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lernte auch die Declinationen und Conjugationen der griechiſchen Sprache etwas kennen. Durch ihn wurde er auch zuerſt etwas näher mit ein⸗ zelnen claſſiſchen deutſchen Dichtern und Proſaſchriftſtellern bekannt, die er mit der größten Begierde las, ſo daß er ſie, wie Schreiber dieſes erzählt worden iſt, überall mit ſich herum trug und im Sommer häufig in Feld und Garten, auf Bäumen ſitzend, leſend angetroffen wurde. Durch dieſe Lectüre wurde jedenfalls auch der poetiſch⸗ deale Sinn in ihm angeregt, der ihm in den früheren Jahrzehnten ſeines Lebens, ehe die ſtrenge Wiſſenſchaft ihn ganz und gar zum Jünger nahm, in nicht geringem Grade eigen geweſen ſein ſoll. Während dieſer Zeit lebte er noch fortwährend im Hauſe des Großvaters(der den 14. Aug. 1825 im Alter von 86 Jahren ſtarb) und ging täglich von Staden zum Empfang dieſes Unterrichts nach Nieder⸗Florſtadt, unterwegs ſeine Lectionen repetirend, ja von da oft auch noch weiter nach dem nahen Stammheim, um Klavierſtunde zu nehmen. Wenn ſo die Umſtände auch mancherlei Beſchränkungen auferlegten, ſo waren es für ihn doch gar glückliche Tage, deren er ſich ſpäter immer noch gern erinnerte. Leider muſte aber Candidat Ebenau in Folge ſeiner Kränklichkeit ſchon nach einem Jahre den Weigand erteilten Unterricht ganz aufgeben, ſo daß dieſer wieder wie früher bis zum Herbſt 1821, wo er in das Schullehrerſeminar zu Friedberg einzutreten ſich ent⸗ ſchloſſen hatte, ganz auf eignen Fleiß und Selbſtſtudium angewieſen blieb. Was Jacob Grimm, der Gründer und Hochmeiſter der germaniſtiſchen Wiſſenſchaft, von ſich ſagt:„Dürftigkeit ſpornt zu Fleiß und Arbeit an, bewahrt vor mancher Zerſtreuung und flößt einen nicht unedlen Stolz ein, den das Bewuſtſein des Selbſtverdienſtes gegenüber dem, was Andern Stand und Reichthum gewähren, aufrecht erhält“, das gilt in noch ungleich höherem Grad von Weigand. Er ſah ſich von Anfang an in eine Lage geſtellt, die geeignet war, die Selbſtthätigkeit zu wecken und die Kräfte zu ſtählen, und ſo iſt er, wie ſo viele Andere, ein Beiſpiel dafür, daß beengende und beſchränkende Verhältniſſe in der Jugend den nicht niederzudrücken und an der Er⸗ reichung höherer Lebensziele zu hindern vermoͤgen, dem Gottes Hand einen regen Trieb in die Seele gelegt hat.
Nachdem ſich Weigand endlich hinlänglich vorbereitet glaubte, bezog er, beinah 17 Jahre alt, im Herbſt des Jahres 1821 das damals erſt ſeit wenigen Jahren beſtehende Schullehrerſeminar in Fried⸗ berg. Es war dieß eine von den vielen nach den Stürmen des napoleoniſchen Zeitalters neu ins Leben getretenen Bildungsanſtalten


