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Hochachtung die Hand geführt, aber auf die Objectivität und Zu⸗ verläſſigkeit der Darſtellung hoffentlich nicht eingewirkt haben, mit Nachſicht aufgenommen werden.
I. Jugendzeit und Lehrjahre.
In einer Zeit der tiefſten nationalen Zerriſſenheit Deutſchlands, in der aber auch die großartigſten Bewegungen und Umwälzungen im Völkerleben bereits begonnen hatten, erblickte Friedrich Ludwig Karl Weigand auf oberheſſiſcher Erde, der er auch mit ſeinem Wirken faſt ſtets angehörte, nämlich zu Unter⸗ oder Niederflorſtadt in der geſegneten Wetterau am 18. Nov. 1804 das Licht der Welt und wurde am 21. Nov. von Pfarrer Cappe getauft. Das jetzt gegen 1500 Einwohner zählende Dorf an der Nidda gehörte damals noch zu der Ganerbſchaft Staden, einem jener politiſchen Gebilde, an denen das alte deutſche Reich keineswegs arm war, deren einſtige Exiſtenz uns jetzt freilich nur noch ein zufriedenes Lächeln abnötigt. Dieſes reichsunmittelbare winzige Territorium, das nur die Dörfer Staden mit dem alten Ganerbenſchloß, Ober⸗ und Unterflor⸗ ſtadt(Flage-Flan- Flnstat) und Stammheim umfaßte und ſchon ſeit 1405 gemeinſchaftlicher Beſitz verſchiedener adeliger und nichtadeliger Familien war, wurde zuletzt nur noch von den Grafen(nachherigen Fürſten) von Iſenburg⸗Büdingen, den Freiherrn von Löw von und zu Steinfurt und den Burgmannen von Friedberg gemeinſam regiert, war aber durch die erſchütternden Ereigniſſe der franzöſiſchen Revolu⸗ tionskriege, unter denen die Wetterau beſonders ſchwer zu leiden hatte, und die gewaltigen Stöße, die der erſte Conſul der franzöſiſchen Re⸗ publik dem altersſchwachen deutſchen Reichskörper verſetzt hatte, wie ſo manche andere unhaltbare Einrichtung zur Zeit von Weigands Geburt bereits ſeiner Auflöſung ganz nahe gekommen*). Schon durch den erſten und zweiten Regensburger Reichs⸗Deputa⸗ tions⸗Hauptſchluß von 1802 und(25. Feb.) 1803 in Folge des Friedens von Lüneville(1801) war die damalige Landgrafſchaft Heſſen⸗Darmſtadt für ihre Verluſte auf dem linken Rheinufer mit ſo
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*) Über die höchſt intereſſante Geſchichte dieſer Ganerbſchaft vgl. den Aufſatz des Hofg.⸗Rats Dr. Friedrich Zimmermann im Archiv für heſſ. Geſchichte und Alterthumskunde, Bd XIII, 1 Heft, S. 1—77.


