Aufsatz 
Zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Karl Weigand / von Otto Bindewald
Entstehung
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pfunden werde, wenn auch vielleicht manche von denen, die ihm im Leben begegneten, weil er ſo ſchlicht und einfach, ſo anſpruchlos und ohne einen Schein der Ueberhebung unter uns ſich bewegt habe, ſeine Bedeutung nicht recht erkannt und begriffen hätten. Dann pries er ſeine Verdienſte als Mann der Wiſſenſchaft und bezeichnete als Grund⸗ ſtimmung ſeines ganzen Weſens die Treue, die er gegen Gott und Men⸗ ſchen in den verſchiedenſten Lebenslagen und Berufsſtellungen bewährt habe und zwar als ein in der Hauptſache ſelbſtgemachter Mann von hoher Begabung und voll ſeltener Tugenden, über deſſen Eingehen in die Freude ſeines Herrn man darum getröſtet ſein dürfe, wenn man auch noch nicht wiſſe, wie er erſetzt werden ſolle.

Nach dieſer ergreifenden Rede empfahl dann Pfarraſſiſtent Schöner in einem längeren Gebete die Seele des Verblichenen in ſeines Gottes und Erlöſers Hand und endete durch das übliche dreimalige Werfen von Erde auf den Sarg die ernſte Leichenfeierlichkeit, von der wol jeder der Teilnehmenden den tiefen Eindruck mit hinwegnahm, daß an dem Grabe, das man umſtanden, ein gar wol angewendetes und reichgeſeg⸗ netes Leben ſeinen Abſchluß gefunden habe.

Weigand hinterließ eine ſehr wertvolle germaniſtiſche Bibliothek, die manche ſehr ſeltene Werke,(z. B. Val. IckelſamersTeütſche Gram⸗ matica 1. Aufl. u. Sebaſtian Helber's Teutſches Syllabierbüchlein [v. 1593]/ beide unica) enthielt, unter denen die lexicographiſche Literatur älterer und neuerer Zeit, wie ſich von ſelbſt verſteht, beſonders gut vertreten war. Mit großer Umſicht hatte er ſtets die günſtige Gelegenheit zu erſpähen gewuſt, um, meiſt auf antiquariſchem Weg, das ihm notwendige literariſche Material ſich zu verſchaffen und die Lücken in ſeiner eigenen Bücherſammlung zu ergänzen. Sehr erwünſcht wäre es geweſen, wenn die von ihm zuſammengebrachten Bücherſchätze ungetrennt der Biblio⸗ thek der Univerſität hätten einverleibt werden können, zu deren Zierden er ſo lange Zeit gehört hatte. Da es dazu nicht kommen konnte, ſo ſind ſie durch Kauf in den Beſitz des Buchhändlers und Antiquars Kerler in Ulm übergegangen, der es wol verſtehen wird, die wertvollſten der darunter befindlichen Werke in Hände zu bringen, in denen ſie vor Abhandenkommen oder Vernichtung bewahrt bleiben.

Am Schluß unſerer Arbeit angekommen, erlauben wir uns nur noch dieß kurze Wort: Wir ſind froh, daß wir Weigand den unſern nennen dürfen. Gehörte er auch nicht zu den Männern von epochemachender, bahnbrechender Bedeutung, wie ein Jacob Grimm, Franz Bopp, Friedrich Diez auf dem Ge⸗