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Lebensbezüge als der wiſſenſchaftlichen Bedeutung Weigands will und kann, bei der Kürze der dafür vergönnten Zeit, unſere Abhandlung nicht ſein. Es ſtanden leider zu derſelben nur wenige und keineswegs reichlich fließende Quellen zu Gebot, und eine Veröffentlichung unſerer Arbeit in einer ſpäteren Zeit— das drängte ſich dem Verfaſſer bei ſeinen mühſamen Nachforſchungen und Erkundigungen an den ver⸗ ſchiedenſten Orten und bei den verſchiedenſten Perſonen auf— würde darum vielleicht einer befriedigenderen Löſung unſerer Aufgabe zu gute gekommen ſein. Ausgiebige Tagebücher oder ſonſtige Aufzeichnungen von der Hand des Verblichenen oder eines ſeiner Angehörigen über ſeine Erlebniſſe oder ſeine Berufsthätigkeit lagen gar nicht vor. Dazu ſchien dem beſcheidenen Manne ſein eigner Lebensgang gewis ſelbſt zu einfach und zu wenig reich an intereſſanten und ſpannenden Thatſachen, und er hat daher wol auch nicht geahnt, daß derſelbe ſo bald nach ſeinem Tode ſchon Gegenſtand genauerer Nachforſchung werden könnte. Außer den dürftigen Notizen, welche ſich in H. E. Scriba's biographiſch⸗literäriſchem Lexicon der Schriftſteller des Großherzogthums Heſſen im 19. Jahrh.[2 Abth. S. 775 und 776— bis zum Jahr 1843 reichend— Darmſtadt bei G. Jonghaus 1843] finden, und außer einem kurzen lateiniſch geſchriebenen curriculum vitae, das Weigand 1836 gelegentlich ſeiner Promotion verfaßte, war Schreiber dieſes einzig und allein auf mündliche oder ſchriftliche Mit⸗ teilungen von Angehörigen, Freunden und Bekannten des Verſtorbenen, auf die Benutzung einzelner freundlichſt zur Verfügung geſtellten amt⸗ lichen Actenſtücke und Briefe oder auf die eigne Erinnerung und das Studium der von ihm hinterlaſſenen Schriften angewieſen. Dadurch wurde allmählich ein Material zuſammengebracht, das über den aller⸗ dings an großen und epochemachend ins äußere Leben eingreifenden Thatſachen keineswegs reichen, in anderer Hinſicht aber trotzdem in⸗ tereſſanten und bedeutenden Lebens⸗ und Entwicklungsgang des Mannes erwünſchtes Licht verbreitete. Blieb dabei aber trotzdem noch Einzelnes, namentlich aus der früheſten Epoche ſeines Lebens nicht genügend auf⸗ gehellt, ſo wollte der Verfaſſer dieſer Zeilen doch den einmal gefaßten und mit ſeinen Collegen feſtgeſtellten Plan nicht unausgeführt laſſen, weil er aus anderweitiger Erfahrung zur Genüge weiß, wie ſchnell in unſerer raſch lebenden und von den verſchiedenartigſten ſich wider⸗ ſtrebenden Intereſſen bewegten Zeit die Erinnerungen Mitlebender entſchwinden, wenn ſie nicht ſo bald als möglich feſt gehalten werden. Und ſo möge denn die nachfolgende Skizze, bei der Verehrung und


