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wieder ſo, daß er im Beginn des Herbſtes ziemlich wol auf war und mit gewohntem Fleiß ſeine wiſſenſchaftliche Arbeit wieder, aufnahm. Ja er würde ſogar die vom 26—29. September zu Wiesbaden— dem Wohnorte ſeines Schwiegerſohns— ſtattfindende Philologen⸗Verſamm⸗ lung beſucht haben, wenn ihn die Rückſicht auf ſeine kaum erſt erfolgte Wiedergeneſung nicht davon abgehalten hätte. So richtete er nur an den Präſidenten der germaniſtiſchen Section jener Verſammlung, Prof. Dr. Creizenach, einen Brief, in dem er ſeinem Bedauern, nicht erſcheinen zu können, Ausdruck gab, aber auch über die damals lebhaft ventilirte Frage nach einer Vereinfachung der deutſchen Orthographie gemäß den Beſchlüſſen der„Berliner Conferenz“ ſeine Meinung aus⸗ ſprach und zugleich gegen eine Abſtimmung in dieſer Angelegenheit ſich verwahrte. Der Verf. dieſer Zeilen beſuchte ihn um dieſe Zeit mehrmals und traf ihn, wie gewöhnlich, herzlich, munter und mitteilſam über Perſonen und Erlebniſſe mannigfacher Art aus alter und neuer Zeit.
So ſehr er aber auch gemahnt wurde, ſich zu ſchonen und an⸗ ſtrengender geiſtiger Beſchäftigung ſich möglichſt zu entſchlagen, ſo konnte er es doch nicht über ſich gewinnen, wenigſtens eine der von ihm angezeigten Vorleſungen, nämlich die über deutſche Literatur im Winter 1877/78 zu halten, wie auch die im Sommer vorher abge⸗ brochne Vorleſung„über deutſche Syntax“ vom 26. Nov. bis 28. Jan. nachträglich zu Ende zu führen. Er hatte aber die erſtgenannte Haupt⸗ vorleſung am 14. März 1878 kaum geſchloſſen, als ihn ſein Bruſt⸗ leiden von neuem mit großer Heftigkeit befiel und von da an jede ernſtliche Thätigkeit ihm unmöglich machte. Es war nach der Aus⸗ ſage ſeines Arztes eine Herzverfettung bei ihm eingetreten, die ſich bald zu Herzbeutelwaſſerſucht ausbildete. Vom Oſterfeſte an wurde er faſt ganz bettlägerig und genötigt, jeder Art von Arbeit ſich zu ent⸗ halten. Daß der an rege Beſchäftigung von frühſter Jugend auf ge⸗ wöhnte Mann) in dieſer Lage oft von Mißmuth und Verdrießlichkeit befallen wurde, wer wollte ihm das verdenken? Was ärztliche Kunſt und aufopfernde Pflege der Angehörigen vermochte, wurde natürlich nicht geſpart. Dennoch blieb Weigand der Gedanke an einen ſchlimmen Ausgang ſeiner Krankheit ganz fern, ja er gab ſich ſogar der trügeriſchen Hoffnung hin, mit dem beginnenden Sommerſemeſter wieder den Katheder beſteigen zu können. Doch es war im Rate der Vorſehung anders beſchloſſen. Lange und zähe widerſtand ſeine gute Conſtitution der auflöſenden Wirkung der unheilvollen Krankheit, denn nach Tagen tiefſter Schwäche wurde es ihm ſogar manchmal wieder möglich, ſich


