Aufsatz 
Zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Karl Weigand / von Otto Bindewald
Entstehung
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da die Mutter, welche als Wittwe ihren Wohnſitz in Florſtadt behielt, die ihr verbleibenden Mittel nach der Meinung ihrer Ver⸗ wandten nicht für ausreichend erachtete, um für den Sohn ein acade⸗ miſches Studium in Ausſicht zu nehmen. Am Trinitatisſonntag 1818 wurde dieſer von Pfarrer Ebenau zu Florſtadt confirmirt, wohin er ſtets von Staden aus zum Vorbereitungsunterricht gegangen war. Als einige Zeit darnach(1819) der genannte Candidat Louis nach dem Tode ſeines Vaters von Staden wegzog und als wolhabender Mann an einem Orte in der Nähe ſich niederließ, blieb Weigand ſogar eine Zeit lang ohne Unterricht. Durch fleißigen Gebrauch der in ſeinen Händen befindlichen Bücher ſuchte er den Mangel eines Lehrers zu erſetzen, aber auch durch häufigen Verkehr in den Pfarr⸗ und Schulhäuſern der Umgegend, in denen er wegen ſeines freundlichen und beſcheidenen Weſens gar gern geſehen war. Schon in dieſer Zeit knüpfte ſich das Freundſchaftsband zwiſchen ihm und dem als Sprachforſcher und Schriftſteller ſpäter ſo hochverdienten, ihm faſt gleichaltrigen, Dr. Lorenz Diefenbach(geb. 1806 zu Oſtheim in der Wetterau), deſſen Vater ſeit 1811 in dem Staden ganz naheliegenden Dorf Leidhecken als Pfarrer ſtand. Damals ein zart ausſehender Knabe brachte der junge Weigand oft ſeine Muſikſtücke mit in das Pfarrhaus und ergöͤtzte die Familienangehörigen durch ſeine beſcheidenen Leiſtungen auf dem Klavier, durch die er ſich und Andern manche frohe Stunde verſchaffte. Im Jahre 1819 endlich erklärte ſich der Sohn des damaligen Pfarrers Ebenau von Nieder⸗ florſtadt, Karl Friedr. Ludwig Chriſtian Ebenau*)(ein Freund des Gründers der romaniſchen Philologie Friedrich Diez in Bonn), der damals cand. theol. war und wegen Kränklichkeit ſich längere Zeit im Hauſe ſeines Vaters aufhielt, bereit, den Unterricht im La⸗ teiniſchen und in der Geſchichte mit Weigand, der in der freundſchaft⸗ lichſten Beziehung zum Ebenau'ſchen Hauſe ſtand, wieder aufzunehmen. Bei dieſem zweiten Lehrer überſetzte er im Cornelius Nepos das Leben Hannibals und Hasdrubals, Einzelnes aus Cäſar's Commentarien, die Germania des Tacitus und das erſte Buch von Virgils Aeneide und

*) Er wurde ordinirt, litt aber ſpäter an der Stimme, ſo daß er kein Pfarr⸗ amt übernehmen konnte. Nachdem er eine Zeit lang ein Inſtitut in Lauterbach geleitet, wo er auch denLauterbacher Hausfreund herausgab, wurde er zuletzt Hofbibliothekſecretär in Darmſtadt, in welcher Stellung er 1843 ſtarb.