Aufsatz 
Zur Erinnerung an Friedrich Ludwig Karl Weigand / von Otto Bindewald
Entstehung
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dieſe zu finden, wenn wir daran erinnern, daß der Mann, von dem die nachfolgenden Zeilen handeln ſollen, die bei weitem größere Hälfte ſeines Lebens, nämlich 44 Jahre, ganz in unſerer Stadt und von dieſer Zeit mehr als drei Jahrzehnte, nämlich 18 Jahre als College und beinah 12 ½ als Director unſerer Realſchule, in geſegneter Thätigkeit unter uns verbrachte, alſo daß ſein Name mit der Geſchichte unſerer verhältnismäßi g erſt ſo kurz beſtehenden Anſtalt aufs innigſte verknüpft iſt. Es lag daher aber auch den Lehrern derſelben bald nach dem Hinſcheiden des Verblichenen der Wunſch nahe, ihm, der unſerer Anſtalt ſo zum Schmuck und zur Ehre gereichte und ihren Namen weithin bekannt gemacht hat, in den Annalen unſerer Schule ſelbſt ein Ehrengedächtnis zu ſtiften, durch das auch noch diejenigen, welche ſpäter an ihr wirken werden, ſich erhoben und erfreut fühlen könnten. Und wenn dem Schreiber dieſes mit Zuſtimmung ſeiner Collegen dieſe weſentlich biographiſche Aufgabe zufiel, ſo darf er, ſo ſehr er auch der mancherlei dabei ſich erhebenden Schwierigkeiten und der Unzulänglich⸗ keit ſeiner Kräfte ſich bewuſt iſt, einige Berechtigung, die Löſung derſelben zu verſuchen, in dem Umſtande finden, daß er als Student und auch ſpäter noch zu des hochverdienten Mannes Füßen geſeſſen, daß er dann 10 Jahre lang ſein Mitarbeiter an der ihm untergebenen Anſtalt und ſpäter ſein Nachfolger in den von ihm vertretenen Unterrichtsfächern an der Schule geworden iſt und auch nach ſeinem Scheiden von derſelben bis zu deſſen Tode ſtets in freundlicher Verbindung mit ihm geſtanden hat. Für die Angehörigen unſerer Schule und diejenigen, die in ſeiner engeren Heimat ihn kannten und ihm nahe ſtanden, wird darum die nachfolgende einfache und objective Schilderung, welche deßhalb auch auf manche Einzelheit Bezug nimmt, die Fernerſtehenden vielleicht unbe⸗ deutend und unnötig erſcheint, zumeiſt geboten, um ihnen gegenüber den Gefühlen der Achtung und Verehrung Ausdruck zu geben, deren er ſich unter uns in ſo hohem Maße würdig gemacht hat. Und dazu erſchien dieſer Ort geeigneter als ein Fachblatt, das der Natur der Sache nach nur in beſtimmte Kreiſe gelangt und dem großen Publicum meiſt unzugänglich bleibt. Wenn aber auch in weiteren Kreiſen, ins⸗ beſondere unter den Vertretern der germaniſtiſchen Wiſſenſchaft, unſere anſpruchsloſen Mitteilungen einiges Intereſſe finden ſollten, ſo würde uns das in hohem Grade freuen. Vielleicht könnten ſie der Anſtoß zu noch gründlicherer Würdigung des Verſtorbenen von Seiten eines Fachgenoſſen werden, als wir ſie jetzt ſchon zu geben im Stande ſind. Denn eine ganz vollſtändige und erſchöpfende Darſtellung ſowol der