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Mit den Coccejanern ¹) hatte er insbesondere fortan nebst der Föderaltheologie eine entschiedene Vorliebe für das Hebräische und Alttestamentliche ²), sowie den her- meneutischen Grundsatz der sprachlichen und geschichtlichen Erklärung der heiligen Schrift aus ihrem Zusammenhang, aus ihren hellen Stellen und infolge dessen auch die typologische Deutung vorzüglich des Alten Testaments gemein. Selbst deren Hinneigung zum Cartesianismus hat er getheilt. Indem er nemlich einen Unterschied machte zwi- schen der Erkenntnis der natürlichen Dinge und der Offenbarung oder zwischen der Philosophie und Theologie, wollte er auf dem ersteren Gebiet nur die Erkenntnis gelten lassen, die„ohne alle Vorurteile und ohne Autoritätsglauben durch Dubitation und gründliche Untersuchung“ gefunden„sich an die gesunde Vernunft am meisten offen- bare“. Darum hielt er zwar die Untersuchungen des Cartesius, den er sonst über Plato und Aristoteles stellte,„nicht für infallibel“, aber dessen Grundsätze so sehr für die rich- tigen, dass er sie,„in natürlichen Dingen“ befolgte und dass er von ihnen selbst einen wenn auch beschränkten und mehr Unglauben abwehrenden Gebrauch in der Theologie gemacht zu sehen wünschte. Dies scheint aus einer Ausführung hervorzugehen, welche er später in seiner„Teutschen Physik“ ³) gegeben, wo er sagt:„Ich wollte zwar wün- schen, dass Cartesius dieses Worts(dubitandum de omnibus) sich nicht bedient hätte, so würden sich Viele daran nicht geärgert und Anlass genommen haben zu lästern. Wenn aber ein Jeder der beste Ausleger ist seiner Worte, ist es gar nichts Ungereimtes zu sagen, man müsse sein Urteil so lange aufschieben, bis man von einer Sache üherzeugt sei; denn wer leicht glaubt, wird leicht betrogen. Ob nun zwar dies Aufschieben sei- nes Urteils in geistlichen Dingen keinen andern Zweck hat als die Ursachen und Be- weisgründe einer göttlichen Wahrheit wohl zu untersuchen, Alles zu präfen um desto fester zu glanben— ja, auch wenn man zweifeln wollte, ob ein höchst vollkommenes Wesen sei, man doch eben dadurch desto mehr beweisen könnte, dass ein solches We- sen sei, weil man einen Begriff davon hat: indem derjenige, der daran zweifeln wollte,
1) Vgl. W. Gass,(deschichte der prot. Dogmatik. 2. B. Berlin 1857.§. 253 bis S. 323. Max Göbel a. a. O. Dr. II. Ileppe, die Dogmatik der reformirten Kirche. Elberfeld. 1861. an versch. 0.
²2) Die P'unctation hielt Mel aber nicht für inspirirt, wie streng er sonst an der Inspiration des Textes festhielt. Vgl. die Thesen, welche er den lersfelder Gymnasiasten zu Disputationen stellte, in dem Fascikel der auf der liersfelder Gymnasialbibliothek aufbewahrten gedruckten Specimina aus den Jahren 1715—1733..
³) Schaubühne der Wunder Gottes in den Werken der Natur oder teutsche Physik von Dr. C. Mel. Cassel 1732. 1. Bd. S. 40—55.


