Aufsatz 
Die freie Perspektive im Zeichenunterricht der Mittelklassen höherer Lehranstalten / Heinrich Getrost
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nnnannasnannanan

ſtehenden allgemein pſychiſchen Grundvermögen, wie das aus ſchöpferiſcher Syntheſe hervorgegangene Kunſtwerk. Uebrigens laſſen ſich Leben und Seele fremder Organismen nur mit unſerm eignen Lebensgefühl und unſern eignen Seelenvermögen ausmeſſen und darſtellen nur durch das Xequivalent und mit Mitteln der Kunſt. Die letzten Fragen der Naturwiſſenſchaft werden demnach nur im Verein mit der Kunſt beantwortet werden können.

Bei der Darſtellung von Gegenlſtänden kann ein Empfindungs-, ein Vorſtellungs- und ein Begriffsbild als Ziel geſteckt ſein. Das Empfindungsbild entſteht durch Widerſpiegelung der Empfindung unmittelbar und darum möglichſt getreu nach dem Gegenſtand. Es wird an das photographiſche Bild erinnern. Das Vorſtellungsbild als Erinnerungsbild betont naturgemäſß die charakteriſtiſchen Merkmale auf Koſten der unweſentlichen, die vollſtändig vernachläſſigt werden können. Es findet ſeinen Höhepunkt, in pejorativem Sinne, in der Karrikatur. Endlich das Begriffsbild vereinigt in ſich aus einer größeren Zahl formverwandter Gegenſtände das allen Gemeinſame, Iypiſche. Beiſpiele liefern die griechiſche Palmette und die Rolette.

Dieſen drei Bildarten entſprechen in der Kunſt haturalismus, Realismus und ldealismus.

Zur bewußt richtigen Darſtellung des Dreidimenſionalen iſt die Kenntnis der weſentlichſten Zulammenhänge der Perſpektive ein unumgãngliches Erfordernis. Ohne ſie kommt kein Schüler, ſelbſt bei ernſtem Bemühen, über das Zufalls- produkt und die wertloſe Spielerei hinaus. Schon eine einfache Zeichnung nach einem geometriſchen Körper iſt für ihn ohne Perſpektivverſtändnis ein Verſuch auf gut Glück hin, eine richtige Darſtellung aber ohne Modell, aus der Erinnerung oder gar aus der Phantaſie heraus, eine Unmöglichkeit. Eben dieſe Darſtellung aber iſt ein Ziel, auf das nicht verzichtet werden kann.

Da nun für jede zeichneriſche Darſtellung des Dreidimenſionalen die Nufzeichnung im Umriß Grundlage und Xusgangspunkt für die weitere Aus- geſtaltung iſt, ſo empfiehlt ſich die Einführung in die Perſpektive ſchon in den Tertien. In dieſem Alter ſtellt zwar die Nufgabe noch ſehr hohe Rnforderungen an das Raumanſchauungsvermögen der Schüler; mit Umſicht, Geduld und Gründlichkeit wird jedoch das TZiel erreicht.

Um folgenden wird eine vom Verfaſſer ſeit lahren erprobte Methode gezeigt, die nach ſeiner Erfahrung die Nufgabe löſt. Möge ihr Hauptwert in der Be- ſchränkung der grundlegenden Kenntniſſe auf das Unentbehrliche gefunden werden. X Vorübungen ſind Darſtellungen aus der Empfindung nach dem allgemein üblichen Verfahren vorauszuſchicken.

Die Lehre von dem Verfahren, durch welches Linien, Flächen und Körper ſo dargestellt werden, wie ſie bei der Betrachtung mit einem Auge von einem beſtimmten Standort aus im Raum erſcheinen, wird Perſpektive genannt.

Es gibt zwei Arten der Perſpektive, die zentralprojektive und die freie. Die nachfolgende Darſtellung wird ſich allein mit der freien Perſpektive befaſſen.

Die perſpektiviſche Darſtellung von irgendwelchen geometriſchen Gebilden geht von der Einſtellung des Auges auf einen in Nugenhöhe gelegenen Blick-