 172, 21. Dezember 1667, und V, S. 193, Dezember 1667. Auch die Zahl der Sterbefälle iſt in der erſten Hälfte 1668 außerordentlich gering: Januar 37; Februar 29; März 41; April 42; Mai 58; Juni 34(Frankfurter Kirchenbuch).

7 Anfang Oktober 1665. 3 F. C. A. I, S. 168 und I, Nr. 100.» F. C. A. I, Nr. 161. 10 F. C. A. I, Nr. 102. 19. December 1665. ¹1 F. C. A. I, Nr. 101. ſ. auch I, Nr. 124, Nr. 143. II, S. 159.

¹2 Die heſſiſche Regierung in Gießen ſcheint darin freilich eine andere Politik verfolgt zu haben. Sie hatte ihren Untergebenen im Jahre 1666 den Verkehr nach Frankfurt ganz unterſagt und auch verboten, die Frankfurter in das Land einzulaſſen(F. C. A. II, S. 335. 9. September 1666).

¹z ſ. o. S. 2.

¹¹ Die Kaiſerliche Regierung, Chur⸗Bayern, Salzburg, die oberöſterreichiſche Regierung zu Insbruck, Mailand und andere italieniſche Städte; ferner St. Gallen, Baſel, Straßburg, Ulm, Augsburg, Nürnberg und Regensburg.

15 F. C. A. I, Nr. 143, 10. Februar 1666, und I, Nr. 214. P. S. 8. März 1666.

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