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den Unterricht und das Betragen der übrigen Lehrer zu beobachten, und wenn sie sei- nen Ermahnungen nicht folgten, den Obern anzuzeigen. Die übrigen Lehrer, Collabora- toren des Rectors, waren sich unter einander völlig gleich; der älteste von ihnen führte den Titel Conrector. Der Unterricht wurde in vier Classen gegeben, doch so, dass im- mer zwei Classen in einem Schulzimmer vereinigt waren und grösstentheils einerlei Unterricht genossen. Hauptgegenstände des Unterrichts waren Religion und alte klassi- sche Sprachen. In der Religion wurde der Heidelberger Katechismus zu Grunde ge- legt, an welchem in den beiden oberen Classen zugleich logische Uebungen angestellt wurden. Die Logik wurde ausserdem nach der Methode des Ramus betrieben. Die ausgewählten Classiker für die erste Classe allein waren Cicero de officiis und Theo- gnis; für die erste und zweite zusammen Ciceros Reden, Virgil und Isokrates; in der zweiten Classe allein Ovids Briefe. In der untersten Classe wurden Terenz, Ciceros Briefe, Catos Distichen und im Griechischen die Sonntagsevangelien geleseu. Die la- teinischen Prosaiker dienten namentlich in den oberen Classen auch zur Uebung der Grammatik, Rhetorik und Logik. In den untern Classen wurden sie nur ins Deutsche übersetzt und grammatisch und phraseologisch erklärt. Die griechischen Schriſtsteller wurden lateinisch übersetzt. Schriftliche Cebungen in lateinischer und griechischer Sprache sollten nur zur Nachahmung der gelesenen Schriftsteller dienen. Lateinisch wurde auch beständig gesprochen. Von„Wissenschaften und Künsten“ trieb man nur Arithmetik, und zwar in der zweiten Abtheilung die vier Species und in der andern die Proportionsrechnung, und ausserdem noch Musik in zwei Abtheilungen.
Seit der Hessischen Schulordnung von 1656 wurde die Logik, Rhetorik und Poetik nach festgesetzten Lehrbüchern gelehrt, das Lesen und Erklären der alten Schriftsteller etwas beschränkt, dagegen aber sehr viele Uebungen im Schreiben und Sprechen des Lateinischen angeordnet und die Lehrbücher des Amos Comenius benutat.
Die äussere Frömmigkeit wurde streng geübt. Der Hebdomadarius, der Lehrer, welcher die wochenweis wechselnde Aufsicht führte, zog an allen Sonn- und Festtagen auch an jedem monatlichen Bettage und alle Mittwochen mit sämmtlichen Schülern, de- nen die Lehrer folgten, nach der Kirche und aus der Kirche wieder ins Gymnasium zu- rück, wo er die Predigt noch einmal durchfragte. Ausserdem waren die Schüler von Aufsehern aus ihrer Mitte zu allen Zeiten beaufsichtigt, namentlich die, welche durch die Gnade des Fürsten den freien Tisch genossen. An den zwei freien Nachmittagen Mittwochs und Sonnabends war es ihnen erlaubt an bestimmten Orten und unter einander


