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der christliche Glaube weniger eine blose Doctrin als vielmehr die wiedergebärende Kraft Gottes im Menschenherzen und heilige, sich an die Offenbarungen Gottes hinge- bende und ein geistliches Leben auswirkende Gesinnung war ¹). Im wohlthuendsten Gegensatz zu der damals herrschenden Mode polemisirte und polterte er daher nicht an geweihter Stätte gegen anders Lehrende; denn nichts war ihm mehr zuwider als das Verdammen und Richten, wie er denn auch vor dem Singen der Fluchpsalmen warnte und von sich selbst bekannte, es sei seine Gewohnheit nicht den Geifer an die Kanzel zu wischen ²).
Ihm war vielmehr einer todten Aeusserlichkeit der Worte, Gebräuche, Lehren und Werke gegenüber daran gelegen, dass die Religion des Herzens wirkliches und eigen- stes Erfahren, Glauben und Leben werde. Es bezeichnet des Mannes Richtung nichts besser, als wenn er selbst sich also auslässt:„Sollen wir als Glieder Christi Bekenner der Wahrheit sein, so sind elendiglich dran diejenigen, die Jesum zwar mit dem Munde bekennen, aber mit ihrem gottlosen Leben und Wandel verleugnen. Du meinst, o Men- schenkind, du seiest ein guter Christ. Warum? Weil du die christliche Religion mit dem Munde bekennst, weil du getauft bist, weil du zum Abendmahl gehst, weil du zur Kirche kommst und Gottes Wort hörst? Allein thun das die Heuchler nicht auch? Und gehen doch verloren Du hörst wohl Gottes Wort, aber nimmst es nicht zu Herzen; du weisst den Willen Gottes und thust ihn doch nicht; dein Gewissen sagt dirs, was gut und böse sei, und besserst doch dein Leben nicht; du kommst zum Abendmahl, und trittst doch das Blut Christi mit Füssen. Meinst du, dass der blose Christenname dich werde selig machen? Nein, wahrlich nicht alle, die da sagen: Herr, Herr, werden ins Reich Gottes kommen, sondern die den Willen Gottes thun“ ³). Und erinnert es nicht an J. v. Lodensteins Wort: o hoe is de gereformeerde kerke gedeformeert! ⁴4) wenn Mel, was ihm Löschers„Unschuldige Nachrichten“ nicht vergassen ⁵), weiter fort-
von Preussen. Vgl. u. A. die Vorrede zu dem Eröffneten Gnadenthron, einer Sammlung von Com- munionpredigten, welche rheilweise vor jenem König gehalten und ihm auch gewidmet sind.
¹) Den historischen Glauben haben auch die Unwiedergeborenen, sagt er in einer Predigt der Samm- lung: Zions Lehre und Wunder. Cassel 1746. S. 80. Vgl. Solennelpredigten von Dr. Mel 3. Aufl. Hersfeld 1756. S. S. 956 675.
2) Letzte Reden der Sterbenden. 4. Aufl. Cassel 1756.§S. S. 213, 712, 906.
²) Das. S. 39.
¹) Max G6 b ol, Geschichte des christlichen Lebens II. S. 160 und 170— 172.
5¹) Unschuldige Nachrichten. 1710. S. 30.
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