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abgestumpft, dass einige Jahre nach Mels Studienzeit sogar der reformirte Prediger Mieg, ein Heidelberger von Geburt, ohne Weiteres zum Professor graecae daselbst ernannt wurde ¹)...
Nach seinem Abgange von Rinteln besuchte Mel, wie schon sein Vater gethan hatte, das akademische Gymnasium zu Bremen, wo er unter Matth. Boot eine Disser- tation vertheidigte 2) und wo seit der Mitte des 17. Jahrhunderts die philippistische Richtung dem sich verstärkenden Einfluss der niederländischen Theologie das Feld ge- räumt hatte, namentlich seitdem der Bremenser Coccejus zu so grossem Ansehn in den Niederlanden gelangt war. Zugleich aber streute hier der von Labadie angeregte Erweckungsprediger Theodor Undereyk bereits den Samen eines über den Confes- sionalismus hinausgehenden christlichen Lebens aus ³).
Noch kräftigere Anregung zu dieser innerhalb des reformirten Lehrtypus unions- freundlichen und dem Pietismus Spevpers gleichen, praktischen Richtung empfing Mel, als er nun noch die holländische Universität Gröningen besuchte*). Unter dem Ein- fluss von Joh. Coccejus war allmählig auf allen holländischen Universitäten an die Stelle eines dogmatisch exegetischen Traditionalismus eine freier gesinnte schriftfor- schende Theologie getreten. Der Sinn für Katechisationen war da schon längst, ehe
1) Vgl. hierüber und über das Folgende Tholuck, das akademische Leben des 17. Jahrhunderts. II. S. 95 ff., S. 296 ff S. 204 ff. Dem Professor graecae lag nemlich in jener Zeit auch die Inter- pretation des neuen Testaments ob.
2²) Revelatio profundorum de tenebris seu censoris nuperum nostrum examen candidum Boehmianorum sub censuram vocantis refutatio paciſica. Bremae 1686. 4.
2) G. Arnold, Leben der Giäubigen. S. 933— 945. Reiz, Leben der Erweckten. III, 118— 127. Vgl. Max Göbel, Gesechichte des christlichen Lebens in der rheinisch-westfälischen evangelischen Kirche. Coblenz 1852. 2. B. S. 300— 322. Underey k 1635 in Duisburg geboren starb in Bremen 1693. Von 1667 bis 1670 war er Hofprediger der Hedwig Sophbie, Landgräfin von Ilessen, zu Cassel.
4) Die holländischen Universiläten galten damals für alle Reformirten als eine Fundgrube der theo- logischen Gelehrsamkeit. Namentlich suchte von den lessen, wer es nur einigermassen konnte, dort die Reife seiner theologischen Bildung zu holen. Ausser den beiden Mel, Vater und Sohn, gehören dahin, um nur die hervorragendsten zu nennen: die beiden Vetter J. Christian und J. Sie- gismund Kirchmeier, die beide gleichzeitig Professoren der Theologie(der erste, der sogenannte grosse, 1723— 1743, der andere, der kleine 1710— 1749) zu Marburg waren; sodann dio drei Duy- sing, Vater, Sohn und Enkel, die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts hinter einanderher ebenfalls Professoren der Theologie zu Marburg waren; und endlich J. Joachim Schröder, 1713— 1756 Pro⸗ fessor der orientalischen Sprachen und der Kirchengeschichte zu Marburg, und dessen beide Söhne: Nikolaus Wilbelm, Orientalist in Marburg und Gröningen, und Johann Wilhelm, des Vaters Nachfol- ger in Marburg.-


