Aufsatz 
Hessische Aktenstücke aus den Pestjahren 1666 und 1667 / Ferdinand Bodenstein
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

Perſonen/ Wahren/ Güther und Sachen die anſteckende Seuche nicht auch ins Land gebracht werde/ welches Wir alles nicht allein anhero nochmahls wiederhohlen/ auch Beambten/ Bedienten und Under⸗ thanen deſſen trewfleiſſigſte Beobachtung/ ſo lieb einem Jeden iſt Seine⸗ und der Seinigen ſelbſteygene Wohlfarth zu beobachten/ und darzu eine ohnaußbleibliche hohe ſcharpffe Straff an Leib /Ehr/ und Guth/ zuvermeiden ernſtlich anbefehlen/ ſondern Wir verordnen/ wollen und gebiethen darbeneben auch hiermit/ bey eben ſolcher Straff/ ferner ernſtlich/ daß hinführo/ biß der Allmächtige getrewe GOTT in der Nachbarſchafft wiederumb geſunde Lufft und beſſere Zeiten verleyhet/ und alſo biß auff weitere Verordnung/ Niemand ſich an verdächtige oder inficirte Orthe/ under was praetext es auch geſchehen wolle/ begeben/ noch auch jemandt/ der ſeye auch wer er wolle/ in die Stätte/ Flecken/ und Dorffſchafften ein⸗ oder durchgelaſſen werden ſolle/ es ſeye dann/ daß Er genugſamb beglaubte Urkund vorzeige/ daß Er von geſunden und unverdächtigen Orthen herkomme/ und an Leiblichen Ayds⸗ ſtatt betheure/ daß Er durch keine inficirte, oder von der Seuch angeſteckte Orthe passirt oder gereyſet/ noch mit Perſohnen/ welche ſolcher anſteckenden Seuche und Kranckheit wegen verdächtig/ oder mit der⸗ ſelben behafftet geweſen/ in drey oder vier Wochen umbgegangen ſeye.

Wäre aber eine Perſon/ ſo ein⸗ oder durchgelaſſen zu werden begehrt/ dergeſtalt bekanndt/ daß man einigen Zweiffel in Sie zu ſetzen zumahl keine Urſach habe/ So kan zwar dieſelbe durch⸗ gelaſſen/ doch ſoll ſie vorher angezeigt werden.

Wann auch Fuhren mit Güthern/ Wahren oder anderen Mobilien ankommen/ Sollen die⸗ ſelbe eben wohl anderergeſtalt nicht ein⸗ oder durchgelaſſen werden /es ſeye dann/ daß ſie mit Urkunden beybringen/ und respectivè zugleich an Aydsſtatt bethewren/ daß die Wahren/ Güther und Mobilien nicht an inficirten oder verdächtigen Orthen geladen noch durch dergleichen Orthe durchgeführet worden.

Den Gaſthaltern/ Wirthen und allen denen/ welche Perſonen beherbergen/ würd hiermit bey vermeidung nahmhaffter unaußbleiblicher Straff befohlen/ daß ſie/ biß auff weitere Verordnung/ niemands beherbergen ſollen/ ſie ſeyen dann deſſen gewiß/ daß er mit Verwilligung eingelaſſen und alſo vor unverdächtig erkandt worden ſeye. Sonderlich ſollen außländiſche Bettler nochmahls durchauß nicht auffgenommen/ ſondern ſo bald/ und zwar nach Anlaytung einerkabſonderlich hierüber ergangenen Verordnung/ ab⸗ und fortgewiſſen werden.

Solches alles meinen Wir ernſtlich/ und do ſich jemand finden lieſſe/ ſo hier wieder handelte/ oder den Ubertrettern durch die Finger ſehe, der hat ſich gewiß verſichert zu halten/ daß die Commi- nirte ſchärpffe und Andung/ ſo bald man deſſen innen würd/ ohnverlängt ohnfehlbarlich erfolgen und zu Werck geſtellet werden wird. Damit dann niemands mit der Unwiſſenheit ſich zuentſchuldigen habe So haben wir dieſe Verordnung durch offenen Truck publiciren, und das Fürſtl. Heſſiſche Secret In⸗ ſiegel hierauff trucken laſſen. So geben und geſchehen zu Darmbſtadt am 5. Julij/ 1666.

Ferner werden erwähnt ein Reſkript an die Herrn Keller und Oberſchultheißen vom 15. Sep⸗ tember 1666,wie es künfftig mit denen handthierungen zwiſchen Rhein vnd Mayn gehalten werden ſolle¹, und ein Reſkript derheymbgelaßenen Regierung vom 1. November 1666, betreffendden künfftigen anſtalt in dieſer hin vnd wider einreißenden ſeuche zeit,damit ſich jederman in Zeiten nicht nur darnach richten könne, ſondern auch auff einige vorſchläge bedencken ſolle, wie deßwegen nöthiger anſtallt zu machen, darmit, im fall der noth, ſolchem rescript gemäß denen nothleidenden zu assi- stiren ſeye ².

Die Zeiten wurden ſchlimmer. Der Michaelismarkt war noch gehalten worden, wenn auch mit Einſchränkungens. Der diesjährige Andreasmarkt(30. November) durfte, wie eine Notiz in den Darm⸗ ſtädter Ratsprotokollen(zum 27. November 1666) beſagt,wegen deren hin vnd wider in der Nachbar⸗ ſchafft eingerißener Seuche nicht gehalten werden,wie dan auß ernſtem befelch des Herrn Cammer Raths Myli(als welchem in abweſenheit der Löbl. Fürſtl. Regirung im Policeyweſen biß zu deren

1 D. R. Pr., 21. September 1666. ebenda 7. Novemher 1666. 3 f. u. S. 8.