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vivendi mit Frankfurt war für Darmſtadt eine Notwendigkeit. Es konnte gar nicht Frankfurt banni⸗ ſieren, ohne ſich ſelbſt auf das härteſte zu ſchädigen ¹.
Während deſſen breitete ſich die Peſt in der erſten Hälfte des Jahres 1666 immer weiter aus, ſchon wurde ſie am oberen Rhein, in den Ländern am Neckar und Main verſpürt?. In Frankfurt wütete ſie im Juli mit der größten Heftigkeits. Unter dem Eindruck dieſer böſen Nachrichten entſchloß man ſich in Darmſtadt zu eingehenden Verordnungen an die Unterthanen. Eine folgte der andern. Man könnte die zweite Hälfte des Jahres 1666 in dieſer Beziehung die Zeit der Edikte nennen. Die meiſten laſſen ſich bis jetzt nur im Auszug feſtſtellen, eins liegt vollſtändig vor. Vom 27. Juni 1666 datiert ein Reſkript des Inhalts,„daß die Craemer kein Gewand oder mobilien von verdächtigen Orthen an ſich handeln vnd in die Statt bringen auch die Betteler weder in Rath⸗häußern noch ſonſten in Dörffern oder Stätten gedultet werden ſollen, deßgleichen ſollen auch der Statt Apotecker ſich in Zeiten provisionieren, jedoch darbey vorſehen, daß er an keinen inficierten orthen ſeine medicamenta ein⸗ kauffe“ 4.
Wichtig iſt der Erlaß vom 5. Juli 16665⁵; er ſei deshalb hier vollſtändig wiedergegeben:
Verordnung des Regierungs⸗ und Kammerpräſidenten, Georg Ludwig, Burggrafen zu Kirchberg, im Namen
des Landgrafen Ludwigs VI. von Heſſen⸗Darmſtadt, betreffend das Verbot, in infizierte Gegenden zu gehen und Waren oder infizierte Perſonen von dorther aufzunehmen. Erlaſſen am 5. Juli 1666 in Darmſtadt.
„Deß Durchleuchtigſten Fürſten und Herrn/ Herrn Ludwigs/ Landgraffens zu Heſſen/ Fürſtens zu Herßfeld/ Graffens zu Catzenelnbogen/ Dietz/ Ziegenhain Nidda/ Schauenburg/ Menburg/ und Büdingen/ etc. Unſers Gnädigſten Fürſten und Herrn/ Wir Seiner Fürſtl. Durchl. Regierungs⸗ und Cammer⸗Praesident, Georg Ludwig/ Burggraff von Kirchberg/ und Herr zu Fahren⸗ roda/ etc. So dann Hoff⸗Marſchall/ Cantzlar/ Vice-Cantzlar/ Geheime⸗ und Räthe allhier zu Darmbſtadt/ fügen hiermit Männiglichen zu wiſſen/ als je länger je mehr Nachricht einlangt/ was maſſen die/ durch GOttes Verhängnuß/ Anfangs am Unterm Rheinſtrohm eingeriſſene Contagion und Seuche/ je mehr und mehr ſich außbreite/ und nunmehr auch hieroben in der Nachbarſchafft ſonderlich jenſeyth Rheins und Mayns/ underſchiedene Stätte und Orthe ergriffen habe/ und uns dann ſonderlich in abweſenheit höchſtgedachter Seiner Fürſtl. Durchl. zum höchſten anliegt/ wie dieſe und andere Seiner Fürſtl. Durchl. Lande/ Stätte/ Flecken/ und Dorffſchafften/ durch Einlaß⸗ Auffnehm⸗ oder Be⸗ herbergung frembder und unbekandter Perſonen/ ohne Unterſcheid/ oder auch durch außlauffung der Underthanen an Benachbarte oder andere inficirte Orthe/ und ſonſt/ nicht auch angeſtecket/ ſondern ſolch übel/ aller Menſchlichen Vorſichtigkeit und Möglichkeit nach/ abgewendet werde. Daß Wir dannenhero zwar ohnlängſt in die/ Unſerer Oberauffſicht undergebene Aembter und Orthe/ bey ver⸗ meydung hoher ohnaußbleiblicher Straff/ und respectivè Confiscirung der mit ſich tragender oder führender Güter/ die gemeſſene und ernſte befehlende Verordnung gethan haben/ daß keiner an inficirte Orthe ſich begeben und daſelbſt in Gefahr ſtürtzen/ ſo dann in allen Stätten/ Flecken/ und Dorff⸗ ſchafften fleiſſige Wachten gehalten/ auß inficirten oder verdächtigen Orthen /Niemand/ zumahl keine frembde Bettler /Gängler/ Landläuffer/ Ziegeuner und dergleichen eingelaſſen/ von dieſes Lands Ein⸗ geſeſſenen/ Bedienten und Underthanen auch aller Handlung ab⸗ und zureyſens/ Item erkauffung/ oder annehmung Mobilien/ Tücher/ Leinwad/ Bette/ Kleyder und anders/ auch abhohlung der Erbſchafften/ an⸗ auß⸗ und von ſolchen inficirten oder verdächtigen Orthen/ ſich enthalten/ die Botten/ Reyſende/ und dergleichen Leuthe ſcharpff examinirt, und ſonſten allenthalben ſolcher wachſamer/ vor⸗ ſichtiger/ guter Anſtalt verfügt/ und fleiſſig beobachtet werden ſolle/ damit durch ſolche und dergleichen
¹ Beweis ſ. u. S. 8. 2 F. C. A. II, S. 162. 3 ſ. o. S. 2, Anm. 5.
* Darmſtädter Ratsprotokolle(D. R. Pr.), 29. Juni(a. St.) 1666.
⁵ F. C. A. II, S. 162; D. H. St. A. unter„Verordnungen“; Akten des oberheſſiſchen Geſchichtsvereins(Uni⸗ verſitätsbibliothek Gießen).


