Aufsatz 
Hessische Aktenstücke aus den Pestjahren 1666 und 1667 / Ferdinand Bodenstein
Entstehung
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Stadt Darmſtadt.

Die Stadt Darmſtadt ward in den Jahren 1665 1667 zwar von keiner Peſtepidemie heim⸗ geſucht, doch müſſen vereinzelte Peſtfälle vorgekommen ſein. Den untrüglichſten Beweis dafür, daß keine Eyidennie in in der Stadt herrſchte, liefert das Kirchenbuch. Es zeigt in jenen Jahren keine erhöhte Sterb⸗

Von der oberen Graſſchaft Katzenelnbogen wurde nur ein Gebiet auf das Vorkommen der Peſt geprüft, nämlich diejenigen Orte, die an der großen Verkehrsſtraße zwiſchen Main und Neckar, im beſonderen an der Bergſtraße, liegen: Darmſtadt, Eberſtadt, Alsbach, Zwingenberg und Auerbach. Es ließ ſich erwarten, daß die Peſt, wie am Rhein, ſo auch hier, dem Verkehr folgen würde. Dieſe Erwartung hat ſich nicht erſüllt. Eine Epidemie herrſchte überhaupt nicht, abgeſehen von Zwingenberg; die Einſchleppung erfolgte durch Leute des Ortes aus benachbarten Gegenden. Darmſtadt ward von der Peſt ergriſſen, obwohl nicht ſtark(ſ. u. S. 14). Für Eberſtadt läßt ſich die Peſt nicht nachweiſen. Ein Vermerk über die Peſt fehlt ſür jene Jahre im Kirchenbuch, obwohl er ſich für einen Fall des Jahres 1672 findet. Es ſtarben: 1665: 14; 1666: 6; 1667: 13: 1668: 11. Die Sterblichkeit iſt im Vergleich zu den folgenden Jahren normal. Unter den 14 Sterbeeinträgen des Jahres 1665 finden ſich 12, alle vom 19. Juli ab, bei denen die Bemerkung ſteht, daß die betreffenden an der roten Ruhr geſtorben ſeien,der beſchwerlichen, ſchmertzhafften, abſcheulichen Krankheit.(Die Krankheit war damals ſo ſtark verbreitet, daß die heſſiſche Regierung zu Gießen für den gemeinen Mann eine Anweiſung drucken ließ, die Verhaltungsmaßregeln und Mittel gegen die rote Ruhr enthält.Be- richt Wan man ſich bey der rothen Ruhr zu verhalten hat. Gieſſen den 22 Julij 1669. D. H. St. A.) Die 1667 Verſtorbenen ſind meiſt ältere Leute, 1668 ſtarb ein fremder Zimmergeſelle aus Württemberg an einerHauptſchwach⸗ heit. Für Alsbach ſtellen ſich die Ziffern nach dem Kirchenbuch folgendermaßen: es ſtarben 1665: 7; 1666: 13; 1667: 3; 1868: 5 Perſonen. Die durchſchnittliche Sterbeziffer jener Jahre beträgt 6 für das Jahr. Deutlich hebt ſich das Jahr 1666 mit 13 Perſonen ab. Sämtliche Sterbefälle außer einem fallen in die Monate September und Oktober 1666, und zwar handelt es ſich nur um Perſonen von 1126 Jahren. Darunter ſind 3 nicht von Alsbach ſtammende Dienſtboten; drei andere Kinder eines und deſſelben Hauſes. Über die Todesurſache findet ſich keine Spur; doch läßt die Häufung von außergewöhnlich jung Verſtorbenen auf irgend eine Epidemie ſchließen.

