Aufsatz 
Hessische Aktenstücke aus den Pestjahren 1666 und 1667 / Ferdinand Bodenstein
Entstehung
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Da ſich unterdeſſen unzweifelhaft herausgeſtellt hatte, daß in Frankfurt die Peſt ſei, ſo erhielt der Schultheiß in Schwalbach den Befehl¹, vom 23./13. Juli ab niemand mehr aus Frankfurt einzu⸗ laſſen, er habe Atteſt oder nicht. Gleicherweiſe wurde auch Frankfurt rechtzeitig von der Maßregel in Kenntnis geſetzts.

Bei der großen Vorſicht der Regierung war es nicht anders zu erwarten, als daß auch die Handele⸗ beziehungen zu Frankfurt abgebrochen oder doch erſchwert wurden. Gegen Köln verhielt man ſich geradeſo. Dieſer Zuſtand dauerte bis in das Frühjahr 1667, wo Frankfurt an Heſſen⸗Rheinfels die Nachricht ge⸗ langen ließ, daß die Stadt wieder peſtfrei ſeis. Die heſſiſche Regierung ließ ſich überzeugen und gab den Verkehr mit Frankfurt wieder freis. Kurz vorher hatte auch die Stadt Köln Anzeige gemacht!, daß die Peſt nachlaſſe und gebeten,zur auffbringung der ſo höchſt nötiger commercien an den heſſiſchen Zollſtätten und Päſſen die Ab⸗ und Zufuhr der Waren ohne jede Verhinderung zu geſtatten. Die Ant⸗ wort von Heſſen⸗Rheinfels iſt nicht bekannt. Die Peſt blieb in Köln auch im Jahre 16688. Im September 1669 berichtet Köln an Mainz?, daßdie Paſſage von hinnen Biß auff Mayntz zu ſo viel wir wißen, allerohrts frey und unverdächtig ſei. Heſſen⸗Rheinfels hatte alſo damals den regelmäßigen Verkehr wieder aufgenommen..

Heſſen-Kaſſel.

Noch lückenhafter als bei Heſſen⸗Rheinfels iſt die Überlieferung bei Heſſen⸗Kaſſel. Was zunächſt die Frage der Verbreitung der Peſt betrifft, ſo iſt von der Verfügung der Landgräfin Hedwig Sophie auszugehen, die ſie als Regentin und Vormünderin ihres noch minderjährigen Sohnes Wilhelm am 1. Auguſt(a. St.) 1666 zu Kaſſel erließ ¹o. Am Anfang der Verfügung erklärt ſie,daß vns die ſichere nachricht eingelanget/ was maſſen die durch Gottes verhängnüß anfangs am Vntern⸗Rhein⸗Strom jenſeit entſtandene/ vnd ſich herauffwerts biß in die Pfaltz gezogene Seuche der Peſt ſich je mehr vnd mehr außbreite/ vnd nunmehr auch eine vnd andere diſſeit Rheins vnd Mayn gelegene Orte ergriffen/ ſo⸗ gar/ daß dieſelbe forters nicht allein in der Stadt Franckfurt/ ſondern auch etlichen herwerts benach⸗ barten Enden in der Wetteraw vnd vffm Land eingeriſſen. Daher erfordere es gebieteriſch die Not, dahin ſorgfältig zu trachten, daß Unſers geliebten ältiſten Sohns Fürſtenthumbe vnd Lande /Städte/ Flecken vnd Dorffſchafften von ſolcher Seuche nicht auch inficiret/ ſondern dieſes Vbel/ ſo weit es nach Gottes Willen vnd deſſen vnnachläſſiger Anruffung durch Menſchliche Mittel zuerreichen jmmer möglich/ von demſelben abgewendet werde. Darnach war alſo das eigentlich Heſſen⸗Kaſſeliſche Gebiet bis zum 1. Auguſt 1666 von der Peſt verſchont. Eine Beſtätigung dieſer Thatſache giebt der Beſchluß der Reichs⸗ ſtadt Friedberg(16. Juli 1666), wonach alles, was von Kaſſel und andern uninfizierten Orten kommt, paſſieren dürſe Freilich heißt es dort weiterhin, der Kaſſeler Poſtwagen ſolle nicht mehr eingelaſſen,

1 F. C. A. II, S. 167.

²Unter den regelmäßigen Beſuchern Schwalbachs aus der zweiten Geſchichtsperiode ſind vor Allen die Be⸗ wohner des benachbarten Frankfurt zu nennen, die wir alljährlich in ſehr überwiegender Anzahl hier treffen. Mervilleux (Amusements des Daux de Schwalbach) behauptet,daß die Frankfurter Frauen gleich bei ihrem Ehebündniß es ausmachen, daß ihnen die Männer etwas gewiſſes ausſetzen müſſen, davon nach Schwalbach zu reiſen, wodurch dann die Männer genöthigt würden, auch mit zu gehen. Genth a. a. O. S. 53. ³ F. C. A. II, S. 167, 19./9. Juli 1666.

¹ Kölner Briefausgänge, Band 7, 1663 1669, vom 23./13. März 1667,(Kölner Stadtarchiv).

* F. C. A. III, Nr. 564, 26. März 1667. s F. C. A. IV, S. 593, 227t2 April 1667.

* Kölner Briefausgänge, Bd. 7, 23. März 1667. 4 s Kölner Briefausgänge, Bd. 7, 22. Auguſt 1668 und v. Mering Die Peſt in Köln im Jahre 1665 66, Annalen des hiſtoriſchen Vereins für den Niederrhein, Heft 5, S. 148.

» Kölner Briefausgänge, Bd. 7, 27. September 1669. 10 Marburger Staatsarchiv.

¹1 Ratsprotokoll der Stadt Friedberg(D. H. St. A.)