Aufsatz 
Zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Karl Weigand / von Otto Bindewald
Entstehung
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anſehnlichen geiſtlichen und anderen Gebietsteilen auf dem rechten entſchädigt worden, daß ſie ſich eine ganz neue Organiſation zu geben veranlaßt ſah. Als ſie aber nach Gründung des franzöſiſchen Erb⸗ kaiſerthums 1804 in Folge der Stiftung des Rheinbundes am 12. Juli 1806 und der Niederlegung der deutſchen Kaiſerkrone durch Franz II am 6. Aug. 1806 zum Großherzogthum erhoben war, erlangte dieſes die Staatshoheit über eine Anzahl weiterer, ehemals reichsſtändiſcher und reichsritterſchaftlicher Beſitzungen, insbeſondere auch über das Burg⸗ grafthum Friedberg(das im Jahr 1804 noch aus 77 altadeligen Burgmannen beſtand, die von einem Burggrafen und 12 Regiments⸗ Burgmannen regiert wurden) und das große Vaterland Weigands, der auf dieſe Weiſe heſſiſcher Unterthan wurde. So notwendig und erfreulich dieſer gewaltſame Zuſammenſturz verrotteter und gänzlich unhaltbarer Territorialverhältniſſe auch war, ſo ſchwer wurde er doch damals von Seiten der Unterthanen der annectirten mediatiſirten Ge⸗ biete empfunden. Man hatte ſich in dem Junkerland ſo nennt heute der Vogelsberger Bauer noch die Wetterau vielfach in die Zerſplitterung und das Kleinſtaatenthum mit ſeinen lächerlich klein⸗ lichen Verhältniſſen ſo eingelebt, daß manche Thräne und wahr⸗ lich nicht von Seiten der Schlechteſten floß, als ſie aufgegeben werden muſten. Kein Wunder, daß auch unſeres Weigand Eltern den neu ſich geſtaltenden Dingen mit banger Erwartung entgegenſahen. Seine von Alters her in Niederflorſtadt anſäßige Familie hatte ja ſchon bis zu ſeinem Urgroßvater hinauf in Dienſten der zu den Gan⸗ erben gehörigen, bereits ſeit Anfang des 14. Jahrh. vorkommenden Freiherrl. von Löw'ſchen Familie geſtanden und fühlte ſich mit der ganzen Hingabe eines treuen deutſchen Herzens an ihr Wohl und Wehe geknüpft. Sein Vater Karl Melchior Weigand, ein kräftiger, biederer, aber ſtrenger Mann, begleitete wie ſeine Vorväter bei ihr das Amt eines reitenden Förſters und konnte ſich nicht leicht an den Gedanken gewöhnen, daß die ihm liebgewordenen Verhältniſſe eine Aenderung erfahren ſollten. Er ſtand zur Zeit der oben ge⸗ ſchilderten Thatſachen bereits in zweiter Ehe mit Chriſtine Eliſabetha Lichtſtadt(geb. 1783, Tochter des Amts⸗Chirurgen Friedrich Ludwig Lichtſtadt in Staden, der auch ſeines Enkels Pathe war), aus der er außer einer Tochter und dem 1804 gebornen Sohne Karl noch einen zweiten, Wilhelm, geb. 1807, hatte, der am 10. April 1878, einige Monate vor ſeinem Bruder, ohne daß der damals Leidende etwas von ſeinem Ende erfuhr, als v. Löw'ſcher Oberförſter