Ganz ſicher bezeugt iſt dagegen das Auftreten der Peſt in Zwingenberg, wo ſie epidemiſch herrſchte und eine verhältnismäßig große Anzahl Menſchen hinwegraffte. Namentlich läßt ſich an der Hand des Kirchenbuches genau verfolgen, wie ſie ihre Opfer faſt ausſchließlich in ein paar Familien ſuchte und dieſe beinahe vollſtändig ausrottete. Schon die erhöhte Zahl der Geſtorbenen in dem Jahrzehnt von 16601670 läßt das Jahr 1667 deutlich als Peſtjahr erkennen. Es ſtarben nach dem Kirchenbuch: 1662: 11; 1663: 4; 1664: 10; 1665: 13; 1666: 21; 1667: 63; 1668: 7; 1669: 10; 1670: 10 Perſonen. Auf die einzelnen Monate verteilen ſich die im Jahre 1667 Geſtorbenen folgendermaßen: Januar 4; Februar 18; März 14; April 12; Mai 4; Juni 3; Juli 6; Auguſt 4; September 2; November 0; Dezember 1. Dabei ſind nach dem Vermerk des Kirchenbuchs Peſtfälle vorgekommen im Jannar. Februar, Juni und Juli. Doch iſt die Wahrſcheinlichkeit groß, daß auch im März, April und Mai die Seuche herrſchte, obwohl davon nichts Ausdrückliches im Kirchenbuch ſteht. Daß während der Monate März und April in Zwingenberg die Peſt wütete, beweiſt einmal die ungewöhnlich hohe Sterbeziffer dieſer Monate, zum andern die Thatſache, daß faſt nur Mitglieder von einzelnen, be⸗ ſtimmten Familien ſtarben, ſonſt faſt niemand. Der damalige Pfarrer ließ öfter den Vermerkpeste obiit weg. Dies geht deutlich aus einer Bemerkung zum 5. Juli hervor. An dieſem Tage wurde Joſt Philippus Dillenius, Ampts Keller, beſtattet. Weil dieſer angeſehene Mann ſtarb, ſteht der Zuſatz im Kirchenbuch:iſt peste mit den ſeinigen geſtorben. Aber bereits am 18. und 19. Juni und am 1. Juli wurden Mitglieder der Familie Dillenius begraben, ohne daß ſich in dem Sterberegiſter ein Vermerk über die Todesurſache fände. Erſt bei dem Tode des Familienoberhauptes fügte der Pfarrer die Todesurſache für die ganze Familie zu. Indeß ſchon aus der Anzahl der Todesfälle innerhalb der⸗ ſelben Familie wäre der Schluß erlaubt geweſen, daß hier die Peſt die Urheberin des Todes war. In derſelben Lage iſt man den in den Monaten März, April und Mai Verſtorbenen. Alle Toten des Monats Mai(4) gehören einer Familie(Bach) an. Die Richtigkeit dieſer Annahmen vorausgeſetzt, herrſchte alſo ein halbes Jahr lang, von Januar bis Juli, die Peſt in Zwingenberg.(Wie wenig zuverläſſig die Angaben der Akten über das Vorkommen der Peſt ſind, zeigt ſich deutlich in dieſem Fall. Frankfurt ſchrieb am 10. Mai 1667(F. C. A. IV, Nr. 617) an Augsburg, das wegen der Peſt angefragt hatte, die um die Stadt Mainz und in der Bergſtraße herrſchen ſollte, es habe deshalb bei den be⸗ nachbarten und durchreiſenden Leuten genaue Kundſchaft eingezogen. Die betreffenden Orte und der Rheingau ſeien frei von anſteckenden Krankheiten.In Zwingenberg habe die Seuch im Jüngeren Martio ettwas angeſetzt, die ſich aber in bälde hinwiderumb verlohren, allermaßen die Poſt Calesche zwiſchen hier und Heydelberg mit reyßenden Perſonen von der Zeit an wochentlich ab⸗ und zugehet, und keine gefahr dannenhero zu beſorgen.) Wie die Seuche nach Zwingen⸗ berg kam, ſteht auch im Kirchenbuch zu leſen. Es berichtet:am 22 t. December iſt Johann Maier, Barbierer, allhier,

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