Aufsatz 
Zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Karl Weigand / von Otto Bindewald
Entstehung
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in Heſſen, die den Beginn einer neuen Zeit documentirten, und auf die darum begreiflicher Weiſe die Augen aller, denen die Hebung der geiſtigen und materiellen Wolfahrt des engern Vaterlands am Herzen lag, mit großen Hoffnungen und Erwartungen hinſahen. Um ihre ſchon im Jahr 1811 höchſten Orts beſchloſſene, aber im Drange der Kriegs⸗ zeit und ihrer unmittelbaren Folgen wieder vertagte Gründung und Entwicklung hatte ſich außer dem damaligen Kirchen⸗ und Schulrat Friedrich Ludwig Wagner(Verf. derLehren der Weisheit und Tugend) in Darmſtadt und dem von energiſcher Schaffensluſt be⸗ ſeelten jugendlichen Geh. Regierungsrat Wilhelm Heſſe in Mainz vor allem der als vortrefflicher Schulmann hochgerühmte und verehrte Prof. Dr. Chriſtian Theodor Roth(geb. 1766 zu Münſter bei Laubach ſeit 1782 stud. theol. et philos. in Gießen und von 1792 an ſchon Rector des Auguſtineums in Friedberg, ſpäter(1837) Ober⸗ ſchulrat, ſeit 1841 penſionirt und am 13 April 1848 im Alter von 82 Jahren geſtorben) die höchſten Verdienſte erworben, die dadurch ihre Anerkennung fanden, daß er zum erſten Director der im Jahre 1817 endlich ins Leben getretenen und in den Räumen des ehemaligen burggräflichen Archivgebäudes am 2. Nov. desſelben Jahres eröffneten Anſtalt ernannt wurde. Als der junge Weigand Aufnahme in dieſelbe begehrte, war aber die geſetzlich zuläſſige Schülerzahl 70 bereits voll, ſo daß er für das erſte Winterhalbjahr nur als discipulus extra- ordinarius eintreten und dem Unterrichte beiwohnen konnte. In ſeinem oben genannten curriculum vitae bezeichnet er ſich, was man ihm freilich im Hinblick auf ſeine das ganze übrige Leben hindurch be⸗ wieſene Eigenart kaum glauben möchte, während dieſer Zeit als einen ſehr unfleißigen Schüler(ut ingenue fatear, pigritia insignis), der beſonders ſeinen Liebhabereien nachgegangen ſei. Als er dann aber nach dem Ausſcheiden einer älteren Schülerclaſſe mit dem Sommer⸗ ſemeſter 1822 ordentliches Mitglied zunächſt der untern Abteilung des Seminars wurde, entwickelte er, von Eifer und Lernbegierde ge⸗ trieben, einen ſo angeſtrengten und ausdauernden Fleiß, daß ſeine guten Anlagen dadurch aufs raſcheſte ſich entwickelten und bald ein erſtaunlicher Fortſchritt in Kenntniſſen, in denen er bei ſeinem Eintritt eigentlich die meiſten ſeiner Altersgenoſſen ſchon übertraf, an ihm ſich offenbarte. Freilich ſchwächte er dadurch auch ſeine ohnedieß nicht ſehr kräftige körperliche Conſtitution und zog ſich ſogar ein Bruſtleiden zu, das ſich nur langſam und allmählich ſpäter wieder verlor. Seine da⸗ maligen Lehrer waren der ſchon genannte, ihm herzlich wolwollende